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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Anteros - Anthocyan

mern eines maur. Kastells, hat (1887) 26 824 E., eine schöne got. Kirche der Jungfrau in dem Kastell, 6 Pfarrkirchen, 7 Nonnen- und 11 ehemalige Mönchsklöster, stattliche Häuser, von denen die ältern (in der obern Stadt) meist mit Wappenschildern verziert sind, Fabrikation von durch Feinheit und Farbe ausgezeichneten Wollstoffen und Seife, viele Gerbereien, Seidenwebereien und etwas Handel mit Südfrüchten, Öl und Orseille. Die Bevölkerung von A. besteht großenteils aus Hidalgos (s. d.), unter denen noch in neuerer Zeit die Blutrache Sitte war. Das Guadalhorcethal ist hier von einer prächtigen Bega (Thalflur) eingenommen und mit Caserios (Meierhöfen) besät. In der Umgegend werden gute Bausteine, namentlich bunter Marmor, gebrochen. A. wurde 712 von den Arabern besetzt und denselben 1410 von dem Infanten Ferdinand, späterm Könige von Aragonien, wieder entrissen. Das Gebiet der Stadt, das auf 450 qkm das obere Guadalhorcethal umfaßt, war seit jenen Zeiten von der übrigen Provinz getrennt und genoß manche Vorrechte.

Anteros, in der spätern griech. Mythologie der Gott der Gegenliebe, während Eros (lat. Amor) der Gott der Liebe ist. In einem Relief im Gymnasium zu Elis sah man Eros und A. als Knaben dargestellt, die um einen Palmzweig streiten. Ähnliche Reliefs in den Museen zu Neapel, Rom u. s. w.

Anterus, röm. Bischof, 21. Nov. 235 bis 3. Jan. 236. Das Buch der Päpste schreibt ihm die erste Einrichtung der Märtyrerakten zu.

Antesini, Fischgattung, s. Alse.

Anteversion (lat.), in der Gynäkologie diejenige Lageveränderung der Gebärmutter, wobei die letztere mit ihrem Grund nach vorwärts geneigt ist (s. Gebärmutterkrankheiten).

Anthelmintische Mittel (Anthelmintica, Wurmmittel), s. Wurmkrankheiten.

Anthem, in der engl. Kirchenmusik der Ausdruck für kunstvolle Motetten oder Kantaten. Wie die engl. Liturgie weit mehr als die deutsch-evangelische auf der Psalmodie ruht, so ist auch das A. gewöhnlich über Psalmentexte komponiert. Unter einer großen Zahl noch jetzt allbekannter Stücke dieser Art vom 16. bis 18. Jahrh. sind die berühmtesten von Tallis, Bird, Purcell, Croft und Händel.

Anthemion (grch.), ein meist mit aufrecht stehenden Blattornamenten verziertes Band, wie es namentlich am Hals der ion. Säule vorkommt und als beliebtes Dekorationsmotiv auch bei andern Stilen als friesartiger Wandabschluß verwendet wird.

Anthemis L., Hundskamille, Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit gegen 80 Arten in der nördlich gemäßigten Zone der Alten Welt, meist stark riechende, hohe Gewächse mit lebhaft gefärbten großen Blütenköpfchen, deren Blütenboden nicht hohl (wie bei der echten Kamille) ist. Die bekannteste in Deutschland einheimische Art ist die Ackerkamille, A. arvensis L., ein überaus häufiges und lästiges Unkraut, welches allenthalben auf bebautem und sandigem Boden, auf Schutt, an Wegen, Dämmen, Gräben u. s. w. wächst, niedergestreckte und aufsteigende, ästige Stengel, mehrfach fiederschnittige Blätter und ziemlich große Blütenkörbchen mit gelber Scheibe und flach ausgebreitetem, weißem Strahl besitzt. Ferner ist zu erwähnen A. nobilis L., die römische Kamille, eine südeuropäische, in Sachsen, Thüringen und anderwärts als Arznei- und Ziergewächs mit gefüllten Blütenkörbchen gebaute Art, die einen ästigen, reich beblätterten Stengel, fein zerteilte, kahle Blätter und lang gestielte endständige Blütenkörbchen mit weißem Strahl und gelber Scheibe besitzt. Ihre angenehm aromatisch duftenden Blüten waren als Flores Chamomillae Romanae offizinell und werden, ähnlich wie die der Feldkamille, zu Thee, trocknen Umschlägen gegen Kolik, Verdauungsbeschwerden und als entzündungswidriges Mittel benutzt. Als Färbepflanze wurde früher vielfach benutzt: die Färberkamille, A. tinctoria L., eine an felsigen Orten in sonniger Lage häufig wild wachsende Pflanze mit ansehnlichen Blütenkörbchen und goldgelben Strahl- und Scheibenblüten. Letztere enthalten einen gelben Farbstoff, weshalb die Pflanze hier und da auch kultiviert wird. Desgleichen findet man sie als Ziergewächs in Gärten. Verschiedene südeurop. und asiat. Arten werden hier und da als Zierpflanzen im freien Lande kultiviert.

Anthemol, der über 220° siedende Teil des röm. Kamillenöls (ätherisches Öl von Anthemis nobilis L.), besteht aus den Anthemolestern der Angelika- und Tiglinsäure, aus welchen A. durch Verseifung als ein dickes kampferartig riechendes Öl von 214° Siedepunkt und der Formel C10H10O ^[C<sub>10</sub>H<sub>10</sub>O] gewonnen wird.

Anthere (grch.), s. Staubgefäße.

Anthericum L., Zaunlilie, Graslilie, Pflanzengattung aus der Familie der Liliaceen (s.d.) mit gegen 50 Arten in Europa, Afrika und Nordamerika; perennierende krautartige Gewächse mit grundständigen linealen Blättern und meist lebhaft gefärbten regelmäßigen Blüten. In Deutschland wachsen zwei Arten auf trocknem, namentlich kalkhaltigem Boden unter Gebüsch: A. Liliago L. mit einfachem, und A. ramosum L. mit ästigem Stengel. Beide Arten waren früher offizinell und werden jetzt häufig als Zierpflanzen im Garten kultiviert. Die meisten Arten wachsen am Kap der Guten Hoffnung, und unter diesen giebt es schön blühende (z. B. fragrans und floribundum), die zu Zierpflanzen der Gewächshäuser geworden sind.

Antheridien (grch.), in der Botanik im allgemeinen die männlichen Organe bei den Kryptogamen, die eine geschlechtliche Fortpflanzung besitzen, also bei sämtlichen Gefäßkryptogamen sowie Moosen, vielen Pilzen und Algen. Im Antheridium werden die männlichen Geschlechtszellen, Spermatozoiden (s. d.), gebildet, die bei der Reife ausschwärmen oder mechanisch vom Wasser fortgeführt werden und so zu den weiblichen Geschlechtszellen, den Eizellen (s. d.), gelangen. Die A. sind bei den verschiedenen Gruppen der Kryptogamen sehr verschieden ausgebildet.

Anthesteria (grch.), das altgriech. Blumen- oder Frühlingsfest: Anthesterion, der Blütenmonat, der erste Monat im attischen Jahre (vom 7. Febr. bis 8. März), s. Dionysos.

Anthennis (spr. -tönes), Gentil Theodoor, vläm. Dichter, geb. 9. Sept. 1840 zu Oudenaarde, war anfangs Lehrer zu Oudenaarde und Dendermonde und ist seit 1860 Richter. Er lebt jetzt in Brüssel. A. ist einer der vorzüglichsten lyrischen Dichter in Flandern. Seine Gedichte zeichnen sich durch Innigkeit und Wohlklang aus; viele sind in Musik gesetzt und populär geworden. Die beliebtesten Lieder sind: "Leutelied", Ih ken een lied", "Vergeefs", Getrouwe liefde". Sammlungen seiner Gedichte erschienen u. d. T.: "Uit het hart" (Leid. 1875) und "Leven, lieven, ziugen" (Haag 1879).

Anthoceroteen, Familie der Lebermoose (s. d.).

Anthocyan, s. Blumenblau.