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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Angoumois; Angra; Angrecum fragrans; Angri; Angriff; Angriffsfront; Angriffsgefecht

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Angoumois - Angriffsgefecht

reichern überliefert hatte, zu Basel ausgewechselt, worauf sie bis zu ihrer Vermählung (1799) in Wien lebte. Sodann folgte sie ihrem Gatten nach Rußland; dann, als Kaiser Paul die Bourbonen auswies, nach England und hielt 4. Mai 1814 mit Ludwig XVIII. den Einzug in Paris. Bei der Rückkehr Napoleons flüchtete sie nach England und ging dann nach Gent. Bei Ausbruch der Julirevolution war sie in einem Bade in Bourgogne; verkleidet kehrte sie über Dijon nach St. Cloud zurück, folgte Karl X. nach England, ging später nach Wien, 1852 nach Prag und 1836 nach Görz. Die letzten Lebensjahre brachte sie mit ihrem Neffen, dem Grafen von Chambord, auf ihrer Herrschaft Frohsdorf bei Wiener-Neustadt zu, wo sie 19. Okt. 1851 starb. Napoleon nannte sie "den einzigen Mann der Familie Bourbon", Ludwig XVIII. "die moderne Antigone". Ihr "Mémoire écrit sur la captivité ect." erschien in neuer Auflage Paris 1892, ihr "Journal (5 Oct 1789 - 2 Sept. 1792) corrigé et annoté par Louis XVIII" zum erstenmal daselbst 1894. - Vgl. Imbert de Saint-Amand, La duchesse d'A. (Par. 1887).

Angoumois (spr. -gumŏá), altfranz. Grafschaft, die Umgebung von Angoulême (s. d.), bildet jetzt einen Teil des Depart. Charente. Nach dem Aussterben des Grafengeschlechts 1218 mit Aymar Taillefer ging die Grafschaft durch die Erbtochter Isabelle an das Haus Lusignan über. Als Hugo XIII. 1303 ohne männliche Erben starb, zog Philipp der Schöne die Grafschaft ein, und seitdem diente sie zur Apanage und Betitelung von Angehörigen des königl. Hauses. So war Jean, der jüngste Sohn Ludwigs von Orléans, Graf von A., dessen Enkel als Franz I. den franz. Thron bestieg. Durch letztern wurde die Grafschaft 1515 zu einem Pairie-Herzogtum erhoben. Den Titel "Herzog von A." führte Franz' I. dritter Sohn, Charles, der zweimal dazu bestimmt war, als Schwiegersohn Karls V. und Herrscher in Mailand den Frieden zwischen der span. und franz. Macht zu befestigen, und als Herzog von Orléans 1545 starb. Auch Karl IX. nannte sich so vor seiner Thronbesteigung. - Vgl. Marvaud, Études historiques sur l'A. (Par. 1836); Vigier de la Pile, Historie de l'A. (1846).

Angra, Hauptstadt der portug. Insel Terceira und des ganzen Archipels der Azoren, an der Südküste zwischen zwei, eine geräumige Hafenbucht einschließenden Landzungen, die mit Kastellen besetzt sind, und von denen namentlich die westliche, Monte-Brazil, stark befestigt ist. A. ist Sitz des Gouverneurs und des Bischofs der Inselgruppe, hat (1886) 14 000 E., zahlreiche Kirchen, Kloster und eine Militärakademie. Sie führt seit 1640 den Zunamen "Sempre legal cidade" seit 1834 den Titel "do heroismo" wegen ihrer standhaften Anhänglichkeit, die sie namentlich 1830-32 im Kampfe gegen Dom Miguel bewies. Auf der Festung von A. saß der 1667 von seinem Bruder Dom Pedro gestürzte König Alfons VI. eine Zeit lang gefangen.

Angra-Peqnena (spr.-kehna), Hafen an der Küste von Deutsch-Südwestafrika (s. d.) unter 26° 27' südl. Br. und 15° östl. L., im Innern sehr geräumig und geschützt liegend, im nördl. Teile 9-13 m, im südlichen 4-6 m tief; für Seeschiffe ist die Einfahrt bei der Seal- und Penguininsel bequem und gefahrlos. Trinkwasser fehlt, der nächste bedeutende Ort Bethanien ist durch eine weite, öde Sandwüste von der Küste getrennt; der Verkehr hat sich seit 1884 derart gemindert, daß die hier ansässigen deutschen Kaufleute 1887 wegzogen. Die Penguininsel, welche der Kapkolonie gehört, lieferte 1884 für 400 000 M. Guano. Der Bremer Kaufmann Lüderitz hatte hier 1883 eine Faktorei und das Fort Vogelsang errichtet und das als Lüderitzland (s. d.) bekannte Gebiet der Nama, das sich später zur Kolonie Deutsch-Südwestafrika erweiterte, käuflich erworben. Am 7. Aug. 1884 wurde hier durch Kapitän Herbig von der Korvette Leipzig zum erstenmal auf afrik. Boden die deutsche Flagge geheißt.

Angrecum fragrans Thon., eine auf Madagaskar einheimische Pflanze aus der Familie der Orchideen (s. d.), deren Cumarin enthaltende Blätter als Thee (Thee von Bourbon, Faham-Thee oder Fam-Thee) benutzt werden.

Angri, Stadt in der ital. Provinz Salerno, südöstlich vom Vesuv, an der Eisenbahnlinie Neapel-Brindisi des Mittelmeernetzes, hat (1881) 7695, als Gemeinde 11 193 E., Baumwoll- und Seidenspinnereien; Straße nach Amalfi. Südlich von A., am antiken Mons Lactarius, etwa beim heutigen Lettere, erlitten (553) die Ostgoten unter Tejas durch Narses eine fast vernichtende Niederlage.

Angriff, s. Angriffsverfahren.

Angriffsfront, die Front einer Festung, die einen Angriff gestattet. Unter den Fronten giebt es in der Regel einige, deren Vorgelände die Ausführung von Belagerungsarbeiten nicht gestattet oder wenigstens in hohem Grade erschwert, so daß ein förmlicher Angriff hier äußerst unwahrscheinlich ist. Die übrigen Fronten nennt man die wahrscheinlichen A. der Festung; sie werden meist schon von Hause aus in Grundriß und Aufriß stärker angeordnet als die übrigen Fronten. Hat der Belagerer den förmlichen Angriff gegen eine Front thatsächlich begonnen,so ist dies nunmehr die wirkliche A., die nun noch nach Möglichkeit verstärkt wird.

Angriffsgefecht, der Angriff auf eine entwickelte, wohl gar vorbereitete und verstärkte Verteidigungsfront. Dieser muß von seinen Anfängen an durch die Führung geplant sein; die Selbstthätigkeit des Einzelnen darf die Entwicklung nicht dem Zufall preisgeben. Die Führung hat hier durch den Verzicht des Feindes auf den Angriff den Vorteil erlangt, die Richtung und Art des Angriffs zu wählen; der planmäßige Aufmarsch geht dem Eintritt in das Gefecht voran. Der geplante Angriff hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn ihm die Herbeiführung der Feuerüberlegenheit gelingt. Zunächst ist die artilleristische Feuerüberlegenheit anzustreben; sie soll den Weg für den Infanterieangriff bahnen. Die Hauptmasse der Artillerie muß ihren Aufmarsch bereits vor dem Eintritt in den Kampf beendet haben; die Entfernung der ersten Feuerstellung vom Feinde hängt von den Absichten der Führung, der Gefechtslage und dem Gelände ab. Erforderlichenfalls muß auf nähere Schußweite (1500-2000 m) herangegangen werden. Sobald der Angriffspunkt der Infanterie bestimmt ist, muß zur Vorbereitung des Angriffs ein überwältigendes Artilleriefeuer möglichst aus umfassenden Stellungen dorthin vereinigt werden, während ein Teil der Batterien den noch kampffähigen Teil der feindlichen Artillerie niederhält. Unter dem Schutze dieses Artilleriefeuers entwickelt sich der Infanterieangriff, wobei geeignete Stützpunkte vor der Angriffsfront im Gelände zunächst zu erobern sind; unter dem Schutz derselben finden die größern Ent-^[folgende]