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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Angotsche; Angouleme; Angoulême

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Angotsche - Angoulème

der sog. Bittermittel (s. d.). Aus ihr wird der sog. Angosturabitter bereitet.

Angotsche (Angoscha), Fluß und kleine Inseln längs der Küste von Mozambique im portug. östl. Südafrika, 16,5° südl. Br. u. 40" östl. L. v. Greenwich.

Angouleme (spr. -gulähm). 1) Arrondissement im franz. Depart. Charente, hat 1954,65 qkm, (1891) 137 167 E., 36 Gemeinden und zerfällt in die 9 Kantone A. I und A. II mit 342,42 qkm und 25 170 und 39 965 E.), Blanzac (230,54 qkm, 8581 E.), Hiersac (156,57 qkm, 7835 E.), Montbron (236,18 qkm, 11 357 E.), La Rochefoucauld (256,17 qkm, 13 945 E.), Rouillac (230,88 qkm, 11 002 E.), Saint-Amant-de-Boixe (177,05 qkm, 8890 E.), Villebois-la-Valette (324,84 qkm, 10 422 E.). - 2) A., Hauptstadt des Depart. Charente und Arrondissements A., auf einem Plateau am Zusammenfluß des Touvre mit der Charente, an den Linien Paris-Bordeaux der Orléans-Nantes-A. (338 km) und A.-Rouillac (37 km) der Franz. Staatsbahn, hat (1891) 28 515, als Gemeinde 34 690 E., in Garnison das 107. Infanterie-, 21. und 34. Feldartillerieregiment. Die alte, winklig geballte Stadt liegt nördlich, die neue Stadt südlich, während die sechs Vorstädte sich an den statt der Festungswerke mit Terrassen und Promenaden versehenen Abhängen bis in die Ebene erstrecken. Bemerkenswert sind die schöne Kathedrale St. Peter (1101-36 erbaut), die Präfektur (ehemals bischöfl. Palast), das prachtvolle Rathaus, 1858-63 an Stelle des alten Schlosses erbaut, das Theater, das Hospital, das Findelhaus,die ehemalige Marineschule, die Statuen von Margarete von Valois und des Arztes Jean Bouillaud. A. ist Sitz des Bischofs, des Stabes der 23. Infanteriedivision, der 46. Infanterie- und der 12. Feldartilleriebrigade und hat ein Lyceum, zwei theol. Seminare, öffentliche Bibliothek im Justizpalast (16 000 Bände und viele Handschriften), botan. Garten, mehrere wissenschaftliche Gesellschaften und religiöse Brüderschaften; Fabrikation von Papier, Lack und Waffen, Wachsbleichen, Branntweinbrennereien und Handel mit Papier, Getreide, Wein, Branntwein (jährlich 150 000 hl), Hanf, Flachs, Trüffeln, Kastanien, Seife, Salz, Kork, Stabholz, Eisen- und Kupferwaren. In der Nähe Wein- und Safranbau, sowie die Pulvermühle von Therouat mit 17 Werkstätten. 6 km entfernt die 1750 gegründete Geschützgießerei von Ruelle, die jährlich ungefähr 680 Rohre liefert.

A., das alte Inculisma in Aquitanien, später Ecolisma oder Encolisma genannt, ist die ehemalige Hauptstadt der Grafschaft Angoumois (s. d.) und seit 379 Bischofssitz. Chlodwig entriß 507 die Stadt den Westgoten und gründete eine Kathedrale. Schon damals bedeutend, spielte die Stadt auch in den folgenden Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der Kriegsgeschichte; von 1527 bis 1530 hielt sich Calvin in A. auf, und während der Religionskriege nahmen die Protestanten wiederholt die Stadt ein. - Vgl. F. Corlieu, Recueil en forme d'histiorie de la ville et comtes d'Engolesme (Angoulême 1566).

Angoulême (spr. -gulähm), Charles de Valois, Graf von Auvergne, Herzog von, geb. 28. April 1573, ein natürlicher Sohn Karls IX., ward 1589 (Malteser-) Großprior von Frankreich, trat aber aus dem Orden und erhielt 1619 das Herzogtum A. Er gehörte anfangs zu den tapfersten Anhängern Heinrichs IV., ließ sich aber bei der Verschwörung seiner Halbschwester Berneuil in Umtriebe gegen Heinrich ein, wurde 1605 zum Tode verurteilt, aber zu ewigem Gefängnis begnadigt und 1616 in Freiheit gesetzt. Er ging 1620 als Gesandter zu Kaiser Ferdinand II., kommandierte 1628 vor Rochelle, kämpfte mit Auszeichnung in Languedoc, Deutschland und Flandern und starb 24. Sept. 1650. Die "Mémoires du duc d'A. pour servir à l'historie des règnes de Henri III et IV" (1662) mögen vielfach auf seinen Mitteilungen beruhen, ohne daß er sie wirklich verfaßt hätte.

Angoulême (spr. -gulähm), Louis Antoine de Bourbon, Herzog von, ältester Sohn des Grafen Artois, spätern Königs Karl X., und der Marie Therese von Savoyen, geb. 6. Aug. 1775 zu Versailles, wanderte 1789 mit seinem Vater aus und beschäftigte sich in Turin vorzüglich mit artilleristischen Studien. Er trat 1792 in Deutschland kurze Zeit an die Spitze eines Emigrantenkorps und ließ sich hierauf mit seinem Vater zu Edinburgh nieder. Von dort ging er nach Blankenburg im Braunschweigischen, dann nach Mitau, wo er 10. Juni 1799 die Tochter Ludwigs XVI. heiratete, später nach Warschau, 1805 nach Rußland, im Jahre darauf nach England. Als 1814 die Verbündeten Frankreich betraten, erschien A. 2. Febr. im brit.-span. Hauptquartier zu St. Jean de Luz und erließ eine Proklamation an die franz. Armee. Unter engl. Schutze zog er 12. März in Bordeaux ein, wo er im Namen des Königs Abschaffung der Konskription und aller drückenden Abgaben und völlige Religionsfreiheit versprach. Nach dem Einzüge in Paris ward er Generaloberst der Kürassiere und Dragoner und Admiral von Frankreich, im März 1815 zum Generallieutenant des Königreichs ernannt. Nach der Rückkehr Napoleons von Elba erkämpfte er einige geringe Vorteile über die bonapartistischen Truppen, ward aber 6. April bei St. Jacques zurückgedrängt, bei Pont-Saint-Esprit 9. April zur Kapitulation und Entlassung seiner Mannschaft genötigt, während er selbst mit einem Passierschein den Hafen von Cette gewann. Nach der zweiten Restauration der Bourbons wurde A. von Ludwig XVIII. in die südl. Provinzen gesandt, um die religiösen und polit. Bewegungen zu bewältigen. Ein phlegmatischer, gering begabter Charakter, nahm A. an der Politik wenig teil, und soweit er es that, als Werkzeug der Ultraroyalisten und Ultramontanen. 1823 an die Spitze der franz. Armee gestellt, leitete er den Feldzug in Spanien, um die konstitutionelle Partei niederzuwerfen, zog 24. Mai in Madrid ein und erhielt nach der Rückkehr den Titel eines Fürsten von Trocadero. Infolge der Julirevolution unterzeichnete er zugleich mit seinem Vater zu Rambouillet die Abdankungsakte vom 2. Aug. 1830 zu Gunsten seines Neffen, des Herzogs von Bordeaux (Grafen von Chambord; s. d.). Nachdem die Kammern Karl X. und seine Familie des Throns für verlustig erklärt hatten, folgte A. seinem Vater nach Holyrood, 1832 nach Prag, 1836 nach Görz. Als Karl X. starb, ließ sich A. von einem Teile der Legitimisten, die seinen Hofstaat ausmachten, als Ludwig XIX. huldigen. Er starb 3. Juni 1844 in Görz. - Über sein Leben in der Verbannung vgl. die Memoiren des Marquis Villeneuve, Charles X et Louis XIX en exil (Par. 1889).

Seine Gemahlin, Marie Therese Charlotte, Herzogin von A., geb. 19. Dez. 1778 zu Versailles, zeigte früh scharfen Verstand und kräftigen Willen. Nach langer Gefangenschaft in der Revolutionszeit wurde sie 25. Dez. 1795 gegen verschiedene Deputierte u. a., die Dumouriez den Öster-^[folgende Seite]