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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Anacharis - Anagallis

dentalia) in den Handel; die ostindischen Elefantenläuse (A. orientalia) stammen von derselben Familie angehörigen Semecarpus Anacardium L. fil. (s. Semecarpus). Der ätzende Balsam der westind. Anacardien besteht aus einer scharfen, ölartigen Flüssigkeit, dem Cardol, und einer krystallisierbaren Säure, der Anacardsäure, C22H32O3 ^[C<sub>22</sub>H<sub>32</sub>O<sub>3</sub>]. Der Saft der Samenschalen dient als unauslöschliche Tinte, da ein damit schwarz gefärbtes Zeug sich nicht wieder von der Farbe befreien läßt. Außerdem enthalten die westind. Nierenbäume das Acajougummi (s. d.).

Anacharis, s. Elodea

Anacharsis, ein Scythe aus königl. Geschlechte, der mit seinem Freunde Toxaris zu Solons Zeit eine Bildungsreise nach Athen und andern griech. Städten machte und durch seine einfache Weisheit Aufsehen erregte. Man rechnete ihn später zu den sieben Weisen. Die seinen Namen tragenden Briefe sind unecht und spätern Ursprungs. Nach seiner Rückkehr soll er wegen seiner Hellenisierungsversuche getötet worden sein. Berühmt ist des franz. Altertumsforschers Barthélemy (s. d.) "Voyage du jeune A. en Grèce" (3 Bde., 1788 u. ö.).

Anachoreten (grch., d. h. aus dem Leben Zurückgezogene), Einsiedler, Eremiten, Klausner, in einsamen, wüsten Gegenden lebende Männer. Obgleich sich die Christen schon in den beiden ersten Jahrhunderten von den heidn. Festen und Vergnügungen zurückzogen, so traten doch erst seit dem Ende des 3. Jahrh. eigentliche A. auf. Seit dem Anfang des 4. Jahrh. begannen sich zuerst in Ägypten um solche Einsiedler oder "Väter der Wüste" Jünger und Genossen zu sammeln und unter ihrer Leitung ein ascetisches Leben zu führen. Als Athanasius sich 356 in die Libysche Wüste verbarg, fand er dieselbe schon von zahlreichen Eremiten bevölkert. Da die A. aber von der Menge um Rat und Trost, um ihren Segen für Kranke und Kinder bestürmt wurden, so erreichten sie ihre Absicht der völligen Abtrennung vom Leben fast nie. Einzelne A. legten ihrem "sündigen" Leibe die furchtbarsten Qualen auf, belasteten sich mit Ketten und Eisenringen, suchten fast unbewohnbare Gegenden und Höhlen auf, darbten sich selbst die nötigsten Nahrungsmittel und Kleidungsstücke ab oder zwangen sich die unnatürlichsten Körperstellungen auf, in denen sie jahrelang verharrten. (S. Styliten.) Allmählich traten dergleichen krasse Auswüchse des Anachoretentums zurück, da die Kirche selbst sehr bald die mildere Form der Zurückgezogenheit, das gemeinsame Leben der "Cönobiten" oder Mönche, vorzog. Übrigens haben die orient. Religionen insgesamt, das Judentum nicht ausgenommen, manche ähnliche Erscheinungen aufzuweisen.

Anachronismus (grch.), ein Verstoß gegen die richtige Zeitfolge, die Versetzung von Dingen und Ereignissen in Zeiträume, denen sie nicht angehören oder angehören können. Er findet sich besonders häufig in Werken der Dichtkunst, entweder mit Absicht angewendet, um z. B. komische Wirkung zu erzielen, oder nur zufällig, indem der Dichter aus Unkunde oder Gleichgültigkeit eine Erfindung, Begebenheit, Sitte u. s. w. einer spätern Zeit in einer frühern vorhanden sein läßt. So spricht Schiller in den im 17. Jahrh. spielenden "Piccolomini" vom Blitzableiter, der erst im 18. Jahrh. erfunden wurde.

Anacreon, s. Anakreon.

Anacreontea, s. Anakreon.

Anacyclus L., Ringblume, Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit gegen 10 meist in den Umgebungen des Mittelländischen Meers wachsenden Arten. Zwei davon waren ihrer heilkräftigen Wurzeln halber offizinell: A. officinarum Hayne, eine einjährige, bei Magdeburg im großen angebaute Pflanze aus Südeuropa, deren Wurzel als Radix Pyrethri Germanica, d. h. deutsche Bertramswurzel, und A. Pyrethrum DC., welche sich in Nordafrika, Südeuropa und dem Orient wild findet und deren perennierende Wurzel als römische Bertramswurzel, Padix Pyrethri Romana, offizinell war.

Anadoli, s. Geheimmittel.

Anadoli, türk. Bezeichnung für Anatolien (s. d.).

Anadyomene, d.i. die Auftauchende, ein der Aphrodite (s. d.) in Bezug auf ihren Ursprung aus dem Meere gegebener Beiname. Der Maler Apelles stellte die Göttin dar, wie sie aus dem Meere auftauchte und ihr nasses Haar mit den Händen ausdrückte. Das Bild stand auf der Insel Kos im Tempel des Asklepios. Von den Koern kaufte es gegen Erlaß von 100 Talenten Abgaben Augustus, der es zu Rom in dem Tempel des Julius Cäsar aufstellen ließ. Das Bild war in den untern Teilen schon verdorben, aber niemand wagte es zu restaurieren; da die Verderbnis zunahm, ersetzte es Nero durch ein Werk des Dorotheus. In der "Griechischen Anthologie" wird die A. des Apelles in mehrern Epigrammen gefeiert. - Vgl. Benndorf in den "Mitteilungen des Archäologischen Instituts in Athen", Bd. 1 (Athen 1876).

Anadyr oder Pogytscha, der östlichste größere Fluß Sibiriens, kommt aus dem Bergsee Iwaschkino, fließt durch hohes, größtenteils unbewaldetes Gebirge und mündet nach einem Laufe von ungefähr 1229 km unter 64° 40' nördl. Br. in die Bucht Onemjon, auch Anadyrscher Liman genannt (s. Anadyrscher Golf). Die Hauptnebenflüsse sind Majin, Krasnaja, Bjelaja. Sein Flußgebiet beträgt 913 331 qkm. Am A. liegt der ehemalige Anadyrsche Ostrog, Mittelpunkt des Tauschhandels zwischen den Russen und Tschuktschen.

Anadyrscher Golf, Teil des Beringmeers, schneidet nordwestlich in die Tschuktschen-Halbinsel ein, zwischen den Vorgebirgen Tschukotskij und St. Taddäus, und bildet zwei tiefe Buchten: das Heilige Kreuz (östlich) und den Onemjon oder Anadyr-Liman (westlich), in den der Anadyr mündet.

Anaerobien (grch.) nennt Pasteur alle diejenigen niedrigen Organismen (Bakterien und verwandte Mikrobien), welche Bewegungs- und andere Lebenserscheinungen nur bei völliger Abwesenheit des atmosphärischen Sauerstoffs zeigen, im Gegensatz zu den Aerobien oder Aerozoen (s. d.).

Anagallis L., Gauchheil, Pflanzengattung aus der Familie der Primulaceen (s. d.) mit 12 vorzugsweise in den gemäßigten Zonen verbreiteten Arten; einjährige und perennierende Kräuter mit zarten Stengeln, gegenständigen, ganzrandigen Blättern und einzeln in den Blattachseln auf langen Stielen stehenden Blüten mit fünfteiligem Kelch, radförmiger Blumenkrone von roter oder blauer Farbe und fünf Staubgefäßen. Aus dem Fruchtknoten entwickelt sich eine vielsamige, kugelige, ringsum aufspringende Kapsel. Eine Art, der in fast ganz Europa auf Äckern als Unkraut wachsende gemeine Gauchheil (A. arvensis L.), ein sehr zartes Pflänzchen mit hellroten, selten blauen Blumen, galt früher als Mittel gegen die Hundswut.