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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amygdalitis – Amymone

Amygdalitis (grch.), Mandelentzündung, Mandelbräune.

Amygdaloid, s. Mandelstein.

Amygdălus communis, s. Mandelbaum. – Amygdalus persica, s. Pfirsich.

Amyklä, altachäische Stadt in Lakonien im mittlern Eurotasthale, 3 km südlich von Sparta, auf und an einem Hügel, der jetzt eine Kapelle des heil. Kyriaki trägt, sagenberühmt als Sitz des Tyndareos und der Leda (s. d.). A. bewahrte sich auch nach der Eroberung Lakoniens durch die Dorier eine gewisse Selbständigkeit, bis es um 800 v. Chr. durch den spartan. König Teleklos erobert wurde. Seitdem hatte es nur noch Bedeutung durch sein altes Heiligtum des Apollon. (S. Bathykles.)

Amylalkohol ist der gemeinsame Name für die Alkohole von der Zusammensetzung C5H11•OH, von denen 8 Isomere möglich sind. Gewöhnlich versteht man unter A. den Gärungsamylalkohol, der ein Hauptbestandteil des Fuselöls ist, von unangenehmem, zum Husten reizenden Geruch, bei 129–132° siedend und in Wasser nicht leicht löslich. Aus dem Fuselöl wird er gewonnen, indem man dasselbe durch Waschen mit Wasser von dem gewöhnlichen Äthylalkohol befreit und den in Wasser unlöslichen Rückstand fraktioniert destilliert, wobei man den zwischen 128 und 132° siedenden Teil für sich auffängt. Der Gärungsamylalkohol enthält übrigens selbst mehrere Isomere:

  • 1) als Hauptbestandteil: Isobutylcarbinol, (CH3)2CH•CH2•CH2•OH (Siedepunkt 131°);
  • 2) aktiven A. (Methyläthylcarbincarbinol), C2H5•CH(CH3)•CH2•OH (Siedepunkt 127°);
  • 3) wahrscheinlich normalen A., CH3•CH2•CH2•CH2•CH2•OH (Siedepunkt 137°).

Der aktive A. dreht die Polarisationsebene des Lichtes nach links, die Aktivität des Gärungsamylalkohols ist durch diesen aktiven A. verursacht. Bei der Oxydation liefert er eine die Schwingungsebene des polarisierten Lichtstrahles nach rechts ablenkende Valeriansäure, während das an und für sich inaktive Isobutylcarbinol eine ebenfalls inaktive Valeriansäure giebt. – Tertiärer Amylalkohol, s. Amylenhydrat.

Amylene, die zur Gruppe der Alkylene (s. d.) oder Olefine gehörenden ungesättigten Kohlenwasserstoffe von der Zusammensetzung C5H10, von denen 5 Isomere (s. Isomer) möglich sind. Das gewöhnliche Amylen, durch Destillation von Gärungsamylalkohol mit Chlorzink erhalten, ist ein Gemenge von mehrern solchen Isomeren. Es ist flüssig, siedet zwischen 25 und 40° und ist als Anästhetikum in Anwendung gebracht worden.

Amylenhydrat, tertiärer Amylalkohol oder Dimethyläthylcarbinol, C5H12O, entsteht durch Einwirkung von Schwefelsäure oder Jodwasserstoff auf Fuselölamylen, bildet eine leichtbewegliche farblose Flüssigkeit von eigentümlich ätherischem scharfen Geruch und Geschmack und 0,81 spec. Gewicht, die bei 102° C. siedet und in 8 Teilen Wasser löslich ist; mit Alkohol ist sie in allen Verhältnissen mischbar. Man wendet das A. in Dosen von 3 bis 5 g in Gelatinekapseln oder in Rotwein oder in Schüttelmixtur als Schlafmittel an.

Amylĭum nitrosum ist Amylnitrit (s. d.).

Amylnitrit, der Salpetrigsäureester des Gärungsamylalkohols, wird beim Einleiten von Salpetrigsäuregas in kalten Amylalkohol, Waschen mit Wasser und Rektifikation gewonnen. A. ist eine klare, gelbliche, flüchtige, bei 96° siedende Flüssigkeit von 0,87 bis 0,88 spec. Gewicht, von fruchtartigem Geruch und von brennendem, gewürzhaftem ↔ Geschmack, kaum löslich in Wasser, aber in allen Verhältnissen mit Weingeist und Äther mischbar. Es muß vorsichtig und vor Licht geschützt aufbewahrt werden. Das A. besitzt eine höchst eigentümliche Einwirkung auf die Gefäßnerven; rein zu wenigen (2–5) Tropfen auf ein Taschentuch geträufelt und eingeatmet, erzeugt es fast sofort eine intensive Röte des Gesichts und der obern Körperpartie, womit sich Hitzegefühl, Herz- und Arterienklopfen, ein rauschähnliches Gefühl von Schwere im Kopf oder Schwindel verbindet. Beim Aussetzen der Einatmung gehen diese Veränderungen rasch wieder vorüber: bei fortgesetzter Inhalation kann es dagegen leicht zu völliger Bewußtlosigkeit, Ohnmacht und kollapsähnlichen Zufällen kommen. Man bedient sich derartiger Einatmungen von A. mit Vorteil gegen gewisse Krankheitszustände, die auf einem arteriellen Gefäßkrampf und dadurch bedingter Anämie des Gehirns und der Sinnesnerven beruhen, wie Migräne, eklamptische und hysterische Krämpfe, Brustbräune und manche durch Blutleere bedingte Affektionen des Seh- und Hörapparates. Das A. ist seit 1882 (2. Ausg. des Deutschen Arzneibuches) als Amylium nitrosum offizinell. – Vgl. Pick, Über das A. und seine therapeutische Verwendung (2. Aufl., Berl. 1877).

Amylobakter (Clostridium butyricum Prazm.), eine Bacillenform, deren Namen daher stammt, daß die Bacillen sich wie Amylon(Stärke-)körner mit Jod blau färben; es sind schlank cylindrische Stäbchen mit lebhafter Bewegung, welche an einem Ende unter kolbenförmiger Anschwellung glänzende ovale Sporen bilden; die einzelnen Entwicklungsphasen zeigen vielgestaltige Formen. Der A. ist ein sehr verbreiteter Pilz, der hauptsächlich die sog. Buttersäuregärung der Zuckerarten und milchsauren Salze, ferner die faulige Zersetzung weicher Pflanzenteile sowie des Kleisters, die Maceration von Hanf und Flachs (zum Zweck der Fasergewinnung) u. a. hervorruft; schon in vorgeschichtlichen Erdperioden bedingt er die Fäulnis der Pflanzen. Auch Fäulniserscheinungen am Casein der Milch (Käse) mit Verflüssigung derselben durch Bildung von Pepton und mit Tyrosin, Leucin, Ammoniak als Endprodukten der Umsetzung, durch welche der Käse «reift», sind auf den Ä. zurückzuführen.

Amyloid, s. Cellulose.

Amyloidentartung, Speckentartung, Wachsdegeneration, eine Erkrankung, bei der sich eine eigentümliche Substanz in der Form von mikroskopisch wahrnehmbaren, sog. amyloiden Körperchen oder Zellen in das Gewebe der Milz, Leber, Niere und anderer Organe einlagert. Diese die umliegenden Gewebe nach und nach zum Schwund bringende Substanz ist mattglänzend, durchscheinend und erhielt den Namen deshalb, weil sie sich, ähnlich wie das Amylum, durch Jodlösung eigentümlich rot, durch Schwefelsäure violett oder blau färbt. Die A. entsteht gewöhnlich infolge von langdauernden Knocheneiterungen, syphilitischen Verschwärungen oder chronischer Lungentuberkulose und führt in der Regel rasch zu allgemeiner Blutarmut, Albuminurie und Wassersucht. – Vgl. Kyber, Studien über die amyloide Degeneration (Dorpat 1871).

Amylon (grch.), s. Stärkemehl.

Amyloxydhydrat, soviel wie Amylalkohol (s. d.).

Amylum (lat.), s. Stärkemehl.

Amymone, in der griech. Sage Tochter des Danaos. Als sie, von ihrem Vater ausgesendet, an der quellenarmen Küste von Argos nach Wasser

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 567.