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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Amüsetten; Amusie; Amüsieren; Amyelie; Amygdalae; Amygdaleen; Amygdalin

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Amüsetten - Amygdalin

an der Schilka gehört hatten. Solche Berichte gaben Veranlassung, daß 1643 Wassilij Pojarkow von Jakutsk nach dem Amur abgeschickt wurde. Nachdem er 1646 zurückgekehrt, unternahmen einzelne Abenteurer Züge nach dem obern Amur, und 1649 folgte der größere Zug des Jerofej Chabarow, der 1651 am Amur das Fort Jaksa, das spätere Albasin, anlegte. Einen zweiten Zug unternahm Chabarow 1651 und gründete an der Mündung des Kumara den Kumarskoj-Ostrog (51 1/2° nördl. Br.), der längere Zeit der Mittelpunkt der russ. Macht am Amur blieb. 1665 erschien der Kosak Tschernigowskij am Amur, baute das zerstörte Albasin wieder auf und unterwarf 1670 den Woiwoden von Nertschinsk. Die Chinesen stellten nun Aigun (s. d.) wieder her und rückten 1685 vor Albasin, das sie zerstörten. Bald jedoch bauten die Russen Albasin wieder auf, schlossen endlich mit den Chinesen 27. Aug. 1689 den Friedensvertrag von Nertschinsk, durch den das ganze A. chinesisch und den Russen verschlossen wurde. Wiewohl in der Folgezeit alle Machthaber Ostsibiriens an die Erwerbung des reichen Landes dachten, schritt doch erst Graf Nikolai Murawjew (s. d.), seit 1848 Generalgouverneur von Ostsibirien, mit Ernst dazu. Russ. Kriegsschiffe untersuchten zunächst 1849 die noch fast unbekannte Tatarische Meerenge und 1850 den Amur-Liman, wo 1851 das Fort Nikolajewsk gegründet wurde. Dann erstanden 1853 die Forts Mariinsk (bei Kidsi am Amur), Alexandrowsk an der De Castriesbai, Konstantinowsk am Kaiserhafen, Ilgin an der West- und Murawjewsk an der Südküste von Sachalin. Inzwischen rüstete Murawjew in Daurien einen großen Zug aus, der im Mai 1854 von Schilkinskij-Sawod, unterhalb Nertschinsk, abging und 15. Juni Mariinsk erreichte. Hierdurch wurde die russ. Herrschaft über den Amur begründet. Nikolajewsk wurde Sitz der Marine, Mariinsk Mittelpunkt der Landtruppen. Von Schilkinskij-Sawod aus fanden dann noch drei Züge den Amur abwärts statt, die etwa 3000 Soldaten und 500 Ansiedler nebst Geschütz, Ackergerätschaften u. s. w. in das Mündungsgebiet des Amur schafften, wo nun Bauten, Befestigungen u. dgl. angelegt wurden. Die Chinesen legten diesem Beginnen kein Hindernis in den Weg. Endlich ward 1857 die thatsächliche Vereinigung des A. mit dem Russischen Reiche ausgesprochen. Murawjew schloß 28. Mai 1858 zu Aigun mit dem chines. Civilgouverneur einen Vertrag ab, wonach den Russen das linke Ufer des obern und mittlern sowie beide Ufer des untern Amur von der Mündung des Ussuri an überlassen und ihnen außerdem freie Schiffahrt auf den rechten Nebenflüssen des Amur gestattet wurde. Dieser Vertrag fand durch den Handelsvertrag, den Graf Ignatjew 13. Juni 1858 zu Tien-tsin unterzeichnete, seine Bestätigung. Schon 21. Mai hatte Murawjew den Grundstein zu einer neuen Stadt Blagowjeschtschensk gelegt,und später beschloß man die Anlegung von Sosiisk. Durch kaiserl. Befehl vom 20. Dez. 1858 wurde das neuerworbene Land in das "Amurgebiet" und den "Seedistrikt" geteilt. Der Handelsvertrag zu Peking vom 14. Nov. 1860 bestimmte zugleich die Grenze zwischen China und Russisch-Asien derart, daß die Grenzlinie am Amur abwärts bis zur Mündung des Ussuri, an diesem aufwärts zum Sungatschi lauft, den großen See Chanka (Kengka) durchschneidet, zum Flusse Belenho (Tur) zieht, von dessen Mündung dem Kamme des Gebirges bis zur Mündung des Hupitu (Haptu), dann der zwischen dem Flusse Kurtschum und dem Meere gelegenen Bergkette bis zum Flusse Tjumen oder Thumen-Kiang folgt, 9 km oberhalb dessen Mündung in die Bai Goschkewitsch des Japanischen Meers. Dadurch kam das ganze Küstenland der Mandschurei an Rußland. Bis 1884 gehörte das A. zum Generalgouvernement von Ostsibirien, seitdem zum Amur-Generalgouvernement. - Vgl. Benault, Voyage fait en 1850 dans la Mandchourie septemtrionale (Par. 1852); Schrenck, Reisen und Forschungen im A. 1854-56 (Bd. 1 u. 2, Petersb. 1858-67; Bd. 3, Die Völker des A., ebd. 1881-92; Bd.4, ebd. 1876-77); Maack, Reise nach dem Amur 1855 (russisch, mit Atlas, ebd. 1859); Atkinson, Travels in the region of the Amoor River (Lond. 1860); Collins, Exploration of the Amoor River (2. Aufl., Washington 1864); ders., Voyage down the Amoor (Neuyork 1866); R. Andree, Das Amurgebiet (2. Aufl., Lpz. 1876); Schmidt, von Glehn und Brylkins, Reisen im A. (Petersb. 1868); Grum-Grschimajlo, Beschreibung des Amurgebiets (russisch, ebd. 1894; mit Karte).

Amüsetten (frz.), frühere Feldgeschütze sehr geringen Kalibers (Kugelgewicht etwa 1/2 kg) mit der Bestimmung, der Infanterie beigegeben zu werden. Die Lafetten der A. waren entweder mit einer Protze verbunden oder unmittelbar mit einer Gabeldeichsel versehen. Bei dem sehr geringen Gewicht dieser Geschütze genügte ein Pferd zu ihrer Fortschaffung, und infolge ihrer leichten Beweglichkeit eigneten sie sich auch für den Gebirgskrieg. Die A. wurden zuerst von Moritz, Marschall von Sachsen, aufgebracht; demnächst sind die des Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe erwähnenswert. Vermittelst der von N. Dreyse (in Sömmerda) konstruierten fahrbaren Zündnadelstandbüchse (s. d.) gedachte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Idee der A. zu erneuern.

Amusie (grch.), Mangel an Kunstsinn oder Schönheitsgefühl, überhaupt Roheit; auch Mißklang, Disharmonie; amusisch, ungebildet, roh.

Amüsieren (frz.), unterhalten, belustigen; davon amüsant, unterhaltend, belustigend. Amusement (spr. amüs'máng), Unterhaltung, Belustigung.

Amyelie (grch.), Fehlen des Rückenmarks.

Amygdalae (lat.), Mandeln; A. amarae, bittere Mandeln; A. dulces, süße Mandeln.

Amygdaleen, s. Rosaceen.

Amygdalin, stickstoffhaltige organische Verbindung von der Zusammensetzung C20H27NO11 ^[C<sub>20</sub>H<sub>27</sub>NO<sub>11</sub>], welche zur Klasse der Glykoside gehört und in den Fruchtkernen vieler Pflanzen aus der Familie der Pomeen und Amygdaleen, wie Pflaumen, Kirschen, in Apfelkernen, Mandeln u. s. w., ferner in den Kirschlorbeerblättern vorkommt. Aus entölten bittern Mandeln wird es durch Alkohol ausgezogen und krystallisiert in weißen glänzenden Blättchen. Aus Wasser erhält man es mit 3 Molekülen Krystallwasser. Beim Kochen mit Säuren oder beim Stehen mit Wasser und Emulsin, einem in den Mandeln enthaltenen Ferment, wird das A. in Bittermandelöl, Blausäure und Traubenzucker zerlegt. Es erteilt den bittern Mandeln den bittern Geschmack und durch die Abspaltung von Blausäure die Giftigkeit. Die Darstellung des Bittermandelöls aus bittern Mandeln u. dgl. beruht ebenfalls auf der erwähnten Zersetzung des A.