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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Andante; Andantīno; Andaöl; Andaquiswachs; Andchui; Andechs; Andeer; Andelage; Andelfingen; Andelsbuch; Andelys

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Andante - Andelys

besonders auch den seit einigen Jahren angebauten Thee hervor. Die Tierwelt ist im ganzen der des benachbarten Festlandes nahe verwandt. Neben einigen Fledermäusen kommen ein Rollmarder (Paradoxursus) und ein Wildschwein, wahrscheinlich die Lokalrasse eines vor langer Zeit eingeführten Schweines, vor. Auch giebt es den Inseln eigentümliche Vögel, Reptilien, Amphibien und Süßwasserfische. Die Andamaner (Minkopic; s.Tafel: Asiatische Völkertypen, Fig. 17, 18),etwa 1,52 m große, aber kräftige, dazu äußerst wilde und grausame Menschen, sind den Papuas auf Neuguinea, den Samang auf der Halbinsel Malaka und den Negritos auf den Philippinen ähnliche, dunkelfarbige und wollhaarige, sog. Australneger. Sie leben in Hüttendörfern, haben Einbäume und Ruder, führen hauptsächlich noch Bogen und Pfeile und nähren sich von Schildkröten, wilden Wurzeln, Früchten, Honig und Fischen. Sie zerfallen in neun Stämme. Die Briten ließen 1789 die A. durch Lieutenant Archibald aufnehmen und gründeten 1789 eine Niederlassung zu Port-Cornwallis, die indes 1796 wieder aufgegeben wurde. Seitdem blieben die Inseln unbeachtet, bis sie 1858 von der brit. Regierung in Besitz genommen und zur Deportationsstätte besonders für die zu langwieriger Strafzeit verurteilten Sipahi (s. d.) bestimmt wurden. Die Sträflinge (darunter viele Frauen) sind bei Port-Blair auf die Inseln Roß und Chatham und auf die Südküste in 12 Stationen verteilt, wo sie zu nützlicher Thätigkeit angehalten werden. Die schlimmsten wurden nach der Viperinsel übergeführt. Durch freie Einwanderung und alte gebesserte Sträflinge haben sich kleine Kolonien gebildet. Die Unkosten der Kolonie, die mit den Nikobaren unter einem Chief Commissioner steht und zu Indien gehört, betragen jährlich ungefähr 1 Mill. Pfd. St. Behufs der Civilisierung der Eingeborenen ist ein sog. Home (Heim) errichtet, wo sich auch schon eine Anzahl derselben niedergelassen hat.

Andante (vom ital. andare, eigentlich: gehend, schrittmäßig), dritter Hauptgrad in dem musikalischen Tempo (s. Adagio). Die verschiedenen Grade des A. werden ausgedrückt durch A. larghetto, A. con moto und ähnliche Bezeichnungen. Das Andantino als Zeitmaß steht zwischen A. und Allegro, bezeichnet aber gewöhnlich zugleich ein kürzeres, weniger ausgeführtes Musikstück als A.

Andantīno, s. Andante.

Andaöl, s. Anda-Assu.

Andaquiswachs, eine aus den Gebieten des Orinoco und Amazonenstroms stammende Art von Bienenwachs, schmilzt bei 77° C.

Andchui, auch Andkhu, Ankoi. 1) Landschaft im afghan. Turkestan (Provinz Maimene), früher ein usbekisches Chanat, hat etwa 115000 E., tatar.-türk. Usbeken und pers. Afschar, die reichlich Getreide, Reis und Obst bauen, Kamele züchten und mit schwarzen Lammfellen (sog. Astrachan), sowie mit den Landesprodukten lebhaften Handel treiben. - 2) A., Stadt in der Landschaft A., wie Maimene an dem am Nordabhange der Hasaraberge entspringenden Sangalik, hat (1889) 15000 E. in 2000 Häusern und 3000 Zelten, die sich nordwärts bis an den Rand der Turkmenenwüste hinziehen, und ist ein wichtiger Mittelpunkt des Karawanenhandels zwischen Buchara und Afghanistan.

Andechs, Weiler in der Gemeinde Erling im Bezirksamt München II des bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, 14 km von Starnberg, in 712 m Höhe, am Ammersee, hat (1890) 208 E. und ist berühmt durch die frühere Burg A., die sich über dem Pfarrdorf Erling in 760 m Höhe erhebt und der Stammsitz des alten bayr. Geschlechts der Grafen von Diessen-Andechs war. Diese, schon im 9. Jahrh. genannt, besaßen an der Etsch und am Inn bedeutende Besitzungen, zu denen noch durch Heirat solche in Franken kamen mit der Plassenburg (s. Kulmbach) als Mittelpunkt. Die Grafen von A. wurden 1181 (Berthold II., gest. 1188) Markgrafen von Istrien, 1202 (Berthold III., gest. 1204) Herzöge von Meran und durch Otto I. (gest. 1234) Pfalzgrafen von Burgund; mit seinem Sohne Otto II. erlosch 1248 das Geschlecht im Mannsstamme, während die Güter an Albrecht I., Grafen von Tirol, und die bayr. Herzöge fielen. An Stelle der Anfang des 13. Jahrh. von Herzog Ludwig I. von Bayern zerstörten Burg A. gründete Herzog Albrecht III. 1455 ein Benediktinerkloster, das berühmter Wallfahrtsort wurde, gewöhnlich der "heilige Berg" genannt. 1803 aufgehoben, kam es 1846 an König Ludwig I., der das Kloster als Filiale der Abtei St. Bonifaz in München wiederherstellte. Seit 1856 besteht daselbst die St. Nikolausanstalt zur Erziehung verwahrloster Knaben (130). - Vgl. von Öfele, Geschichte der Grafen von A. (Innsbr. 1877); Heindl, Der heilige Berg A. (Münch. 1895).

Andeer, im Schamserthal, s. Viamala.

Andelage (Andelanc; latinisiert andelago, andelangus, vandilangus), ein altdeutsches, später vielfach verderbtes Wort, welches ursprünglich nichts anderes ist als "Handlangen" und soviel wie Überreichung, Einhändigung bedeutet. Es kommt in Urkunden des Mittelalters, besonders fränk., burgund. und langobard. Diplomen des 9. bis 11. Jahrh. als Symbol des Handschlags bei der Übergabe einer Sache an einen andern, bei Schenkungen, Einweisungen in ein Amt u. s. w. vor.

Andelfingen. 1) Bezirk im schweiz. Kanton Zürich, das Weinland des Kantons, hat (1888) 16793 E. in 24 Gemeinden. - 2) Groß-Andelfingen, Marktflecken, Hauptort des Bezirks A., links an der Thur und an der Linie Winterthur-Schaffhausen der Schweiz. Nordostbahn, hat (1888) 822 E., darunter 32 Katholiken, Post und Telegraph. Auf einem Hügel das schöne Schloß des Barons Sulzer von Wart mit reichen Sammlungen alter Glasmalereien. - 3) Klein-Andelfingen, Ort bei Groß-Andelfingen, mit diesem durch eine Brücke verbunden, mit 1028 evang. E. und Post.

Andelsbuch, Bad im Bregenzer Wald (s. d.).

Andelys (spr. angd'lih). 1) Arrondissement im franz. Depart. Eure in der Normandie, hat 1041,90 qkm, (1891) 58015 E., 117 Gemeinden und zerfällt in die 6 Kantone: A. (190,52 qkm, 11039 E.), Ecos (201,52 qkm, 7848 E.), Etrépagny (172,42 qkm, 8552 E.), Fleury-sur-Andelle (169,20 qkm, 13254 E.), Gisors (164,17 qkm, 10857 E.), Lyons-la-Forêt (144,07 qkm, 6465 E.). - 2) A. (Les Andelys), Hauptstadt des Arrondissements A., rechts von der Seine, besteht aus Le Grand-Andely und Le Petit-Andely, hat (1891) 3907, als Gemeinde 6040 E., Fabrikation von feinem Tuch, Strumpfwaren, Leinwand, Holzschuhen, besonders von falschen Perlen aus dem Schuppenbelag der hier in Menge gefangenen Weißfischchen (ablettes, s. Ukeley), Gerbereien, Baumwollspinnereien und lebhaften Handel mit Getreide und Vieh. Groß-Andely, im Thale des