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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Amul; Amulett; Ämulieren; Amun; Amur

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Amul - Amur

daher fruchtbar; sonst ist das Land Sumpf, Steppe oder Sandwüste. Die Bewohner leben teils seßhaft, teils nomadisch. Die Hälfte der Nomaden hat zeitweise festen Wohnsitz, baut den Boden und zieht Schafe. Die Gesamtbevölkerung beträgt 133 630 E., darunter 1000 Russen, 4000 Tadschik und Perser, 39 000 Kirgisen, 70 000 Turkmenen, Usbeken, Karakalpaken und 16 000 Sarten. Sitz der Regierung ist die Festung Petro-Alexandrowsk am Amu-darja.

Amul, Stadt in Persien, s. Amol.

Amulett (lat. bei Plinius amulētum), ein mit gewissen Figuren, Charakteren (s. d.) oder einer Inschrift versehener Körper, z. B. Stein, Metall, Pergament u. s. w., den man bei sich, gewöhnlich am Halse befestigt, trägt, um gegen Krankheit, Bezauberung, Verwundung u. a. geschützt zu sein. Die Herleitung des Wortes ist noch unsicher, die übliche von arab. hamâïl, d.i. Schwertgehänge, Halsschnur, ist unwahrscheinlich. Die ältesten A. finden sich bei den Ägyptern, wo sie die Form des Scarabäus (s. d.) hatten. Das Alte Testament verbot den Gebrauch derartiger Zaubermittel aufs strengste, gleichwohl fanden sich bei den Juden A. als Schmuck- und Zaubermittel: so die Ohrringe, die Jakob den Seinigen abnimmt und vergräbt, die kleinen Monde, die sich die Frauen, wie jetzt noch im Orient, anhingen u. dgl. Dagegen sind Zizit und Tephillin, d. h. die Gebetmantelquasten und die Lederkapseln mit Bibelsprüchen auf Pergament, die der altgläubige Jude trägt, nicht A., sondern dienen zur Erinnerung an Gottes Gebot. Bei den Griechen wurde ein schützendes A. dem Kinde gleich nach der Geburt angehängt. In hohem Ansehen stand als A. der Amethyst, auch in Fingerringen getragen. Die Römer hatten denselben Gebrauch, sie verwandten Platten von verschiedenen Formen und Stoffen, mit rätselhaften Zeichen oder Sprüchen, dann allerlei Substanzen, die man auch nach altitalischer Weise in kleine Kapseln (bulla) schloß und an einer Schnur am Halse trug. Im alten Christentum müssen die kirchlich erlaubten Enkolpien (Brustkreuze), Phylakterien und Medaillen (Agnus Dei) von den A. streng unterschieden werden. Abergläubische Zaubermittel waren stets verboten, gleichwohl gingen solche ins Christentum über. Dahin gehören weniger die Fische von Bronze oder Glas mit Öhren zum Anhängen, die zu den rein christl. Symbolen zählen (s. Ichthys), als z. B. viele sog. Abraxassteine (s. d.), die merkwürdigen Münzen mit Bild und Umschrift Alexanders d. Gr. und dem Monogramm Christi u. ä. Häufig trug man auch mit dem Anfang des Evangeliums Johannis beschriebene Pergamentstücke als Verwahrungsmittel gegen Krankheit und Unglück. Da diese besonders von gewinnsüchtigen Geistlichen angefertigt wurden, eiferte die Kirche wiederholt dagegen. Der Gebrauch der A. wurde von der Synode zu Laodicea im 4. Jahrh., von Gregor II. 721 und unter Karl d. Gr. zu Tours feierlich verdammt. Gleichwohl hat sie alles Ankämpfen nicht ausgerottet. Im Orient sind sie noch heute allgemein in Anwendung, aber auch in Europa leben sie im Volksglauben fort (s. Böser Blick). Man bindet sie dem Soldaten, wenn er ins Feld zieht, auf die Brust (s. Festmachen) oder hängt sie dem Vieh um den Hals, damit es vor Behexung bewahrt werde. - Vgl. Kopp, Palaeographia critica, Bd. 3 u. 4 (Mannh. 1829); Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart (2. Aufl., Berl. 1869); Reinaud, Monuments arabes, persanes et turcs du cabinet de M. le duc de Blacas (2 Bde., Par. 1828); Kréhl, Der Talisman James Richardsons (Lpz. 1865).

Ämulieren (lat., von aemulus, wetteifernd), wetteifern, nacheifern; Ämulation, Wetteifer.

Amun, s. Ammon.

Amur oder Sachalin-Ula, großer Strom Ostasiens, entsteht bei dem russ. Dorfe Ust-Strjelka, am Nordende des Chingangebirges, 53° 20' nördl. Br. und 121° 28' östl. L. von Greenwich, durch die Vereinigung des Argun (s. d.) mit der aus dem Onon und der Ingoda gebildeten Schilka (s. Karte: Sibirien III. Amurgebiet), durchströmt erst im östl. Laufe als Schilka vier Längengrade bis oberhalb Albasin, dann als Sachali, Charamur oder Mangu die nach SSO. gerichtete Strecke bis zur Burejamündung und nun mit einer großen südl. Biegung, die seinen mittlern Teil bis zur Parallele von 47½° nördl. Br. hinabbringt, die ganze Nordhälfte der Mandschurei und ergießt sich unterhalb der Festung Nikolajewsk in 53° nördl. Br. und 141° östl. L. von Greenwich in den weiten aber großenteils seichten und schwierig zu befahrenden Amur-Liman, der im O. durch die langgestreckte Insel Sachalin vom Großen Ocean getrennt, im N. mit dem Ochotskischen und im S. durch die Mamio-Rinzo-Straße mit der Tatarischen Meerenge in Verbindung steht. Die Länge des Stromlaufs mit Einschluß des Argun beträgt etwa 4478 km, und das Flußgebiet wird zu 2 038 223 qkm geschätzt. Der A. kann ganz, die Schilka bis Mitrosanowa (160 km)) oberhalb Strjetensk, die Ingoda bis Tschita (s. d.) befahren werden: eine Linie von mehr als 3000 km Länge und großer Wichtigkeit als Handelsstraße für das Amurland. Ein Gebirgszug, der sich in 51° nördl. Br. vom Chingangebirge, an der Westgrenze der Mandschurei, abzweigt, früher kleiner Chingan (auf den chines. Karten Dousse-Alin), jetzt Burejagebirge genannt, streicht gegen O. über den mittlern Lauf des A., und jenseit desselben wendet er sich gegen NO. So wird das Gebiet des A. gleichsam in zwei Becken geteilt, in ein nordwestliches mit dem gegen SO. gerichteten Oberlauf des A. und den Nebenflüssen Seja und Bureja, und ein viel ausgedehnteres im S., SO. und O. mit dem nordostwärts gerichteten Unterlaufe und den Nebenflüssen Ussuri, Gorin u. a. Von Ust-Strjelka an windet sich der A. durch die bewaldeten Ausläufer des Chingan- und Stanowojgebirges ostwärts in einem engen Felsenthale. Von Albasin an entfernen sich die Berge mehr und mehr von dem Flusse und werden niedriger. Das weidereiche Thal wird offener, und zahlreiche Inseln treten auf, die die Schiffahrt erschweren. Wiederholt treten einzelne, zum Teil grotesk gestaltete, steile Felsmassen dicht an den Fluß, der unter 51½° nördl. Br. rechts die Kumara aufnimmt. Erst bei Blagowjeschtschensk, an der Mündung der Seja, die rechts durch den Silindscha verstärkt wird, beginnt eine weitgestreckte baumlose Ebene. Seine Ufer beleben nun eine Menge mandschur. Dörfer; auch liegt hier am rechten Ufer die Festung Aigun (s. d.). In langsamem Laufe durchschneidet der A. die Ebene, umschließt eine Menge Inselgruppen, wird dann, bereits wieder umwaldet, von N. her abermals verstärkt durch den Niederungsstrom Bureja oder Njuman-Bira und durchbricht hierauf mit reißender Strömung auf einer fast 225 km langen Strecke das finstere, dichtbewaldete Burejagebirge in einem vielfach gekrümmten, von