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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Angelsächsische Gesetze; Angelsächsische Heptarchie; Angelsächsische Sprache und Litteratur

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Angelsächsische Gesetze - Angelsächsische Sprache und Litteratur

mandie seit 1066 für immer zu Ende. Mit dem angelsächs. Königtum wurde die Landesversammlung vernichtet und eine autokratische Monarchie trat an die Spitze. Erhalten blieb jedoch vor allem die angelsächs. Nationalität. Wie gegenüber den Kelten verhielt sie sich spröde gegenüber den weit schmiegsamern Normannen. Sie nahm diese in sich auf, ohne wesentlich den eigenen Charakter beeinflussen zu lassen; hat doch die franz. Sprache, obgleich sie lange die offizielle war, in den Wortschatz des bis zum 15. Jahrh. herausgebildeten Englisch nur drei Zehntel eingeführt (s. Englische Sprache). - Vgl. Lappenberg, Geschichte von England, Bd. 1 (Hamb. 1834): Stubbs, Constitutional History of England, Bd. 1 (Lond. 1874); Kemble, The Anglo-Saxons (2 Bde., ebd. 1849; deutsch von Brandes, Lpz. 1852-54); Green, The Making of England (Lond. 1882) und The Conquest of England (ebd. 1883); Winkelmann, Geschichte der A. (in Onckens "Allgemeiner Geschichte", Berl. 1883).

Angelsächsische Gesetze, s. Germanische Volksrechte.

Angelsächsische Heptarchie, s. Heptarchie.

Angelsächsische Sprache und Litteratur. Die angelsächs. (von andern altenglisch genannte) Sprache ist ein Zweig des westgerman. Sprachstammes und zwar seines niederdeutschen Teiles. Durch die Verpflanzung der Angelsachsen nach Britannien hat sie sich in vieler Hinsicht ganz eigentümlich entwickelt. Zunächst ist sie dem Altfriesischen und Altsächsischen verwandt. Sie zerfällt in den erhaltenen Denkmälern in vier Hauptdialekte: erstlich einen nordöstlichen, den northumbrischen, einen südwestlichen, der speciell der angelsächsische oder genauer der westsächsische genannt wird; für sich stehen der kentische Dialekt im Südosten und der mercische im Innern des Landes. Northumbrisch und Mercisch bilden die Gruppe der anglischen Dialekte. Der Herkunft der Stämme (Angeln, Sachsen, Jüten) entspricht die Einteilung in Anglisch, sächsisch und Kentisch. Zuerst blühten Kultur und Litteratur im Nordosten von England. Dann trat, als Wessex im 8. und 9. Jahrh. das polit. Übergewicht erlangte, die westsächs. Litteratur und damit die westsächs. Mundart so in den Vordergrund, daß Handschriften vorzugsweise in westsächs. Dialekte erhalten sind. Diese zeigen eine außerordentlich reiche Litteratur, und zwar sind nicht nur zahlreiche poet. Werke überliefert, sondern es ward auch seit dem 9. Jahrh., vor allem durch die Bemühungen Alfreds d. Gr. (s. d.), die Prosa in der Muttersprache fleißig ausgebildet. Besonders zahlreich sind die Erklärungen, die aus der lat. Gelehrtensprache ins Angelsächsische aufgenommen wurden, nur vereinzelt sind kelt. und dän. Wörter eingedrungen. Nach der Eroberung Englands durch die Normannen wurde das Angelsächsische durch das Normanno-Französische von Hof und Gericht verdrängt, doch bediente sich der größere Teil des Volks nach wie vor der alten Sprache, und so entstand durch Eindringen roman. Elemente in das german. Angelsächsische das Englische. Die Zeit des Übergangs, etwa 1100-1150, bezeichnen manche engl. Gelehrte mit Semi-Saxon (Halb sächsisch), deutsche als Neuangelsächsisch. Neuerdings hat man auch angefangen, diesen Abschnitt schon zum Alt- oder Mittelenglisch zu rechnen. Das Studium des Angelsächsischen wurde bereits gegen Ende des 16. Jahrh. aufgenommen durch Erzbischof Parker, vor allen durch Franciscus Junius, der ein etymolog. Wörterbuch der engl. Sprache lieferte (hg. von Lye, Oxf. 1743); das erste angelsächs. Wörterbuch verfaßte Somner (Oxf. und Lond. 1659). An Junius schließen sich die Arbeiten von Thwaites, Hickes, Lye u. a. an, und seitdem fand das Angelsächsische fortwährend Pfleger. Im 19. Jahrh. sind es in England vor allen Thorpe, Kemble, Bosworth, Cockayne, Earle, neuerdings Skeat, Sweet, Napier, in Deutschland J. Grimm, Leo, Ettmüller, Dietrich, Grein, Bouterwek, Wülker, Zupitza, Sievers. In Nordeuropa sind Rask und Bugge und in Nordamerika March, Garnett und Cook zu nennen.

Obgleich nicht nur durch die Verheerungen der Dänen und Normannen, sondern auch durch die Rosenkriege, durch die gewaltsame Aufhebung der Klöster unter Heinrich VIII. und endlich während der ersten engl. Revolution eine große Menge angelsächs. Handschriften zu Grunde gingen, haben sich doch eine Anzahl von Werken aus allen Gebieten der Litteratur erhalten. Die ältesten Belege bilden Glossensammlungen und Inschriften (hg. von Sweet, Oldest English texts, Lond. 1885). In der Geschichte der angelsächs. Dichtung, deren Denkmäler ausnahmslos in Fassungen aus christl. Zeit vorliegen, haben wir eine ältere Dichtung, in der besonders das Epos hervortritt, und eine jüngere zu unterscheiden, die, wenn sie auch ihre Gegenstände meist in epischer Form darstellt, doch viel lyrischer gehalten ist. Aus vorchristl. Zeit stammen eine Anzahl Zaubersprüche, worunter ein Spruch gegen verzaubertes Land, gegen den Hexenstich, gegen ausgeschwärmte Bienen und der Neunkräutersegen hervorzuheben sind als vieles echt Heidnische enthaltend, wenn auch, besonders im ersten, schon Christliches eingedrungen ist. Von eigentlich angelsächs. Sage ist, von Episoden im Liede von "Beowulf" (s. d.) und von kurzen Erwähnungen im Gedichte "Widsith" und "Des Sängers Klage" ("Deors Klage") abgesehen, nichts erhalten. Im "Beowulf" wird die Finnsage behandelt, die, mit der Gudrunsage verwandt, noch auf die Sitze der Angelsachsen auf dem Festlande hindeutet (hiervon berichtet auch das Bruchstück vom Kampfe um Finnsburg), im "Widsith" und im "Beowulf" wird des anglischen Königs Offa gedacht. Von allgemein deutscher Heldensage findet sich die von Waltharius im Bruchstücke von "Waldere", die Siegfriedsage (Sigemund tritt hier an Siegfrieds Stelle) ist im "Beowulf" erwähnt, die Wieland-(Weland-) Sage in "Des Sängers Klage" und auf dem sog. Franks' Casket, die Dietrichsage in "Widsith", "Waldere" und "Des Sängers Klage". Das Hauptheldengedicht der Angelsachsen und des alten Germanentums überhaupt, das Beowulfslied, ist zwar in angelsächs. Sprache erhalten, doch ist sein Held ein Schwede, der Schauplatz Dänemark. - Von ausgesprochen christl. Verfassern sind viele stabreimende Bearbeitungen biblischer und legendenhafter Stoffe überliefert, vor allen die Dichtungen, die sich an die Namen Caedmon (s. d.) und Eynewulf (s. d.) anschließen. Die Bearbeitung der "Exodus" und das Bruchstück von "Judith" deuten in ihrer streng epischen Form entschieden auf ältere Zeit hin, während wir die Dichtungen Cynewulfs und seiner Schule, wie Elene, Juliane und Phönix, die einen weichern, mehr lyrischen Charakter tragen, in etwas spätere Zeit (Mitte bis Ende des 8. Jahrh.) setzen. Bei Cynewulf und seiner Schule tritt auch die Naturschilderung hervor sowie ein elegisches Element, das in der "Botschaft des Gemahls", der "Klage der