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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amsterdam (Stadt)

200 Bilder und Darstellungen aus der niederländ. Geschichte. Die zu wissenschaftlichen Zwecken 1777 gegründete Gesellschaft Felix meritis hat eine Sammlung von Gipsabgüssen, physikal. und mathem. Instrumenten, eine Bibliothek, Sternwarte und einen schönen Konzertsaal. In A. hat die in den Niederlanden verbreitete Gesellschaft zur Förderung gemeinnütziger Zwecke mit über 17 400 Mitgliedern (Maatschappij tot Nut van't Algemeen), 1784 gegründet von einem Prediger der Taufgesinnten Jan Nieuwenhuijzen, seit 1787 ihren Sitz.

Wohlthätigkeitsanstalten. Von den aus freiwilligen Beiträgen gegründeten Anstalten sind zu nennen das Blindeninstitut (1808), für 50-60 Zöglinge von 5 bis 18 Jahren, das reform. Alt-Frauen- und Männerhaus, das St. Jakobsstift, ein Versorgungshaus für alte Männer und Frauen kath. Religion, das Bürgerwaisenhaus, kath. Waisenhaus für Mädchen, luth. Waisenhaus, das Diakoniewaisenhaus für 1000-1200 Kinder u. a.

Industrie. Die industrielle Thätigkeit ist sehr bedeutend und umfaßt die nirgends so großartig, meist von portug. Israeliten betriebene Diamantschleiferei mit (1886) 7-8000 Arbeitern und 6 Mill. Fl. gezahlten Löhnen (23 Etablissements, von denen 4 mit Dampfmaschinen arbeiten), Fabrikation von Gold-, Silber- und Farbewaren, Öl- und Stearinkerzen, Smalt (Kobaltblau), Segeltuch, chem. Präparaten, Liqueuren, Tabak und Cigarren, Schokolade, Mehl und Brot, astron. Instrumenten, Leder, Seide, Tapeten, Wolle, Porzellan; die Borax- und Kampferraffinerie, Zuckerraffinerie (4 große Fabriken verarbeiten je über 10 Mill. kg jährlich), bedeutende Bierbrauerei (zum Teil für den Export arbeitend), Brennerei, Glasbläsereien, Sägemühlen, Reisschälerei (jährlich 10 Mill. kg Reis verarbeitend), Schiffbauerei, Eisengießerei, Maschinenfabriken (besonders die königlichen und "de Atlas").

Handel. Seine ganze Bedeutung verdankt A. dem Handel. Nach einer langen Zeit der Erschlaffung zeigte A. in den letzten dreißig Jahren die größte Energie. So ist 1865-76 der Nordseekanal (s. d.) entstanden, ein Privatunternehmen, welches die Stadt unmittelbar in nordwestl. Richtung mit dem Meere verbindet (27 km lang, 68-125 m, vor A. 1100 m breit, 4-7,70 m tief) und an der Nordseeküste einen großen Kunsthafen (von 100 ha Fläche) mit zwei Wellenbrechern (von 1880 m Länge) und einer durch zwei Leuchtfeuer markierten Einfahrtsöffnung (260 m breit) und in der Nähe des Ortes Ymuiden drei Kunstschleusen besitzt; da die letztern für die größten Seeschiffe nicht ausreichen, so wurde 1892 mit einem Aufwande von ungefähr 5 Mill. Fl. eine vierte größere Schleuse erbaut. Der ältere Nordhollandsche Kanal ist seitdem verlassen worden. Die großen, teils durch den Staat, teils auch durch die Stadt hergestellten Anlagen ziehen sich nördlich und nordöstlich im Bogen um die Stadt herum. Das Centrum derselben bilden im Norden die drei Stationsinseln, auf deren mittlerer die Centralstation (Centraal-Spoorweg-Station) sich befindet; nördlich von denselben sind die Anlageplätze der auf dem Zuidersee nach Ymuiden, Nordholland, Hull und Leith verkehrenden Dampfer, die östl. Insel ist auch der Endpunkt des Westindischen Maildienstes. Zu beiden Seiten der Inseln liegen das Östliche und Westliche Dock zum Umladen der Waren auf kleinere Binnenseefahrzeuge; weiter östlich der neue große Handelsquai mit dem Binnenhafen für große Ostindiendampfer, seit 1885 mit Kränen von 30 t Hebekraft versehen. Daran schließen sich an die Dijksgracht, das große Bassin der Reichsmarine mit Magazin, die Kattenburger und Wittenburger Grachten, das lange Bassin Nieuwe Vaart mit Kranen und Magazinen, seit 1874 für Seeschiffe eingerichtet, das staatliche Entrepotdock (14,6 ha) mit Speichern (140 000 qm Speicherfläche); weiter ostwärts der Eisenbahnhafen für Rohstoffe, Erze und Kohlen, durch Geleise mit allen einmündenden Bahnen verbunden, der Damm des Zuidersees mit den Oranienschleusen (5 Mill. Fl.). An seiner Ostseite ist das Bassin des neuen Merwedekanals, der A. mit Utrecht und dem Rhein verbindet, und dessen Hauptteil (von A. bis Vreeswijk) 4. Aug. 1892 eröffnet wurde. Westlich der Stationsinseln liegen die Sueskanalladeplätze, 1877 erbaut, der große Holzhafen (houthaven, 126 ha), 1873-76 erbaut und 1878-83 erweitert, der Petroleumhafen für 14 transatlantische Dampfer, 1885-89 erbaut. Im ganzen verfügt A., mit Ausnahme der Grachten und Quais für den Binnenverkehr und die Fabriken und Werften, über 137 ha taugliche Bassinoberfläche, darunter allein 105 ha für die große Schiffahrt, der das Östliche und Westliche Dock, die Nieuwe Vaart, das Eisenbahnbassin, die Plätze östlich vom Holzhafen, die Bassins westlich desselben und der Petroleumhafen dienen. Vor Eröffnung des Kanals liefen in A. jährlich ungefähr 4000 Schiffe mit 4,6 Mill. cbm ein und aus, dagegen gingen durch die Schleuse von Ymuiden einschließlich der Fischerfahrzeuge 1883: 5594 Schiffe mit 5,4 Mill. cbm, 1889: 6794 Schiffe mit 8,8 Mill. cbm. Durch die Oranienschleuse verkehrten 1884: 120 Seeschiffe mit 56 451 cbm, 1887: 56 Seeschiff mit 27 260 cbm, 1883: 91 216, 1888: 77 546 untergeordnete Fahrzeuge. An Seeschiffen liefen in A. ein 1877: 1540 mit 1,7 Mill. Nettotonnen, 1883: 1607 mit 2,6 Mill. t, 1891: 1723 mit 4,6 Mill. t. Das schwimmende Dock am Nordufer des Y (Königinnendock) ist 122 m lang, 28 m breit und kann Schiffe bis zu 5,2 m Tauchung und 4000 t Gehalt aufnehmen. Für den Amsterdamer Markt sind ostind. Kolonialwaren von den staatlichen Produktionsstätten von ausschlaggebender Bedeutung, von denen die Niederländische Handelsgesellschaft die Hälfte nach A. bringt.

Die Einfuhr betrug 1891: Kaffee aus Java und Brasilien 300 000 q (Quintal), Thee aus Java, kleinere Mengen aus China und Indien über London 19 500 q, Rohtabak aus Java, Sumatra u. a. 292 700 q, Rohzucker 813 190 q, raffinierten Zucker 28 510 q, Droguen, Farbewaren und Chemikalien 307 980 q, Spezereien 26 870 q, Teer und Pech 38 430 q, Baumwolle 76 100 q, Flachs und Hanf 4976 q, Roggen 843 910 q, Weizen 534 400 q, Reis 300 550 q, Sämereien und Saaten 967 850 q, Schiffbau- und Zimmerholz 1,8 Mill. q, Metalle, roh 621 360 q, bearbeitete Metalle 452 250 q, Maschinen und Werkzeuge 91 990 q, Manufakturwaren 78 260 q, außerdem Gerste und Mehl, frische und getrocknete Früchte, ferner Schmalz, Talg und Fett sowie Petroleum.

Die Ausfuhr betrug 1891: Kaffee 154 140 q, Tabak und Cigarren 20 601 q, Zucker, Sirup und Melasse 946 300 q, Reis 216 180 q, Mehl 129 400 q, Käse 74 170 q, Fische 3797 q, Bier und Malzextrakt 61 860 q, Lumpen 68 710 q, Metalle, roh 50 8040 q, Manufakturwaren 133 760 q, bearbeitete Metalle