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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amerika (Küsten)

Lage ergiebt für A. eine charakteristische Meridianerstreckung durch alle Zonen. Der Atlantische Ocean dringt in der Mitte der Ostküste A.s mit dem Mexikanischen Golf und Karibischen Meer tief nach W. ein, wodurch das Festland in die beiden dreieckgestalteten, nur durch die 46 km breite Landenge von Panama und Darien im W. zusammengehaltenen Teile Nordamerika (s. d.) und Südamerika (s. d.) zerlegt ist. Trennt man am Isthmus von Tehuantepec die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika noch einmal ab, so erhält man zwischen dem genannten Isthmus und der Landenge von Darien Mittel- oder Centralamerika (s. d.). Im O. wird ein Übergang von Nordamerika zu Südamerika durch die Antillen (s. d.) hergestellt, deren Gesamtreihe Westindien genannt wird. Dadurch erhalten der Golf von Mexiko und das von ihm durch die Reihe der Großen Antillen geschiedene Karibische Meer das Gepräge eines Binnenmeers. Der ganze Kontinent hat eine Längenausdehnung von fast 15 000 km, die auf Nord- und Südamerika ziemlich gleich verteilt ist. Auch die größte Breite beider ist gleich, nämlich etwa 5600 km, nur daß sie in Nordamerika in der mehr diagonalen Richtung zwischen Kap Prince of Wales und Kap Charles um ein Siebentel größer ist (6400 km), während Südamerika in derselben Richtung zwischen dem Isthmus und Kap Branco gleichfalls 5600 km mißt. Die Fläche des Erdteils zu bestimmen, hat bei der immer noch mangelhaften Kenntnis der arktischen Küstenumrisse und des Umfanges der Polarinseln große Schwierigkeiten. Nach den neuesten Berechnungen beträgt der Flächenraum von Nordamerika 19 812 000 qkm (ohne das Arktische Amerika und Grönland), der von Centralamerika 547 300 qkm, der von Westindien 244 500 qkm, der von Südamerika 17 732 000 qkm, zusammen also etwa 38 335 800 qkm.

Küsten. Die Küstenentwicklung A.s steht nur der von Europa nach. Die Ausdehnung der nördl. Küste wird zu 7850 km berechnet, die der gesamten Westküste am Stillen Ocean zu 31 072 km, die der Ostküste Nordamerikas am Atlantischen Ocean bis zum Golf von Darien zu 23 540 km, die der nördl. und östl. Küste Südamerikas zu 18 500 km, mithin insgesamt zu 80 962 km (wovon ungefähr 64 200km zugänglich sind), so daß also bei dem, ohne die Inseln, zu 37 800 000 qkm berechneten Gesamtflächenraum auf ungefähr 470 qkm 1 km Küstenlänge kommt. Dieses günstige Verhältnis fällt aber fast ganz auf Nord- und Mittelamerika. In Nordamerika, welches eine Küstenlänge von 49 462 km hat, kommen (abgesehen von den Inseln) bereits auf 410 qkm Flächenraum 1 km Küstenlänge; in Südamerika bei einer Küstenlänge von 31 500 Km (18.500 km am Antillenmeer und Atlantischen Ocean, 13 000 am Stillen Ocean) erst auf ungefähr 540 qkm Flächenraum 1 km Küstenlänge.

In Südamerika scheidet die Landenge von Panama den gleichnamigen Golf vom Golf von Darien, dessen südliches Ende auch Golf von Uraba genannt wird. Nach Osten folgen der Golf von Maracaibo, der sich als Lagune vor Maracaibo ins Land erstreckt und von den Halbinseln Goajira und Paraguana umfaßt wird, und der Golf von Paria, den die Halbinsel von Paria nach N. abschließt. Ferner im O. die Mündungsbai des Amazonenstroms, die Allerheiligenbai, die La Plata-Trichtermündung, die Blanca-, San Matias- und San Jorge-Bai. An der Westküste der Südspitze bedingt das Auftreten von Fjorden eine größere Abwechselung derselben; es sind zu nennen der Golf von Penas und die Halbinsel Taytao. Weiter nördlich ist nur noch der Golf von Guayaquil für die Gestalt des Kontinents von Bedeutung.

Außer den zahlreichen Inseln, in welche die Südspitze aufgelöst ist, und unter welchen neben dem Feuerland die Insel Chiloe hervorragt, und den im Norden vorgelagerten Antillen gehören zu Südamerika nur wenige, meist kleine Inseln oceanischen Charakters, so die Galapagosinseln mit der Kokosinsel und dem Malpelofels, den Inseln San Felix und San Ambrosio und den Juan-Fernandez-Inseln im Westen, die Falklandinseln, Trinidad, Martin Vaz und Fernando do Noronha im Osten. Die Insel Marajo in der Mündungsbai des Amazonenstroms ist zum Festland zu rechnen.

Ganz anders Nord- und Mittelamerika. Die Nordküste des Kontinents ist in ihrer westl. Hälfte einfach, von der Mackenziemündung ostwärts beginnt die Buchtenbildung und bald lagert sich der reichgegliederten Küste der Arktische Archipel vor (s. Nordpolarländer und Eismeer), der durch die nordwestl. Durchfahrt (Davisstraße, Lancastersund, Barrowstraße, Melvillesund und Bankstraße) in zwei Teile geteilt wird, in seinen Einzelheiten aber noch unerforscht ist. Im SO. der Halbinseln Boothia Felix und Melville greift die Hudsonsbai, das zweitgrößte Binnenmeer der Erde, tief in das Land hinein und begrenzt das rings von Inseln umlagerte flache Labrador. An seiner Ostküste ragt aus der fischreichen Neufundlandbank die Insel Neufundland empor, die mit Kap Race den östlichsten Punkt Nordamerikas bildet. An der Ostküste des Kontinents bezeichnen deutliche Vorsprünge (Kap Race, die abgeschnürte Halbinsel Neuschottland, Kap Cod, Kap Hatteras und die Halbinsel Florida) vier Stufen, die den St. Lorenzgolf mit den Inseln Anticosti, Prinz Edward und Kap Breton, die wichtigen Delaware- und Chesapeakebaien und die flache Longbai enthalten. Florida, Yucatan und die westind. Inselwelt begrenzen den tiefen Golf von Mexiko mit den Baien von Mobile und Galveston und dem Golfe von Campeche. Zu den Westindischen Inseln gehört außer den Bahamas der Bogen der vier Großen und der Kleinen Antillen, welcher das Karibische Meer vom Ocean trennt. Die Ostküste Mittelamerikas besitzt außer dem Golf von Campeche nördlich von Yucatan nur den Golf von Honduras und die Mosquitobai ohne gute Häfen, während an der Westküste allein die Fonsecabai von Wichtigkeit ist. Diese Küste zieht in nordwestl. Richtung; bei Kap Corrientes (den vulkanischen Revilla-Gigedo-Inseln gegenüber) öffnet sich, durch die langgestreckte, schmale Halbinsel Kalifornien gebildet, der Golf von Kalifornien. Die ganze Westküste ist Steilküste und erhält von der Insel Vancouver, an der Juan-de-Fuca-Straße, Fjordcharakter, so daß die vorgelagerten Inselgruppen (Königin-Charlotte-Inseln, Prince-of-Wales-Inseln, Sitka u. a.) wie losgetrennte Stücke der Küstenketten erscheinen. Die Halbinsel Alaska, selbst im S. und W. reich an Buchten und Inseln, wird, im SW. spitz auslaufend, durch den vulkanischen Inselbogen der Alëuten nach dem ostasiat. Inselkranze hin fortgesetzt.

Während in Südamerika infolge der Geschlossenheit seines Umrisses sich der Stamm zu den Gliedern wie 79:1 verhält, und es in dieser Beziehung