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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amphibiologie – Amphiktyonie

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Amphibien'

Wirbeltiere mit rotem, kaltem Blute, also die Schildkröten, Krokodile, Eidechsen, Schlangen, Frösche, Kröten und Molche. Es besteht jedoch ein großer Unterschied zwischen diesen Tieren; Schildkröten, Krokodile, Echsen und Schlangen, die sog. beschuppten A., stehen nach Körperbau und besonders Entwicklung den Vögeln und Säugetieren nahe, während Frösche und Molche, die sog. nackten A., den Fischen verwandt sind, mit denen sie Huxley zu einer Unterabteilung der Wirbeltiere als Ichthyopsidae vereinigt. Jene heißen heute Reptilien (s. d.), diese eigentliche A. oder Lurche (s. d.).

Amphibiolǒgie (grch.), Lehre von den Amphibien.

Amphibiotĭca (grch., d. i. doppellebige, wegen des verschiedenen Aufenthalts von Larve und ausgebildetem Insekt), eine Unterordnung der Geradflügler (s. d.). Die Vorderflügel der A. sind gleich den hintern häutig, die Hinterflügel, wenigstens in der Regel, nicht zusammenfaltbar, beide Paare von einem dichten Adernetz durchzogen. Die Larven leben im Wasser und atmen meist durch Tracheenkiemen (s. Tracheen). Die A. zerfallen in die Familien der Libellen, Eintagsfliegen und Afterfrühlingsfliegen. (S. die Einzelartikel.)

Amphibische Pflanzen, krautartige, für gewöhnlich ganz im Wasser lebende und schwimmende oder untergetauchte Blätter besitzende Wasserpflanzen. Sie vermögen unter Umständen auch auf dem Lande zu vegetieren, modifizieren dabei ihre Organisation (Wuchs und Bau) den neuen Verhältnissen entsprechend, verändern ihre Landform jedoch wieder in die Wasserform, sobald ihr Standort wieder dauernd vom Wasser bedeckt wird.

Amphibole, eine Gruppe von Mineralien, von denen einzelne Glieder weitverbreitet und als Gemengteile mancher Felsarten wichtig sind. Chemisch sind alle A. Bisilikate (neutrale Metasilikate) oder Mischungen mehrerer derselben, zusammengesetzt nach der Formel RSiO3, worin R vorwiegend Ca, Mg, Fe, auch Na2, K2; in gewissen Gliedern spielen auch Sesquioxyde (Thonerde, Eisenoxyd) eine Rolle. Daher ist die allgemeine Zusammensetzung mit derjenigen innerhalb der Pyroxengruppe übereinstimmend. Morphologisch unterscheiden sich aber die A. von den Pyroxenen dadurch, daß sie einen Prismenwinkel von 124½° besitzen, dem meist eine ausgezeichnete Spaltbarkeit parallel geht. Säuren greifen diese Mineralien nicht oder nur wenig an. Künstlich geschmolzene A. erstarren in den Formen der Pyroxene (mit einem Prismenwinkel von etwa 87°). Die Glieder der Amphibolgruppe gehören zwei verschiedenen Krystallsystemen an. Ein rhombischer Amphibol ist der nelkenbraune, radial-breitstenglige, stark glasglänzende Anthophyllit (uMgSiO3+FeSiO3, chemisch entsprechend dem Bronzit der Pyroxengruppe) von Kongsberg und Modum in Norwegen. Monokline A. sind: die Hornblende (s. d.) mit ihren verschiedenen Varietäten; der rabenschwarze, schon in der Lichtflamme schmelzende Arfvedsonit von Kangerdluarsuk in Grönland und Frederiksvärn in Norwegen, ein an Natrium und Eisen reicher Amphibol, der Krokydolith (s. d.), der Glaukophan (s. d.). Ein triklines Glied der A., das dem Rhodonit der Pyroxengruppe entsprechen würde, ist mit Sicherheit nicht bekannt. – Amphibolische Gesteine heißen als Felsarten auftretende Mineralaggregate, in denen A. (besonders die gemeine Hornblende) als wesentliche und charakteristische Gemengteile ↔ vorkommen. Meist sind dieselben mit irgend einem Feldspat oder mit Quarz, zuweilen aber auch noch mit Glimmer oder Granat verbunden.

Amphibolie (grch), Doppelsinn.

Amphibolit, Amphibolitschiefer, s. Hornblendefels.

Amphibrăchys (grch., der beiderseits kurze), ein dreisilbiger Versfuß: ˘ – ˘, z. B. Gebärde.

Amphicerke Fischschwänze, s. Fische.

Amphicöle Wirbel, s. Wirbelsäule.

Amphicyon Lart., ein fossiles Raubtier der Miocänstufe (s. Miocän) der Tertiärformation aus der Gruppe der Caniden oder hundeartigen Tiere, welches als Sohlengänger und durch die Form des Gebisses zu den bärenartigen Tieren überleitet.

Amphidsalze oder amphotere Salze, eine von Berrzelius eingeführte Bezeichnung für diejenigen Salze, welche nach der alten Ansicht aus dem Oxyde eines Metalls (Base) und dem Oxyde eines negativen Radikals (Säure) zusammengesetzt sind. Gleich den Oxyden bilden auch die Sulfide, Selenide und Telluride positive und negative Radikale, A. Beispiele: K2O•SO3; NaS•Sb2S5.

Amphigastrien, kleine blattartige Gebilde an der Unterseite mancher Lebermoose (s. Moose).

Amphiktyon, ein Athener, der nach der Sage seinen Schwiegervater Kranaos vertrieb, dann aber von Erichthonios gestürzt wurde. Man schreibt ihm die Übertragung des Dionysoskultus aus Eleutherä nach Athen zu. Er ist ebenso wie der gleichfalls A. genannte Stifter der pylisch-delphischen Amphiktyonie ein mythischer Vertreter einer solchen Kultverbindung zwischen Eleutherä und Athen.

Amphiktyǒnie, Bund der Amphiktyonen, bei den alten Griechen ein Bund verschiedener Stämme, die sich zu regelmäßigen Festfeiern bei dem Heiligtume einer bestimmten Gottheit vereinigten, dabei gemeinsame Angelegenheiten berieten und Streitigkeiten zwischen den Bundesgliedern beilegten. In den ältesten Zeiten gab es mehrere A., von denen aber die meisten (die zu Delos, auf der Insel Kalauria bei Argolis und zu Onchestus in Böotien) früh ihre Bedeutung einbüßten; dagegen blieb bis in spätere Zeiten bedeutend der umfassendste Bund die pylisch-delphische A., deren Teilnehmer schlechtweg Amphiktyonen genannt werden. Wie die Stiftung dieses Bundes anscheinend von den hellen. Völkerschaften Thessaliens und seiner südl. Grenzländer ausgegangen war, so war auch der älteste Mittelpunkt das Heiligtum der Demeter Amphiktyonis in den Thermopylen bei der Ortschaft Anthela. Dazu kam frühzeitig infolge der Ausdehnung des Bundes über das mittlere Griechenland als zweiter Mittelpunkt der Tempel des Apollon zu Delphi, der den von Anthela allmählich in den Schatten stellte. Mitglieder waren in älterer Zeit die Thessaler, Perrhäber, Magneten, Änianen, phthiotischen Achäer, Malier, Doloper, denen sich später die Lokrer, Phoker, Dorer, Böotier und Ionier (in Attika und Euböa) anschlossen. Jeder Stamm sandte zu den Versammlungen zwei Vertreter (Hieromnemones), die zusammen den Bundesrat (Synedrion) der Amphiktyonen bildeten, in dem die Thessaler den Vorsitz führten. Außerdem konnte jedes Bundesglied eine Anzahl Beigeordnete (Pylagoren) senden, die aber bei Verhandlungen des Bundesrates nur beratende Stimme hatten.

Die Zahl von 24 stimmberechtigten Mitgliedern des Bundesrates blieb bis auf die Zeit des Augustus, wenn auch in Mitgliedschaft und Verteilung der