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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ammeter; Ammi; Ammianus Marcellinus; Ammobium; Ammon

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Ammeter - Ammon (Christoph Friedr. von)

Ammeter, soviel wie Amperemeter.

Ammi L., Ammei, Pflanzengattung aus der Familie der Umbelliferen (s. d.) mit nur wenigen Arten in Südeuropa, besonders den Mittelmeerländern, und auf den Canarischen Inseln; reich verzweigte zweijährige oder ausdauernde hohe Kräuter mit dreifach gefiederten Blättern und reichblütigen Dolden. In Deutschland findet sich nur A. majus L. mit fremden Samen aus Südeuropa eingeschleppt, auf Äckern, namentlich Luzernefeldern. Die Früchte waren früher als Fructus Ammeos vulgaris s. majoris offizinell, ebenso die des südeuropäischen A. visnaga L., dessen holzig erhärtende Doldenstrahlen als Zahnstocher benutzt werden.

Ammianus Marcellinus, röm. Geschichtschreiber, geb. um 330 n. Chr. zu Antiochia, trat früh in das röm. Heer, machte unter seinem Lieblingshelden, Kaiser Julian, mehrere Feldzüge im Orient und Occident mit und lebte seit 371 wieder in Antiochia, zuletzt in Rom den Wissenschaften, bis 400. Er schrieb um 390 in Rom die Geschichte des röm. Staates von 96 bis 378 n. Chr. in 31 Büchern, eine Fortsetzung des Tacitus; die 13 ersten Bücher, die Geschichte der Jahre 96 - 352, sind verloren. Wegen der Wahrheitsliebe des Verfassers, der den geschilderten Ereignissen vielfach nahe gestanden hat, wegen der genauen Beschreibungen der Länder und der Begebenheiten, besonders auch wegen der Bemerkungen über Deutschland, ist das Werk sehr schätzbar. Die Sprache ist, dem Zeitgeschmack entsprechend, überladen, geziert, oft schwer verständlich. A. M. steht auf dem Boden des alten Götterglaubens, aber in der toleranten Weise der Gebildeten seiner Zeit, und ist dabei auch gegen das Christentum billig. Die beste ältere, mit den Kommentaren der frühern Ausleger, besonders Gronovs, versehene Ausgabe ist von Wagner und Erfurdt (3 Bde., Lpz. 1808); eine neue kritische Ausgabe gab nach Eyssenhardt (Berl. 1871) Gardthausen herans (2 Bde., Lpz. 1874-75), eine deutsche Übersetzung lieferten Troß und Büchele (8 Bde., Stuttg. 1827-54).

Ammobium R. Br., Sandimmortelle, Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit nur zwei Arten in Australien; ausdauernde, weißgraufilzig-behaarte Kräuter mit verzweigten, oberwärts fast schaftartigen Stengeln und abwechselnden, einfachen Blättern. Die mittelgroßen Blütenköpfchen besitzen einen halbkugeligen, aus zahlreichen außen allmählich kleiner werdenden Blättchen gebildeten Hüllkelch und auf dem gewölbten, mit Spreublättchen besetzten Blütenboden viele kleine, gelbe, zwitterige Blüten. Von den beiden austral. Arten wird A. alatum R. Br. (geflügelte Sandimmortelle) häufig als Gartenzierpflanze gezogen. Ihr etwa 50 cm hoher Stengel ist stark geflügelt, und die im trocknen Zustande rauschenden Hüllkelchblätter der etwa 1 cm im Durchmesser haltenden, den Immortellen ähnlichen Blütenköpfchen sind perlmutterweiß. Die Pflanze nimmt mit trocknem Boden fürlieb. Die vor der völligen Entwicklung abgeschnittenen und im Schatten getrockneten Blütenköpfchen halten sich lange Zeit und werden daher unverändert, oder auch wohl rot oder violett gefärbt, wie die Immortellen zu Kränzen und Dauerbouquets verwendet, weshalb die Pflanze hier und da im großen und ackerweise gebaut wird. Die Ende März oder im April in das Mistbeet ausgesäten und später pikierten Pflänzchen werden im Mai dauernd ins Freie versetzt, sind in den europ. Gärteil meist aber nur einjährig.

Ammon, Oase, s. Ammonium.

Ammon, richtiger Amon oder Amun, der ägypt. Name der Ortsgottheit von Theben. Ursprünglich ein Gott der Fruchtbarkeit und Zeugung, wurde er später als Lichtgott aufgefaßt und dem Sonnengotte Re gleichgestellt (daher der Doppelname Amon-Re). Seine Gattin ist die Göttin Mut, beider Sohn der Mondgott Chons. Das heilige Tier des A. ist der Widder, und so wird er nicht selten als Widder mit nach unten gebogenen Hörnern, oder wenigstens widderköpfig (besonders in Äthiopien) abgebildet. Gewöhnlich (s. die Figur) stellt man ihn jedoch, namentlich in Theben, in Menschengestalt mit blauer Hautfarbe dar, auf dem Kopfe einen mit zwei hohen Federn verzierten Helm tragend; in der einen Hand hält er ein Götterscepter, in der andern das sog. Henkelkreuz, das Symbol des Lebens. - Als im Mittlern Reiche (um 2200 v. Chr.) Theben zu immer größerer Bedeutung gelangte und im Neuen Reiche zur ersten Hauptstadt erhoben wurde, wuchs auch das Ansehen des thebanischen Gottes A. mehr und mehr. Zu seinen Ehren wurde der gewaltige Tempel von Karnak auf das glänzendste ausgebaut, und allmählich gelangte die Priesterschaft A.s zu solcher Macht, daß sie sich auch der weltlichen Herrschaft bemächtigte und die schwachen Könige der 20. Dynastie vom Throne stieß (um 1050 v. Chr.). Als aber bald darauf unter den tanitischen und saïtischen Regenten der polit. Schwerpunkt des Reichs nach Norden verlegt wurde, sank die Macht Thebens und die seines Gottes schnell. Nur in Äthiopien und in den Oasen der Libyschen Wüste (s. Ammonium) hat sich die bevorzugte Stellung des A. bis in die griech. und röm. Zeit erhalten.

^[Abb.]

Ammon, Christoph Friedr. von, prot. Theolog, geb. 16. Jan. 1766 zu Bayreuth, studierte in Erlangen, ward dort 1789 außerord. Professor in der philos., 1790 in der theol. Fakultät, 1792 ord. Professor und Universitätsprediger, folgte 1794 einem Rufe nach Göttingen, kehrte aber 1804 nach Erlangen zurück, von wo er 1813 als Oberhofprediger und Oberkonsistorialrat nach Dresden berufen wurde. Seit 1831 auch Mitglied des Kultusministeriums, später Geh. Kirchenrat und Vicepräsident des Landeskonsistoriums, legte er 1849 seine Ämter nieder und starb 21. Mai 1850. Als Kanzelredner viel bewundert, übte A. durch seine hohe kirchenregimentliche Stellung sowie durch zahlreiche Schriften und das von ihm herausgegebene "Kritische Journal der neuesten theol. Litteratur" einen weitgehenden Einfluß aus. Ursprünglich von Kant ausgehend, vertritt er in seinem "Entwurf einer rein biblischen Theologie" (3 Bde., Erl. 1792; 2. Aufl.,