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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Amur-Generalgouvernement; Amurgebiet; Amurkosaken; Amurland

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Amurgebiet - Amurland

260 m hohen Bergen auf 600 m Breite eingeengten Felsenbett. Nach diesem Durchbruch durchfließt der A. eine einförmige, fast menschenleere, aber fruchtbare Prairie als ein breiter, mit zahllosen Inseln besäter Strom. Hier nimmt er von SW. her den Sungari auf, der aus dem See Kengk strömt, links den Nonni, rechts den Hurka empfängt und bei den Chinesen als der eigentliche Hauptstrom gilt. Nach dieser Vereinigung hat der A. ein so breites und mit niedrigen Inseln so dicht besetztes Bett, daß man selten beide Ufer zugleich erblicken kann. Im S. treten einige Granitfelsen an ihn heran; sonst bleibt sich der Charakter der Ufer gleich bis zur Mündung des Ussuri (s. d.). Kleine Dörfer begleiten hierauf den Strom bis zur Mündung. Die Richtung wird nordnordöstlich. Das linke Ufer bleibt bis zu 50½° nördl. Br. ziemlich flach, dann aber senken sich auch hier Bergzüge, die den A. bis zum See Kidsi (Kisi) hin beengen. Bei Kidsi, wo die Russen die Festung Mariinsk gebaut haben, unter 51° 42' nördl. Br., weichen die Berge zu beiden Seiten auseinander, so daß sich ein 48 km langer, seichter See bilden konnte, an dessen Westeingang jetzt die Stadt Sofiisk erbaut ist und dessen Ostende sich der Küste in der Gegend der De Castriesbai bis auf 15 km nähert und von ihr nur durch niedrige, jetzt von einer Eisenbahn durchschnittene Höhenzüge getrennt ist. Aber anstatt hier nach dem Meere hin durchzubrechen, setzt der A. seinen Lauf noch weiter gegen N. fort, indem er ein rauhes Bergland umsäumt, das sich bis über 650 m hoch erhebt und oft in 100 m hohen Felswänden zum Flusse abfällt. An dem linken Ufer breitet sich hier eine wellenförmige, sumpfige Waldfläche aus, die vom Amgun, dem letzten Zufluß des A., durchströmt wird, und in der sich die Seen Orel und Tschlja von dem A. abzweigen. Bei dem Vorgebirge Tebach aber wendet sich der Strom plötzlich nach O. und SO., um das Küstengebirge zu durchbrechen und seinen Mündungsgolf zu erreichen. Auf seinem untern, gegen NNO. gerichteten Laufe erhält er zahlreiche Zuflüsse, wie den Dondon, den Chungar rechts, den Gorin und Amgun links. Die vielen Inseln und Arme mit wechselnder Tiefe, die zahlreichen Bänke und Riffe, die oft sehr starke Strömung machen die Schiffahrt auf diesem Teile des A. schwierig. Der Mittelpunkt der Dampfschiffahrt auf dem A. und Ussuri ist Chabarowka. Eine Eisenbahn zur Verbindung des Ussuri mit Wladiwostok ist im Bau begriffen. Über Entdeckungsgeschichte und Litteratur s. Amurland.

Amurgebiet, russ. Amurskaja Oblastij, Provinz im russ.-ostasiat. Amur-Generalgouvernement (s. d.), zwischen 47-56° nördl. Br. und 122-135° östl. L. von Greenwich, grenzt im N. an das Gebiet Jakutsk, im O. an das Küstengebiet, im W. an Transbaikalien, im S. an den Amur, die Grenzscheide zwischen Rußland und China, und hat 447 667 qkm Fläche. Das Gebiet (s. Karte: Sibirien III. Amurgebiet) wird von den Ausläufern des Chingan- und Jablonoigebirges durchzogen, von dem Amur und seinen Nebenflüssen bewässert. Das Klima ist rauh. Blagowjeschtschensk hat eine mittlere Jahrestemperatur von -1,2 °C, eine Januartemperatur von -27,1°, eine Julitemperatur von +21,3°. Über Fauna und Flora s. Amurland. Am Amurufer wohnen die Amurkosaken (s. d.), Bauernansiedelungen finden sich zwischen der Seja und Bureja. Die Gesamtbevölkerung wurde 1889 auf 86 341 E. geschätzt, darunter Kosaken 17 528, russ. Ansiedler 24 500, Städter 20 212, Koreaner 967, Mandschuren 14 000; verschiedene tungusische Eingeborene 8000, Arbeiter auf den Goldwäschen 6134. Die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung, abgesehen von den herumstreifenden Jägervölkern, ist Ackerbau. Der Ertrag der Felder ist ein genügender und besteht in Hafer, Weizen, Buchweizen Gerste und Kartoffeln. Das Gebiet ist reich an Goldlagern (1889 lieferten die Goldwäschen desselben 3376½ Pud Gold), ferner an Silber-, Blei-, Kupfer- und Eisenerzen; an vielen Stellen ist man auf Steinkohlen und Naphtha gestoßen. Sitz der Verwaltungsbehörden ist Blagowjeschtschensk. Bis 1884 gehörte das A. zum Generalgouvernement Ostsibirien. Über das Geschichtliche s. Amurland.

Amur-Generalgouvernement, russ. Priamurskaja Generalnaja Gubernija, ein 1884 errichtetes russ. Generalgouvernement in Ostasien, besteht aus dem Amurgebiet, Transbaikalien und dem Küstengebiet nebst der Insel Sachalin und hat 2 991 471,5 qkm mit 695 286 E. Hauptstadt ist Blagowjeschtschensk; Generalgouverneur ist seit 1893 Generallieutenant Duchowskij.

Amurkosaken, die Bewohner des Amurgebietes längs des Oberlaufs des Amur an der chines. Grenze bis zum Ussuri (Hauptstadt: Blagowjeschtschensk). Stellvertretender Ataman ist der Militärgouverneur des Amurgebietes in Blagowjeschtschensk, der dem Kommandierenden des Militärbezirks Amur unterstellt ist. Die Bevölkerung des Amurkosakengebietes zählte 1887 rund 24 000 Köpfe, darunter 23 000 Kosaken; hat sich aber seitdem durch das Ausscheiden der Ussurikosaken (s. d.) vermindert. Die A. stellen im Frieden 1 Fuß-, 2 reitende Sotnien; im Kriege 6 Fuß-, 6 reitende Sotnien in einer Stärke von rund 2000 Mann und 1000 Pferden.

Amurland, russ. Priamurskij kraj, in geogr. Beziehung das ganze früher zur Mandschurei, seit 1858 zu Rußland gehörige Gebiet links vom Amur nebst dem Küstenlande im O. des Amur, seines Nebenflusses Ussuri und einer Linie von diesem zum Flusse Tjumen an der Grenze Koreas, zusammen ungefähr 650 000 qkm (s. Karte: Sibirien III. Amurgebiet). Administrativ gehört es zum Amur-Generalgouvernement (s. d.) und zerfällt in das Amurgebiet (s. d.) sowie den sog. Seedistrikt des A., d. i. der südl. Teil des ostsibir. Küstengebietes, umfassend die Bezirke Nikolajewsk, Sofiisk, Ussuri, das Militärgouvernement Wladiwostok und die Insel Sachalin. - Abweichend von der eintönigen sibir. Flora tritt im A. ein größerer Reichtum an Holzgewächsen, Sträuchern und Stauden auf, deren letzte Vorposten nach Westen zu bis zum Jablonojgebirge sich ausgebreitet haben. Charakteristisch ist eine Eiche (Quercus mongolica), eine Haselnuß, eine Zirbelkiefer, Schwarzbirke u. s. w. Dennoch ist die Kultur durch die sehr lange anhaltenden Winter fast mehr wie in Sibirien zurückgehalten, und das Mündungsgebiet des Amur unwirtlicher als die Thalgründe seines Oberlaufs; bei Nikolajewsk unter 53½° nördl. Br. hat der Kornbau seine Grenze. Die Zahl der jagdbaren Tiere ist groß; selbst der Tiger kommt ins südliche A. Die Gewässer sind reich an Fischen, namentlich an Stören und Lachsarten.

Geschichtliches. Die ersten Nachrichten vom Flusse Amur erhielten die russ. Eroberer in Ostsibirien 1639 durch Kosaken, die von dem reich ausgestatteten A. und dem Bilderreichtum der Dauren