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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amtsverlust - Amu-darja-Bezirk

eines Richters, Geschworenen oder Schöffen, oder eines Beamten, der einen Unschuldigen wissentlich zur Untersuchung bringt) kann bis zu 15 Jahren Zuchthaus erkannt werden. Daneben kann der dauernde Verlust der öffentlichen Ämter oder der zeitweise Verlust der Fähigkeit zu deren Bekleidung und zwar bis zu 5 Jahren ausgesprochen werden. Über die disciplinellen Vergehen s. Disciplinargewalt. - Der Österr. Entwurf von 1889 folgt wesentlich dem deutschen Recht, stellt aber auch die Seelsorger der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften den Beamten gleich.

Amtsverlust als Strafe tritt nach dem Deutschen Strafgesetzbuche infolge der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte oder der Verurteilung zu einer Zuchthausstrafe ein (s. Ehrenrechte). Bei Telegraphen- und Eisenbahnbeamten kann auf Unfähigkeit zur Beschäftigung in diesen Dienstzweigen besonders erkannt werden (Deutsches Strafgesetzbuch §§. 319, 320). Gegen Militärbeamte kann auf A. schon neben Freiheitsstrafe von mehrjähriger Dauer und wegen gewisser Vergehen erkannt werden (Militärstrafgesetzbuch für das Deutsche Reich §. 43).

Amtsverordnete, s. Amtmann.

Amtsverschwiegenheit, s. Amtsgeheimnis.

Amtsvorsteher, s. Amtsbezirk.

Amtswappen, s. Wappen.

Amtszeichen, Symbole, in denen sich die Idee des Amtes verkörpert: sofort in die Augen fallende Erkennungszeichen des amtlichen Charakters ihres Trägers, ehrender Schmuck für den Inhaber des Amtes. Sie sind und waren zu allen Zeiten im Staat, in der Kirche, bei Militär- und Civilämtern über die ganze Erde verbreitet: Krone und Scepter des Herrschers, der Stab des Marschalls, des Herolds, der Fischerring und der Krummstab des Bischofs, das Kreuz des Abts, die Kette des Kanzlers und des Bürgermeisters, das Schild des Flurwächters, die Fasces, welche dem röm. Konsul vorgetragen wurden, der Knopf des Mandarinen u. s. w. Über den strafrechtlichen Schutz der A. s. Anmaßung.

Amu oder Amu-darja (der Oxus der Alten, der Gihon oder Jaihûn der Araber, der Potsu oder Fatsu und Wei der Chinesen), der südl. Hauptstrom in Turkestan (s. Karte: Russisch-Centralasien und Turkestan). Die Frage nach dem Quellfluß des A. ist lange Zeit strittig geblieben, läßt sich jedoch in dem Sinne entscheiden, daß der Ak-su des Kleinen Pamir der eigentliche Quellfluß ist, Pändsch und Surchab hingegen erst in zweiter und dritter Linie kommen. Die Quellflüsse des A. haben das Gepräge von Gebirgsströmen und besitzen ein sehr starkes Gefälle. Nach dem Zusammenfluß des Murghab und des Pändsch biegt der jetzt Amu-darja genannte Strom nach NW. um, durchfließt das Land Darwas, wo er rechts den Wantsch-ab aufnimmt, und richtet seinen Lauf bei Kila-Chumb rechtwinklig nach SW., durchströmt Badachschan und nimmt links den Hauptfluß dieses Landes, den 244 km langen Kutscha-darja (Kokscha) auf, der am Hindukusch entspringt. Von der Kutschamündung aufwärts bleibt der A. im Winter gefroren; hier schlägt auch der Strom eine westl. Richtung ein. Weiterhin nimmt der A. rechts den 640 km langen Wachsch-Fluß auf, der als Kisil-su am Ostende des Alaigebirges auf russ. Gebiete entspringt, dann als Surchab Karategin durchströmt. Unterhalb seiner Mündung in den A. folgt nach 36 km links die des Kundusflusses oder Akseraï, der im W. von Bamian entspringt; ferner ergießen sich in den A. rechts der 260 km lange Kasirnagan, der Surchan, die Hauptwasserader Hissars, 200 km lang, der auch etwa 200 km lange Surchan-darja. Weiter stromabwärts erhält der A. rechts keine Nebenflüsse mehr. Zwar würden zwei Flüsse rechts und fünf links als Zuflüsse des A. aufgefaßt werden können, wenn ihnen nicht durch Bewässerungskanäle so viel Wasser entzogen würde, daß sie den A. nicht mehr zu erreichen vermögen, sondern vorher versiegen. Unter diesen ist namentlich auf dem rechten Ufer des A. der 644 km lange Serafschan (s. d.) hervorzuheben. Der A. hat in seinem mittlern Laufe eine Breite von 357 bis 570 m und 2 bis 8 m Tiefe. Er beginnt im April zu steigen und im Juli wieder zu fallen; während der Zeit des Hochwassers tritt er über, namentlich weit nach rechts, wo ein Gürtel von Buschwerk und Kräutern die Grenze des Überschwemmungsgebietes bezeichnet. In der Breite von Chiwa beginnen die unzähligen, sein Wasser nach links ablenkenden Bewässerungskanäle der Bewohner von Urgendsch, Chiwa u. s. w. Im W. von Kiptschak fängt das Delta an. In mehrern Armen, von denen drei durch ihre Größe hervorragen, mündet der A. in den Aralsee. Die Länge des A. wird auf 2200 km geschätzt, wovon über die Hälfte schiffbar ist. Eine regelmäßige Dampfschiffahrt ist noch nicht vorhanden. Die Transkaspische Eisenbahn überschreitet den A. bei Tschardschui. Es wurde vermutet, der A. habe ehemals von Urgendsch ab seinen Lauf auf 620 km nach SW. zum Kaspischen Meer genommen und in dasselbe gegenüber der Insel Tschaleken, südlich vom Balkanbusen, zwischen 39 und 40° nördl. Br., gemündet. Das alte Flußbett wollte man in der vom Aralsee zum Kaspischen Meere führenden, jetzt trocken liegenden Vertiefung Usboj, d. i. niedrige Ebene, von 425 bis 850 m Breite und 20 bis 25 m Tiefe erkennen; doch wird das von andern Geologen bestritten, die im Usboj nur ein Produkt der Trennung des Aralsees vom Kaspischen Meere sehen. Nach pers. Nachrichten hätte sich der A. bis zum 15. Jahrh. ins Kaspische Meer ergossen.

Amucusee, ein im südl. Innern von Britisch-Guayana unter 3° 40' nördl. Br. und 60° 14'westl. L. gelegener See von geringer Ausdehnung. Hierher verlegte die Sage seit langer Zeit einen großen See von mehr als 450 km Durchmesser, den Parimesee oder Parana Patinga, an dessen Ufern Eldorado (s. d.), der vergoldete König, wohnen sollte, der sich täglich den Goldstaub im See von seinen Händen abwüsche. Dieser oft aufgesuchte See hat sich endlich durch R. Schomburgks Erforschung von Guayana als der A. erwiesen, der am südl. Fuße des Macaparan-Gebirges in einer Ebene liegt.

Amu-darja, Fluß, s. Amu.

Amu-darja-Bezirk, russ. Amu-Darjinskij Otdjel, der südöstl. Teil des russ.-centralasiat. Gebietes Syr-darja, mit 110 996,9 qkm Fläche, besteht aus den östlich vom Amu gelegenen Ländereien, die ehemals zu Chiwa und dem nordöstlichsten Teile von Buchara gehörten, umfaßt einen Teil der Kisilkum-Wüste, bis an die Bukan-Berge im N. und die Ak-tau-Berge im O., und zerfällt in die beiden Distrikte Schurachan und Tschimbai. Das Delta des Amu, welches zu der Provinz gehört, mit seinen unzähligen Wasseradern und Inseln ist bei Hochwasser großenteils überschwemmt; Schilf und Haufen von Wacholder, Weiden u. s. w. bedecken die Inseln. Der westl. Teil der Provinz ist genügend bewässert und