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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Anti... - Antichlor

Anti... (vor Vokalen Ant...), griech. Präposition, d. h. gegen..., häufig in Zusammensetzungen, und zwar teils geogr. Namen, welche einen gegenüber oder entgegengesetzt liegenden Punkt bezeichnen, z. B. Antiparos, gegenüberliegend der Insel Paros, Libanon und Antilibanon, Taurus und Antitaurus, Arktisch und Antarktisch u. s. w.; teils in der Medizin Benennungen von Arzneien, welche einer Krankheit entgegenwirken, z. B. Antemetika, Ant(i)epileptika, Antihydropika, Antipharmaka, d. i. Mittel, welche gegen Brechreize, gegen Epilepsie, gegen Wassersucht, gegen Gifte wirksam sind; teils auf dem Gebiete der Kirche, der Philosophie und der Politik Bezeichnungen der entgegengesetzten Meinung, des Gegners oder der Gegenpartei, z. B. Antikritik, Antichrist, Antimachiavell, Antitrinitarier, Antinomisten, Antibaptisten, Antimonarchisten, Antisemiten u. s. w.; teils in der Grammatik, Metrik und Rhetorik Namen von Formen, welche im umgekehrten Verhältnisse zu einer andern stehen, z. B. Antiptosis, Antibacchius, Antispastus, Antilepsis, Antiklimax u. s. w.

In lat. (roman.) Wörtern entspricht Anti... dem Deutschen «Vor»..., z. B. Antichambre (Vorzimmer), Anticipation (Vorausnahme) u. s. w.

Anti, Volksstamm, s. Amerikanische Rasse (S. 526 b).

Antiadiaphoristen (grch.), die Theologen, die gegen die Adiaphora (s. d.) auftraten.

Antiapex, der dem Apex (s. d.) an der Himmelskugel gerade gegenüberliegende Punkt.

Antiarīn, der wirksame Bestandteil des ostind. Pfeilgiftes, des eingetrockneten Milchsaftes von Antiaris toxicaria Leschen., krystallisiert in Blättchen, die sich sehr schwer in Äther, schwer in Wasser und etwas leichter in Weingeist lösen. Seine Zusammensetzung entspricht der Formel C14H20O5 ^[C<sub>14</sub>H<sub>20</sub>O<sub>5</sub>] + H2O ^[H<sub>2</sub>O].

Antiăris Leschen., Pflanzengattung aus der Familie der Urticaceen (s. d.). Die wenigen Arten, alle in Ostindien und dem Malaiischen Archipel, haben einfache Blätter, kleine, dicht zusammengedrängte, von einer becherförmigen Hülle umgebene Blüten und eine saftige Scheinfrucht. Alle sind giftig, besonders A. toxicaria Leschen., der berühmte Giftbaum von Java, von dem lange Zeit behauptet wurde, daß er durch seine Ausdünstung die Luft weit und breit um sich her vergifte und Menschen und Tiere töte, die sich ihm nahten. Das als Pohon-Upas bekannte Gift dieses Baumes ist in dessen Milchsaft enthalten. (S. Upas.). A. Benettii Seem. auf den Fidschi-Inseln enthält in ihren Früchten eine prachtvolle karmesinrote Farbe und in der Rinde Bastfasern, die zu Zeugen verarbeitet werden. Aus dem Baste von A. saccadora Lindl. und A. zeylonica Seem. werden in Ostindien und auf Ceylon Säcke verfertigt.

Antibacchīus (grch.) oder Palimbacchius, d. h. der umgedrehte Bacchius (s. d.), Versfuß der Form ^[img], z. B. weitschauend.

Antibakterĭon, s. Geheimmittel.

Antibarbărus (grch., «Gegner des Barbarischen»), Titel von Büchern, die zur Vermeidung von Barbarismen anleiten; besonders Krebs, «A. der lat. Sprache» (6. Aufl. von Schmalz, Frankf. 1886-88).

Antibes (spr. angtihb), befestigte See- und Kantonsstadt im Arrondissement Grasse des franz. Depart. Alpes Maritimes, östlich an der Landzunge Garoupe, die den Golf Ionan im W. von dem östl. Golf von A. trennt und zwei Leuchttürme trägt, und an der Linie Paris-Lyon-Marseille-Nizza der Franz. Mittelmeerbahn, hat (1891) 4926, als Gemeinde 7401 E. In Garnison das 112. Infanterieregiment. Die benachbarten Höhen bieten eine herrliche Aussicht auf den Hafen, den Golf, auf Nizza und die Alpen dar. A. ist Waffenplatz zweiter Klasse mit Navigationsschule. Der Hafen, durch das nach Vaubans Plan gebaute Fort Carré gedeckt und einen 472 m langen Damm geschützt und nur für kleinere Seeschiffe brauchbar, ist der gewöhnliche Einschiffungsplatz nach Corsica. Die Umgegend, mit Obstgärten, Weinbergen und Ölbäumen bedeckt, liefert Feigen, ausgezeichneten Tabak und versorgt die zahlreichen Parfümeriefabriken der Stadt mit Orangen, Jasmin, Rosen, Tuberosen u. s. w. Der Anbau der Südfrüchte, Sardellen- und Thunfischfang, Küstenhandel und die Ausfuhr von gesalzenen Fischen, Wein, Öl, Parfümerien, Orangen, Citronat und getrockneten Früchten bilden die Haupterwerbszweige der Bevölkerung. Ursprünglich war A., welches im Munde des Volks noch Antiboule heißt, eine griech. Kolonie von Massilia (Marseille) Namens Antipolis und blühte, seit es unter Augustus römisch geworden war, als röm. Municipium durch Fischerei und Handel mit Thun- und Salzfischen. Noch finden sich aus der röm. Zeit Überreste eines Theaters, eines Aquädukts und viele andere Altertümer. Die Parochialkirche ist an der Stelle eines Dianatempels auf einer den Hafen beherrschenden Felsenhöhe erbaut und trägt auf einigen ihrer Steine noch alte Inschriften. Zu Ende des 9. Jahrh. wurde A. von den Saracenen gänzlich zerstört; es erhob sich im 10. Jahrh. wieder und kam als Grafschaft an die Grafen der Provence. Das seit dem 4. Jahrh. hier bestehende Bistum wurde 1245 durch Innocenz IV. nach Grasse verlegt. Befestigt wurde die Stadt im 16. Jahrh. von Franz I. und Heinrich IV. Im Österreichischen Erbfolgekriege hielt sie (1746-47) eine 29tägige Beschießung durch die Verbündeten unter Browne aus, bis sie vom Marschall Belleisle entsetzt wurde. Bei A. landete Napoleon auf der Rückkehr von Elba. Im Sept. 1815 leistete die Stadt den Verbündeten tapfern Widerstand, an den die auf dem Nationalplatze stehende Säule (jetzt Brunnen) erinnern soll. Die Legion von A. hieß das während der franz. Occupation Roms von Pius IX. unterhaltene Fremdenbataillon, welches meist aus Franzosen bestand und zu A. gebildet wurde.

Antiburghers (spr. änntibör-), s. Seceders.

Anticaglien (spr. -kalljen; ital. anticaglie, vom lat. antiquus, alt), alle Arten griech. und röm. Altertümer geringen Umfangs, wie Waffen, Schmuck, Hausgeräte u. s. w., dann auch Altertümer deutschen, slaw. und andern Ursprungs.

Antichambre (frz., spr. angtischangbr), Vorzimmer in den Häusern vornehmer Personen, bildete einen der Haupträume der Schlösser des 17. und 18. Jahrh., in welchem die zur Audienz Befohlenen sich bis zur Vorlassung aufhielten. Dieser Raum war glänzend ausgestattet (s. Enfilade). Jetzt bezeichnet man die Vorzimmer niederer Art mit dem Namen A., in welchen die Besucher ihre Kleider ablegen, die Dienerschaft wartet u.dgl. - Antichambrieren, im Vorzimmer auf Eintritt warten, oft mit dem Nebenbegriff der Kriecherei.

Antichlōr heißt jede Substanz, die im stande ist, die letzten Spuren von Chlor, die bei irgend einem Chlorbleichprozeß in dem gebleichten Stoff (Gespinst, Gewebe, Papier, Holzstoff) verblieben sind,