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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Anästhetika; Anastomose; Anatas

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Anästhetika - Anatas

normale Zahl herab und der Kranke verfällt in einen tiefen, dem Scheintode ähnlichen Schlaf. In diesem Stadium der Narkose, in der der aufgehobene Arm willenlos niederfällt (Zustand der vollständigen Paralyse), können die schmerzhaftesten Operationen ausgeführt werden, ohne daß der Kranke etwas empfindet. Nachdem die Unempfindlichkeit einige Zeit (1/2-20 Minuten) angedauert, kehren allmählich die Sinnesthätigkeit, die Funktion der Muskeln und das Bewußtsein zurück. Nur zuweilen bleibt etwas Eingenommenheit des Kopfes und Übelkeit zurück.

Bald darauf stellte man mehrfache Versuche an, ob nicht auch andere Stoffe, insbesondere die übrigen Ätherarten, eine gleiche Wirkung hätten. Der Chlorwasserstoff- oder Salzäther (auch Chloräthyl genannt) zeigte zwar dieselben Wirkungen, gelangte aber wegen seines weit höhern Preises nicht zu ausgebreiteterer Anwendung. Mit desto besserm Erfolge bediente man sich bald darauf des Chloroforms (s. d.), welches der Edinburgher Professor Simpson 10. Nov. 1847 in die Praxis einführte, und das wegen seiner entschiedenen Vorzüge den Schwefeläther bald fast ganz verdrängte. Das Chloroform läßt sich angenehmer einatmen, die Empfindungslosigkeit tritt schon nach 1/2-5 Minuten ein; ferner ist das Stadium der Aufregung milder und flüchtiger. Einige Todesfälle infolge Chloroformierung zeigten jedoch, daß das Chloroform in der Hand des Ungeübten und Unvorsichtigen weit gefahrvoller ist als der Schwefeläther. Besonders ward darin gefehlt, daß man während der Einatmung der Chloroformdämpfe dem Patienten die atmosphärische Luft gänzlich entzog und hierdurch eine Art Erstickungstod, eine Übersättigung des Körpers mit Chloroform, herbeiführte. Man muß vielmehr stets darauf bedacht sein, daß die Chloroformdämpfe gehörig mit Luft verdünnt werden. Auch während des Zustandes der Betäubung hat der Arzt fortwährend darauf zu achten, ob Atmung und Puls gleichmäßig bleiben; denn sollte der Atem röchelnd werden, Puls- und Herzschlag aussetzen und das Gesicht eine blaue Färbung bekommen, so droht Gefahr, und man muß sogleich den Patienten durch schnelles Zuführen von frischer Luft, nötigenfalls durch Einleitung der künstlichen Respiration zum Leben zurückführen. Man ist seitdem bemüht gewesen, andere Stoffe, die meist der chem. Gruppe der Kohlenwasserstoffe angehören, zu anästhesierenden Einatmungen an die Stelle des Chloroforms zusetzen, wie Salpeteräther, Essigäther, Jodäther, Aldehyd, Benzin, Amylen, auch Schwefelkohlenstoff, Bromoform, Jodoform u.s. w., doch haben sich dieselben, mit Ausnahme des Methylenbichlorids (s. d.), nicht als genügend erwiesen. In neuerer Zeit wurden wieder zahlreiche Versuche mit der Einatmung absolut reinen Stickstoffoxyduls (s. Lustgas) gemacht, nachdem seine Anwendung zum Zweck der Anästhesierung seit der Entdeckung dieser Eigenschaft (1799 durch Davy) bereits mehrmals wieder aufgegeben wurde. Die Narkose tritt bei der Einatmung des Stickstoffoxydulgases schon nach 1/2 - 1 Minute ein, hält aber auch nur kurze Zeit an und ist deshalb nur für kleinere, insbesondere zahnärztliche Operationen verwendbar. Bei lange andauernden Operationen verbindet man jetzt die Chloroformeinatmungen oft mit gleichzeitigen Morphiumeinspritzungen.

Die Vorteile, welche aus dem A. insbesondere in der chirurg. Praxis erwachsen, sind groß, obwohl eine jede Narkose mit gewissen Unannehmlichkeiten und selbst mit Gefahren verbunden ist. Namentlich ist dann große Vorsicht geraten, wenn der Kranke sehr vollblütig und fettleibig oder durch Krankheit erschöpft ist, oder wenn er an einer großen Reizbarkeit des Nervensystems, an Gehirn- oder Herzkrankheiten leidet. Auch die Anästhesierung in der Geburtshilfe hat man allmählich auf sehr schmerzhafte und schwierige Operationen beschränkt. Der praktische Arzt chloroformiert überdies bei heftigen Schmerzen, welche von verschiedenen innern Krankheiten herrühren, bei Konvulsionen, Brustentzündung, Lungenemphysem, Krupp, Neuralgie u. s. w., überhaupt wo eine beruhigende Einwirkung auf das sensible Nervensystem ausgeübt werden soll.

Gefühllosigkeit läßt sich indes auch noch auf andere Weise als durch Einatmung von Dämpfen der genannten Flüssigkeit erzielen. Dahin gehört vor allem die Methode des sog. Hypnotismus (s. d.). Zur Erzeugung einer lokalen Anästhesie hat man verschiedenartige Mittel vorgeschlagen. Die Benutzung der Elektricität zur Aufhebung oder Verringerung der Operationsschmerzen (z. B. beim Zahnausnehmen) hat sich nicht bewährt. Mit Sicherheit kann dagegen Aufhebung der Empfindung an einer begrenzten Stelle des Körpers durch die Kälte bewirkt werden. Es gelingt, kleinere Operationen schmerzlos zu vollziehen, nachdem man zuvor durch Aufschläge von Eis den betreffenden Teil gefühllos gemacht hat. Statt des Eises oder Schnees kann man sich auch der sog. Kältemischungen, z. B. 2 Teile Eis und 1 Teil Salz bedienen, oder man wendet nach dem Vorgange von Richardson die Verdunstungskälte an, indem man durch einen besondern Apparat (sog. Pulverisateur) leicht verdunstende Flüssigkeiten (in der Regel Äther) in Staubform auf die zu anästhesierende Stelle appliziert. Eine örtliche Anästhesie läßt sich durch die lokale Anwendung des Cocains (s. d.) erzielen. - Vgl. Weber, über die Anwendung der schmerzstillenden Mittel im allgemeinen und des Chloroforms im besondern (Berl. 1867); Claude Bernard, Lecons sur les Anestésiques (Par. 1875); Kappeler, Anästhetika (Stuttg. 1880).

Anästhetika (grch.), anästhetische Mittel, s. Anästhesieren.

Anastomose (grch., d. h. Zusammenmündung), in der Anatomie die Vereinigung zweier Gefäßäste, entweder unmittelbar miteinander zur Bildung eines Bogens oder Winkels, oder mit Hilfe eines dritten (Kollateralgefäß). Findet dies mit mehrern Gefäßästen an einer und derselben Stelle statt, so entsteht ein Gefäßnetz. Sämtliche Gefäße zeigen dergleichen Vereinigungen, am häufigsten die Kapillaren, sodann die Lymphgefäße und Venen, am seltensten die Arterien. Die A. der Arterien sind in pathol. Hinsicht die wichtigsten, da durch dieselben der Kreislauf gesichert wird und sich von benachbarten Ästen her ohne wesentlichen Nachteil (als Kollateralkreislauf) wiederherstellt, wenn auch der eine Hauptast unwegsam geworden ist. Daher kann es auch der Chirurg wagen, den zu einem ganzen Gliede gehenden Hauptarterienstamm zu unterbinden, ohne das Glied in Gefahr des Absterbens zu setzen, wenn nur die Unterbindung unterhalb einer Stelle geschieht, wo bereits Kollateralgefäße aus dem unterbundenen Stamme abgehen. - A. heißen auch die Verbindungen peripherer Nerven.

Anatas, ein Mineral, das sich in vereinzelten tetragonalen Krystallen auf Klüften von Gneis und