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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amphilochos – Amphitheater

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Amphiktyonie'

Stimmen vielfache, durch die polit. Verhältnisse der griech. Staaten veranlaßte Veränderungen eintraten. So wurden (wahrscheinlich zur Zeit des Peloponnesischen Krieges) die Delphier, deren Unabhängigkeit von den Phokern durch den Bund anerkannt wurde, als Bundesglied aufgenommen; 346, nach Beendigung des Phokischen (sog. Dritten Heiligen) Krieges, wurden die Phoker und die Spartaner aus dem Bunde ausgestoßen und statt ihrer die Macedonier aufgenommen, durch welche Maßregel der Bund zu einem Werkzeuge der Politik König Philipps wurde. Erst 278 wurden die Phoker wieder in den Bund aufgenommen; die Spartaner blieben auf immer ausgeschlossen. 338 traten statt der westl. Lokrer die Ätoler in den Bund ein und machten sich zur Zeit ihrer größten Macht um 221 v. Chr. für längere Zeit zu dessen Herren, indem sie die Mehrzahl der Stimmen im Bundesrate für sich in Anspruch nahmen, später wurden sie wie die Macedonier, wahrscheinlich auf Veranlassung der Römer, wieder aus dem Bunde ausgeschlossen. Eine wesentliche Umgestaltung erhielt der Bund durch Augustus nach der Schlacht bei Actium; er ordnete an, daß außer Macedonien die von ihm gegründete Stadt Nikopolis in den Bund eintreten und der Bundesrat aus 30 stimmberechtigten Vertretern bestehen sollte. In dieser Verfassung bestand der Bund, ohne jedwede polit. Bedeutung, bis zum gänzlichen Verfall des delphischen Orakels fort. – Vgl. Weiß, De foederis amphitctyonici disciplina (Dissertation, Berl. 1847); Wescher, Étude sur le monument bilingue de Delphes (Par. 1868); Bücher, Quaestionum Amphictyonicarum specimen (Bonn 1870); Weil, De amphictyonum delphicorum suffragiis (Berl. 1872); Sauppe, Commentatio de amphictyonia delphica (Gött. 1873); Bürgel, Die pyläisch-delphische A. (Münch. 1877).

Amphilǒchos, in der griech. Sage der Sohn des Amphiaraos und der Eriphyle, der Bruder des Alkmaion (s. d.), dem er nach einigen Sagen bei dem Muttermorde half, erscheint als Teilnehmer am Epigonenzuge gegen Theben und am Zuge gegen Troja. Von da zurückgekehrt, gründete er Argos Amphilochikon am Ambracischen Meerbusen, nach andern Erzählungen ließ er sich mit Mopsos, der gleich ihm mit Seherkraft begabt war, in Cilicien nieder, wo er Mallos an der Mündung des Flusses Pyramos gründete. A. ging von da nach Argos, kehrte dann aber nach Cilicien zurück. Da Mopsos ihm die Teilnahme an der Herrschaft verweigerte, kam es zum Kampf, in dem beide fielen. A. hatte in Sparta einen Tempel (Heroon), in Athen einen Altar, in Mallos ein berühmtes Orakel.

Amphimăcer (grch.), s. Kretischer Versfuß.

Amphïon, der Sohn des Zeus und der Antiope (s. d.), Zwillingsbruder des Zethos, vom Mythus als Tonkünstler charakterisiert. Die Zwillinge wurden von der Mutter ausgesetzt und von Hirten erzogen, rächten aber Antiope, als sie erfuhren, daß diese ihre Mutter sei, an deren Peinigerin Dirke (s. Farnesischer Stier). Die Zwillinge umgaben Theben mit einer Mauer, zu der sich die Steine, von A.s Lyraspiel angelockt, von selbst verbanden. A.s Gemahlin war Niobe (s. d.). Aus Betrübnis über den Verlust seiner Kinder erstach er sich selbst oder wurde, weil er den Tempel des Apollon stürmen wollte, von diesem und der Artemis getötet.

Amphioxus, s. Lanzettfische.

Amphipoden, s. Flohkrebse. ↔

Amphipǒlis, Stadt nahe der Südküste Thraziens, im Gebiete der Edonen, am Ausfluß des Strymon aus dem See Cercinites. 436 v. Chr. gründeten die Athener unter Führung des Hagnon, Sohnes des Nikias, hier eine dauernde Niederlassung, die als Stapelplatz für das obere Thrazien sowie wegen des vortrefflichen Schiffbauholzes von Wichtigkeit war. Der Hafen der Stadt war das an der Mündung des Strymon gelegene Eïon. Im Peloponnesischen Kriege fiel A. 424 v. Chr. von den Athenern ab und behauptete in wiederholten Kämpfen seine Unabhängigkeit, unterwarf sich aber dem macedon. König Perdiklas. Philipp von Macedonien erklärte 359 die Stadt für frei, eroberte sie jedoch im folgenden Jahre wieder. Sie blieb nun bei Macedonien bis zur Römerzeit, wo sie Freistadt und Hauptstadt von Macedonia prima wurde: die Via Egnatia führte durch A.

Amphiprostylos (grch.), ein Tempel, an dessen beiden Schmalseiten sich eine Säulenreihe mit offener Vorhalle befand, bei dem also die Stirnmauern der Cella nicht bis vorn verlängert waren, wie beim Antentempel (s. Anten).

Amphisbänen, Amphisbaenĭdae, s. Ringelechsen.

Amphiscĭi (grch.) oder Zweischattige, s. Ascii.

Amphissa, Stadt der westl. (ozolischen) Lokrer im mittlern Griechenland, 10 km nordwestlich von Delphi am nördl. Ende einer noch jetzt sehr fruchtbaren Ebene, auf der Stelle des jetzigen Salona. Weil nach der Zerstörung von Krissa (s. d.) und dessen Hafen Kirrha die Einwohner von A. den Hafen wiederhergestellt und von den zur See nach Delphi Pilgernden Zölle erhoben, auch mit dem Fluche belegte Ländereien teilweise benutzt hatten, wurde die Stadt von Philipp von Macedonien nach dem Beschlusse des Amphiktyonenrats 339 v. Chr. zerstört. Doch erfolgte bald ihre Wiederherstellung. Von den Römern wurde die Stadt mit dem Rechte der Steuerfreiheit beschenkt. Nach der Schlacht bei Actium erhielt sie durch Einwanderung von Ätolern, die, um nicht nach dem von Augustus gegründeten Nikopolis übersiedeln zu müssen, lieber nach Lokris zogen, einen bedeutenden Zuwachs und stand noch zur Zeit der letzten röm. Kaiser in Blüte.

Amphitheater (grch., «Rundtheater»), bei den Römern das zu Tierkämpfen und Fechterspielen bestimmte Theater. In seiner Mitte lag die mit Sand überschüttete, meist elliptisch gestaltete, häufig mit starken Untermauerungen versehene Arena (s. d.). Rings um diese lief eine massive Mauer, auf der man ein Gitter zum weitern Schutz gegen die Tiere anzubringen pflegte. Hinter dieser erhoben sich, treppenförmig emporsteigend, die um den ganzen Raum laufenden Sitzreihen, von denen die untern für die Senatoren, Ritter u. s. w., die obern, mehr rückwärts gelegenen für das Volk bestimmt waren. Über einen oder mehrere Gänge, welche das A. umzogen, gelangte man zu den verschiedenen Treppen, die nach den Sitzreihen führten. Früher als in Rom wurden in Campanien steinerne A. gebaut; das älteste erhaltene ist das von Pompeji. In Rom, wo bis dahin die Kampfspiele auf dem Forum abgehalten wurden, ließ Cäsar 44 v. Chr. das erste größere A. für Fechterspiele errichten; es war von Holz und wurde nach beendigtem Spiele abgetragen. Das unter Augustus (29 v. Chr.) von Statilius Taurus errichtete steinerne A. war wenigstens zum Teil noch aus Holz erbaut, denn es wurde unter Nero durch Feuer verzehrt. Dann erbauten Vespasian und Titus

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 549.