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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Altar de Collanes - Altchemnitz

bildete der A. einen Tisch, über dem sich eine reich verzierte Bildwand erhebt. Seit dem 14. Jahrh. wurde diese dadurch erweitert, daß Flügel oder Klappen an ihr angebracht wurden (Flügelaltar; s. Taf. II, Fig. 1, 2). Die Renaissance in Italien bildete den A. als einen freistehenden oder an die Chorwand gelehnten architektonischen Aufbau, dessen Mitte ein Bildwerk einnimmt (s. Taf. II, Fig. 3). In der deutschen Renaissance (s. Taf. II, Fig. 4) wurde der A. zu einem Aufbau aus mehrern Säulenordnungen übereinander, in den spätern Stilen (s. Taf. II, Fig. 5, 6, 7, 8) entfaltete er sich zu einem aufs reichste, geistvollste aber willkürlichste geschmückten Prunkstück, zu dessen Ausschmückung sich alle Künste vereinigten. Der Altartisch wird meist durch Tafeln in edlem Metall, gemalte oder gestickte, bildartige Tücher (antependia) geschmückt. - Tragealtar (altare portatile) heißt ein geweihter Altarstein, den namentlich kath. Missionare und Feldgeistliche mitnehmen, um ihn, wo sie die Messe lesen wollen, auf einen Tisch zu legen (s. Taf. I, Fig. 4, 6). Privilegierter A. heißt ein A., für den der Papst das Privilegium bewilligt hat, daß mit einer daran gehaltenen Messe für einen Verstorbenen ein vollkommener Ablaß für diesen verbunden ist. - Während die reformierte Kirche grundsätzlich dem A. im Gottesdienste keine Berechtigung einräumt und nur den einfachen Abendmahlstisch zuläßt, ist auf lutherischer Seite der A. in der hergebrachten Form festgehalten worden, doch meist nur einer in jeder Kirche, als Abendmahlstisch und als geordnete Stelle für diejenigen Handlungen, deren Charakter, im Unterschiede von der Predigt, wesentlich in Gebet und Segnung besteht. - Die griechische Kirche kennt nur einen A. in der Hauptapsis des Bema (s. d.). Die Tische in Nebenapsiden dienen nur bei der Zurüstung für die Liturgie. Der A. ist mit kostbaren Tüchern gedeckt, birgt meist eine Reliquie und trägt ein liegendes Kreuz, meist von Silber. Er ist mit einem Ciborium überbaut, von dem meist ein kleines Behältnis für Stücke geweihten Brotes herabhängt (artophorion). Unter dem A. ist eine Höhlung (thalassidion) für das bei der Liturgie benutzte Wasser. - Vgl. Otte, Handbuch der Kunst-Archäologie (5. Aufl., Lpz. 1883); Thiers, Les principaux autels des églises (Par. 1688); Heideloff, Der christliche A. (1838): Augusti, Denkwürdigkeiten, Bd. 12 (Lpz. 1831); K. Arendt, Sammlung ausgeführter A (Luxemb. 1866); Schmid, Der christliche A. und sein Schmuck (Regensb. 1871); Münzenberger, Zur Kenntnis und Würdigung der mittelalterlichen A. Deutschlands, I (Frankf. a. M. 1890; fortgesetzt von Beissel, ebd. 1895 fg.).

Altar de Collanes oder Capac-Urcu, einer der bedeutendsten vulkanischen Gipfel (5404 m) auf der östlichen der beiden Ketten, die das Hochthal von Riobamba in der südamerik. Republik Ecuador einschließen, liegt etwa 30 km östlich von der Stadt Riobamba, hat eine sehr unregelmäßige Gestalt und erscheint als ein ruinenartig zerrissener, halbkreisförmiger Kamm mit schroffen Spitzen, der eine kleine Ebene umschließt. Nach der Sage der Inkas soll er einst höher gewesen sein als der Chimborazo und erst im Anfange des 15. Jahrh. nach einem 8 Jahre dauernden Ausbruch zusammengesunken sein.

Altaroche (spr.-rosch), Marie Michel, franz. Dichter und Journalist, geb. 18. April 1811 zu Issoire, studierte die Rechte in Paris und wandte sich zur Zeit der Julirevolution dem Journalismus zu. Zuerst Mitarbeiter an republikanischen Tagesblättern, war er 1834-48 Chefredakteur des "Charivari", der seinen Artikeln voll Witz und Laune, manchmal kleinen Meisterstücken polit. Satire, einen guten Teil seines glänzenden Erfolgs verdankte. 1848 wurde er in die Konstituierende Versammlung gewählt, wo er sich zur gemäßigten Linken hielt, trat aber 1849 vom polit. Schauplatze ab und leitete verschiedene Theaterunternehmungen (1850-52 das Odéon, die Folies-Nouvelles, später das Théâtre Déjazet), zuletzt die Vergnügungsanstalten des Badeortes Cabourg-Dives. A. starb 14. Mai 1884 in Vaux. Er schrieb: "Chansons et vers politiques" (1835 und als 2. Bd. "Chansons politiques", 1838), "Contes democratiques" (1837), "Aventures de Victor Augerol" (2 Bde., 1838), eine Nachahmung des Faublas-Romans von Louvet de Couvray (s. d.), "La Réforme et la Révolution" (1841), unter Mitwirkung anderer mehrere Theaterstücke: "Lestoq ou le retour de Sibérie (1836), "Le Corrégidor de Pampelune" (1843) u. a. Von seinen Erstlingswerken ist "La Chambre et les Ècoles (1831), eine Satire in Versen, zu nennen.

Altarschrein, s. Flügelaltar.

Altarweihe, in der kath. Kirche die für jeden Altar (s. d.) vorgeschriebene Weihung (consecratio) durch den Bischof. Die Hauptsache ist die Einfügung von Reliquien (s. d.) in den Altar; der Hauptaltar jeder Kirche erhält solche der Titelheiligen, d. h. des Heiligen, dem die Kirche zugeeignet ist. Die Weihung des Hauptaltars ist das vorzüglichste Stück in der Kirchweihe (s. d.).

Alt-Aussee, Ort im steirischen Salzkammergut, s. Aussee.

Altazimut, ein Instrument, mit dem man die Höhe (altitudo) und das Azimut eines Gestirns messen kann; A. ist also gleichbedeutend mit Universalinstrument (s. d.). Gewöhnlich bezeichnet man mit A. nur größere Universalinstrumente, z. B. die der Sternwarten in Straßburg und Greenwich.

Altbaktrische Sprache, s. Zend.

Altbayern, die bayr. Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern.

Altbayrische Alpen, s. Ostalpen.

Alt-Bielitz, Pfarrdorf bei Bielitz (s. d.).

Altbier, ein in Westfalen aus Gerstenmalz durch Obergärung gewonnenes Bier von saurem Geschmack.

Altbreisach, s. Breisach.

Altbulgarisch, s. Kirchenslawisch.

Alt-Bunzlau, czech. Stará Boleslav, Markt im Gerichtsbezirk Brandeis der österr. Bezirkshauptmannschaft Karolinenthal in Böhmen, durch die Elbe von ersterer Stadt getrennt, an der Linie Wien-Tetschen der Österr. Nordwestbahn, hat (1890) 2357, als Gemeinde 3697 czech. E. (67 Deutsche), in Garnison (281 Mann) die 1. Eskadron des 7. böhm. Dragonerregiments "Karl V. Leopold, Herzog von Lothringen und Bar", Pfarrkirche (vom J. 1046) und Wallfahrtskirche mit zwei schlanken Türmen: ein dem Kollegiatkapitel gehöriges Landtäfliches Gut (7,70 qkm) und eine Brauerei. In der Nähe das eisenhaltige Bad Houška, mit schönem, 1867 von Erzherzog Karl Salvator errichteten Kur- und Gasthause. - Bei A. wurde 935 der heil. Wenzel von seinem Bruder Boleslaus ermordet.

Altchemnitz, Dorf in der Amtshauptmannschaft Chemnitz der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, an der hier aus Würschnitz und Zwönitz entstehenden Chemnitz und der Linie Chemnitz-Aue der Sächs. Staatsbahnen, hat (1890) 6444 meist evang. E.,