Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

652

Anluven - Anmut

Anluven, ein Schiff so steuern, daß es näher oder seemännisch gesagt, "höher" an den Wind geht, mithin dieser mehr von vorn kommt.

Anmarsch zum Gefecht, s. Kriegsmarsch.

Anmaßung von Privatrechten, die nicht zustehen, veranlaßt für den dadurch beeinträchtigten Inhaber des angemaßten Rechts oder für den dritten Verletzten eine Klage. Unter einem besondern Gesichtspunkt steht der unbefugte Gebrauch der Bezeichnungen von Personen, ihrer gewerblichen Beziehungen oder Zeichen, von Würden, Titeln, obrigkeitlichen Funktionen u. s. w. Wer unbefugt eine Uniform, eine Amtskleidung, ein Amtszeichen, einen Orden oder ein Ehrenzeichen trägt, Titel, Würden oder Adelsprädikate annimmt, die Abbildung des kaiserl. Wappens oder von Wappen eines Bundesfürsten oder von Landeswappen gebraucht, ebenso wer sich eines ihm nicht zukommenden Namens einem zuständigen Beamten gegenüber bedient, macht sich einer Übertretung schuldig (§. 360 des Reichsstrafgesetzbuchs), wer sich des für einen Gewerbtreibenden eingetragenen Warenzeichens oder Gebrauchsmusters oder der Firma eines inländischen Produzenten oder Handeltreibenden widerrechtlich zur Bezeichnung seiner Waren bedient, macht sich schadenersatzpflichtig und wird nach den Gesetzen vom 30. Nov. 1874, 1. Juni 1891 und 12. Mai 1894, wer sich unbefugt als Arzt bezeichnet nach der Gewerbeordnung bestraft. Über die unbefugte Ausübung eines öffentlichen Amtes s. Amtsanmaßung. Die unbefugte Führung einer kaufmännischen Firma verpflichtet zum Schadenersatz und begründet für den Benachteiligten eine Klage auf Unterlassung.

Anmeldescheine, Bescheinigungen, welche die Polizeibehörden den am betreffenden Orte vorübergehend sich aufhaltenden Fremden zum Nachweise der gehörig erfolgten polizeilichen Anmeldung ausstellen. Sie sind in Deutschland seit der Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reichs über das Paßwesen und die Freizügigkeit an Stelle der früher üblichen Aufenthaltskarten, welche das Gesetz über das Paßwesen vom 12. Okt. 1867 ausdrücklich aufhebt, eingeführt worden. Die landesgesetzliche Verpflichtung, sich an dem Aufenthaltsorte bei der Polizei anzumelden, ist hierdurch aber, wie §. 10 des Gesetzes über die Freizügigkeit vom 1. Nov. 1867 ausdrücklich bestimmt, nicht aufgehoben, und zum Nachweise über die gehörig erfolgte Erfüllung dieser Pflicht sollen eben die A. dienen. Die unterlassene Meldung soll jedoch nur mit einer Polizeistrafe, nie mit dem Verlust des Aufenthaltsrechts geahndet werden. Die A. werden (und hierdurch unterscheiden sie sich wesentlich von den Aufenthaltskarten) in der Regel ohne Beschränkung auf eine bestimmte Zeit ausgestellt; nur in den Fällen, wo den Erfordernissen in §. 3 des Gesetzes über das Paßwesen und den Bestimmungen in §. 2 und 3 des Gesetzes über die Freizügigkeit noch nicht oder noch nicht genügend entsprochen worden ist, d. h. wo sich der Fremde über seine Person, seine Reichsangehörigkeit und seine Führung noch nicht oder noch nicht hinreichend ausgewiesen hat, kann der Kontrolle wegen eine Beschränkung des Anmeldescheins auf eine bestimmte Frist, innerhalb welcher die bezüglichen Nachweise beizubringen sind, gesetzt werden. In manchen größern Städten stellt man auch jetzt noch die A., um eine Kontrolle über die Fremden zu haben, durchweg nur auf eine bestimmte Zeit aus, nach deren Ablauf der Schein zur Erneuerung wieder vorgelegt werden muß; man beruft sich hierbei auf §. 10 des Reichsgesetzes über das Paßwesen, wonach die Bestimmungen über die Kontrolle der Fremden durch das erwähnte Gesetz nicht alteriert werden. (S. Freizügigkeit, Paß.)

Anmeldestellen, Amtsstellen, welche mit der Anschreibung der über die Grenzen des deutschen Zollgebietes ein-, aus- und durchgeführten Waren beauftragt sind; sie haben nach dem Gesetz vom 20. Juli 1879 die Statistik des Warenverkehrs des deutschen Zollgebietes mit dem Auslande aufzunehmen, wobei insbesondere Gattung, Menge, Herkunfts- und Bestimmungsland in Betracht kommt. Die Anmeldung erfolgt durch den Warenführer mittels Übergabe eines Anmeldescheins an die A. Gewöhnlich bilden die Zollämter im Grenzbezirk die A.; in Ermangelung dieser sind auch die Gemeindebehörden zur Übernahme der Geschäfte der A. verpflichtet. Ausnahmsweise können auch andere Zoll- und Steuerämter zu A. bestellt werden. (S. Ansageverfahren.)

Anmeldeverfahren, s. Patent.

Anmeldung von Ansprüchen ist überall zur Bewahrung oder doch zur Berücksichtigung aus einer Masse erforderlich, wo öffentliche Aufgebote erfolgen, z. B. von Fundsachen, von als verloren aufgebotenen Inhaberpapieren, von Erbschaften, zu denen die nächsten Erben nicht bekannt sind, im Konkurse (s. Prüfungsverfahren), im Subhastationsverfahren.In andern Fällen bedarf es der A. um gewerbliche Rechte zu erwerben, so ein Erfinderpatent (s. Patent), das Recht auf ausschließliche Führung eines Warenzeichens oder Gebrauchsmusters, oder die A. ist im allgemeinen Interesse angeordnet (s. Anzeige). - A. auf dem Gebiet der socialpolit. Gesetze s. Anzeige.

Anmusterung, die Verlautbarung des mit dem Schiffsmann geschlossenen Dienstvertrags (Heuervertrags) vor einem Seemannsamt. Sie setzt den Abschluß des Heuervertrags voraus und stellt eine staatliche Bekräftigung desselben dar. Der Schiffer hat die Pflicht, die A. zu veranlassen; der Schiffsmann ist verpflichtet, sich zu derselben zu stellen. Das Seemannsamt fertigt über die A. der Schiffsmannschaft die sog. Musterrolle (s. d.) aus und trägt außerdem über die A. einen Vermerk in das Seefahrtsbuch eines jeden Schiffsmanns ein. (Deutsche Seemannsordnung vom 27. Dez. 1872, §§. 10 - 23.) S. auch Abmusterung.

Anmut, Grazie, Charis, die Schönheit in der Bewegung, worauf vorzüglich Schiller hingewiesen hat ("Über A. und Würde"). Sieht man ganz davon ab, wie sich das Seelenleben des Menschen äußerlich kundgiebt, so bleibt die rein äußerliche Gestalt übrig; diese bloß äußere Schönheit nennt Schiller "architektonische Schönheit". Auch in ihr offenbart sich der Geist, aber nicht der individuelle, sondern die menschliche Intelligenz überhaupt. Der individuelle Geist eines Menschen, seine Gefühle, sein Wollen und Denken giebt sich auch äußerlich in Mienen und Gebärden, überhaupt in seinen Bewegungen kund, und deren Schönheit ist A. Sie ist aber nicht bloß Schönheit wirklicher Bewegungen, denn häufige Bewegungen derselben Art (Mienen, Gebärden) lassen äußere Eindrücke zurück, die als ruhender anmutiger Ausdruck erscheinen. Auch sind nur die willkürlichen Bewegungen des Menschen der A. fähig, nicht die notwendigen, wie z. B. das Atemholen. Aber auch die willkürlichen Bewegungen werden erst anmutig, nachdem sie unwillkürliche geworden sind, denn erst dann ist volle Übereinstimmung