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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amerika (Bodengestaltung. Gewässer)

auch gegen Afrika und Australien zurücksteht, stellt sich für das eigentliche nordamerik. Festland (ohne Mittelamerika und die arktischen Inseln) das Verhältnis wie 8:1, d. h. der nördl. Kontinent ist. fast zehnmal so stark gegliedert als der südliche.

Bodengestaltung. Die beiden Hälften A.s, Nord- und Südamerika, haben insofern einen ähnlichen Bau, als im Westen beider gewaltige Kettengebirge zu den größten Höhen aufsteigen, in der Mitte Tiefland eine weite Ausdehnung nimmt und gegen Osten dann ein weniger hohes Bergland folgt. Man hat die westl. Hochgebirge beider Kontinente früher als ein einheitliches Gebirgssystem betrachtet und mit dem Namen der Cordilleren bezeichnet. In der That finden sich übereinstimmende Charakterzüge, so die Gliederung in mehrere Ketten, die bald näher zusammenrücken, bald weiter auseinandertreten, das Vorhandensein weiter Hochebenen zwischen den Ketten und die hohe vulkanische Thätigkeit. Auch gestattet die Lage der hohen Ketten am Westrand des Kontinents weder im Norden noch im Süden bedeutenden Flüssen den Ausgang zum Stillen Ocean, sondern die Wasseradern laufen vom Ostabfall der Kettengebirge gegen Osten in große Ströme zusammen. Dennoch bestehen in dem Bau und der Anordnung der Oberflächenformen der beiden Kontinente wesentliche Unterschiede.

In Südamerika ziehen die Cordilleras de los Andes oder die Anden (s. Cordilleren) von der Magalhãesstraße in geschlossener Kette als Patagonische und Chilenische Anden bis zum Aconcagua, dem höchsten Gipfel A.s, 6970 m, und von hier in nordwestl. und nördl. Richtung unter Teilung in 2 und 3 deutliche Äste durch Bolivia, Peru, Ecuador und Columbia bis zum Golf von Darien. Hier tragen meist die innern Ketten die höchsten Erhebungen, so den Illimani 6410 m, den Sorata östlich vom Titicacasee 6550 m. Riesige Vulkane durchsetzen die Ketten oder die Hochebenen zwischen ihnen, so der Sajama östlich von Arica 6415 m und in Ecuador der Chimborazo 6310 und die noch thätigen Cotopari 5943 und Antisana 5756 m u. a. In Mittelamerika zieht die Cordillere zuerst niedrig, dann von Costa-Rica höher bis zum Isthmus von Tehuantepec, eine Urgebirgskette mit nördlich anlagernden jüngern Meeresablagerungen und südlich davorstehenden zahlreichen noch thätigen Vulkanen bis 4260 m Höhe. Darauf beginnt am genannten Isthmus das Hochland von Mexiko, 1900-2200 m, von Vulkanen bis 5400 m Höhe (Pico d'Orizaba, Popocatepetl und Iztaccihuatl) durchbrochen, welches nun in die nordamerik. Gebirge übergeht. Diese bestehen aus zwei Ketten, den Felsengebirgen im O., die vom Rio Grande bis zum Yukon in Alaska verfolgt werden können, und den Küstenketten, der Sierra Nevada in Kalifornien, dem Kaskadengebirge im NW. der Vereinigten Staaten und den canad. Randketten. Die Felsengebirge erreichen im Mount-Hooker etwa 5000, auch in Colorado und Wyoming meist über 4000 m; die Sierra Nevada, das Kaskadengebirge und ihre Fortsetzungen in Canada haben ähnliche Höhen. Zwischen ihnen dehnen sich in den Vereinigten Staaten von Amerika Hochebenen aus von 1000 bis 1300 m Höhe, die das ganze sog. Große Becken erfüllen und auch noch nach Britisch-Columbia hineinstreichen. Während nun der Osten, die Felsengebirge, über einer archäischen Achse meist paläozoische und mesozoische Ablagerungen trägt, wird der Westen, wenigstens das Kaskadengebirge, von Eruptivmassen (Mount-Rainier und Mount Shasta) überwuchert, die noch große Teile der innern Hochebenen überziehen. Diese sind von S. nach N. das Plateau des Colorado mit dem 2000 m tiefen Canon des Flusses, die Mohave- und Gilawüste das Nevadaplateau und die Columbia-Ebene. Die vulkanische Thätigkeit ist im ganzen Westen von Nordamerika früher sehr stark gewesen, ruht aber jetzt fast völlig, Massen von Geisern im Yellowstone Park sind ihre letzten Spuren. Nur Mount-Baker an der Grenze gegen Canada, und einige Vulkane an der Küste von Alaska sind noch thätig. Jenseit 50° nördl. Br. beginnen dagegen die Gletscher, die sich bis Alaska hinziehen, häufiger zu werden, und die innern Hochebenen sind von tertiären Süßwasserablagerungen und Diluvium angefüllt.

Gegen O. senkt sich nun in Nordamerika sowohl wie in Südamerika das Land zu den gewaltigen Tiefebenen der großen Flüsse. Während aber in Südamerika alles Tiefland im Gebiete derselben tertiär oder jüngste Flußanschwemmung ist, besteht der Boden der großen Ebenen im Norden aus ältern Ablagerungen der paläozoischen und mesozoischen Zeit. Tertiär findet sich nur in Nebraska und an den Küsten, Quartär nur im Mississippithal und an beiden Red-Rivers. Weithin dehnt sich die produktive Kohlenformation über das Mississippithal nach der Ostküste aus. Hier trifft man auf die östlichen ältern Gebirgsgerippe. Das flache abgeschliffene archäische Grundgebirge nimmt den ganzen Nordosten von Nordamerika ein, Labrador, Canada bis westlich zum Mackenzie. Weiter südlich aber folgt das gefaltete Alleghanygebirge mit archäischer Achse und daran gelagerten paläozoischen Schichten. Ein solches gefaltetes Gebirge findet sich im O. Südamerikas nicht. Hier liegt ungestört der Kreidesandstein in Guayana und Brasilien auf dem Gneis und den krystallinischen Schiefern des Untergrundes.

Die westind. Inselwelt gehört dem Gebirgssystem Mittelamerikas an, ist aber zerbrochen und zerstückelt. Urgebirgsketten bilden die Kerne der Großen Antillen; an sie schließen sich mesozoische Ablagerungen. Vulkane treten in den Kleinen Antillen auf, vielleicht an der Innenseite des hier versunkenen Kettengebirges. Möglicherweise gehört auch die karibische Gebirgskette Nordostvenezuelas zu diesem System, das sich dann um das Karibische Meer gruppieren würde. Auch die Sierra Nevada de Santa Marta, ein fast vereinzeltes, 5100 m hohes Schiefergebirge an der Nordküste Columbias, scheint nicht zu den Anden zu gehören.

Die Tiefebenen Nordamerikas liegen zwischen den westl. Gebirgsketten und den ältern, von dem atlantischen Küstenstreifen abgesehen, östl. Bergländern. Im N. ist die fluß- und seenreiche arktische Ebene, ein gewelltes Tiefland, vom Gebiet des Mississippi zu unterscheiden. Dem gegenüber stehen in Südamerika die Llanos des Orinoco, die Waldebenen des Amazonenstroms und die Pampas des La Plata. In Nordamerika fallen 55 Proz. der Gesamtfläche auf die Tiefländer, in Südamerika gar 66 Proz., so daß beide gegenüber Asien (37 Proz.) und namentlich Afrika als Kontinente vorherrschenden Tieflandes gelten müssen.

Gewässer. Dieser Reichtum an Tiefland begründet auch das Auftreten großer Ströme. Namentlich Südamerika ist daran reich. Von der Gesamtfläche desselben werden 56,2 Proz. durch die großen Flußsysteme eingenommen, in Nordamerika nur