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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Antium; Antivari; Antlaßtag; Antlitz; Antodontalgika; Antoeci; Antofagasta; Antogast; Antoine

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Antium - Antoine

bis 1550 hin und wieder in Oberdeutschland sein Wesen trieb; Bartolomeo Maturo, Prior eines Dominikanerklosters zu Cremona, dann Prediger im Veltlin; Agostino Mainardo von Saluzzo, Augustinermönch und Doktor der Theologie, seit 1539 Prediger in Chiavenna; Francesco Stancaro aus Mantua, der lehrte, Christus sei nur seiner menschlichen Natur nach unser Mittler; Giorgio Blandrata (s. d.); Matteo Gribaldo aus Piemont (gest. 1564); Paolo Alciati (gest. um 1565 in Danzig); Valentino Gentile (1566 in Bern enthauptet). Erst durch die Lehre der Sozzini (s. Socinianer) erhielt die antitrinitarische Richtung ihren dogmatischen Rückhalt, später in England ihre volle Ausbildung. In der Schweiz und in Deutschland grausam verfolgt, fanden die A. in Polen und Siebenbürgen Unterkunft und bildeten hier zum Teil heute noch blühende Kirchengemeinschaften. - Vgl. Trechsel, Die protestantischen A. vor F. Socin (2 Bde., Heidelb. 1839-44); R. Wallace, Antitrinitarian Biography (Lond. 1850); Bonet-Maury, Origines du Christianisme unitaire (Par. 1881).

Antium, im Altertum Stadt in Italien, gegen 70 km südlich von Rom, an der Küste des Tyrrhenischen Meers auf einer felsigen Landspitze gelegen. Nach der Sage von einem Sohne des Odysseus, den ihm Kirke geboren, gegründet, wurde A. frühe, wie es scheint, von tyrrhen. Seeräubern bewohnt. Als volskische Hauptstadt soll A. 468 v. Chr. von den Römern eingenommen und kolonisiert worden sein. Es fiel aber bald wieder ab, und so wurde es nach dem letzten Kriege der Volsker und der Latiner gegen Rom 338 v. Chr. von neuem mit röm. Kolonisten bevölkert. Später hob sich die Stadt immer mehr, bis mit Ausgang der Republik die Zeit ihrer Blüte begann. Sie besaß berühmte Tempel des Äskulap und der Fortuna mit einem angesehenen Orakel. Die Umgegend war mit Villen röm. Großen bedeckt, die sich längs der Küste bis nach Campanien hinzogen; auch Cicero hatte daselbst eine Besitzung. Claudius und Nero wurden in A. geboren. Letzterer erbaute die großartigen Hafendämme, deren Reste noch jetzt sichtbar sind. Mit dem Untergange des Weströmischen Reichs verfiel auch der Hafenplatz, der durch die Raubzüge der Sarazenen im 9. und 10. Jahrh. ganz verödete. (S. Anzio.)

Antivari oder Bar, Stadt im Fürstentume Montenegro, 5 km von der Küste des Adriatischen Meers, hat eine im Verfall begriffene Citadelle, die dicht neben der Stadt auf einem vorspringenden Felsen sich erhebt, und ist Sitz eines kath. Erzbischofs. Die ehemals bedeutende Handelsstadt hat sich von der zerstörenden Belagerung von 1877 noch nicht erholt und zählt etwa 1500 E. Der Hafen ist für größere Fahrzeuge nicht tief genug, doch sicher. A. war im Mittelalter venetianisch, von 1573-1877 türkisch. Im Juli 1859 war A. Sammelplatz der gegen Österreich bestimmten franz. Kriegsflotte. Am 28. Dez. 1877 wurde es von den Montenegrinern erobert und im Berliner Kongreß, 13. Juli 1878, diesen zugesprochen.

Antlaßtag, Gründonnerstag (s. d.).

Antlitz, s. Gesicht.

Antoeci (grch.), s. Antipoden.

Antodontalgika (grch.), Mittel gegen Zahnschmerz.

Antofagasta. 1) Provinz der Republik Chile (seit 1883, früher der Republik Bolivia), grenzt im W. an das Stille Meer, im N. an den Rio Loa und die Provinz Iquique, im O. an Bolivia und die Argentinische Republik, im S. an den argentin. Staat Catamarca und die chilen. Provinz Atacama. In diesen Grenzen umfaßt A. einen großen Teil der Atacama (s. d.) mit zahlreichen Vulkanen (meist über 6000 m hoch) und einer Reihe von Salzsümpfen (Salares) auf der Hochebene zwischen den Andenketten. Die Provinz hat 187 000 qkm und (1892) 35 851 E., d. i. 0,2 auf 1 qkm. Die Bevölkerungsdichtigkeit wird sich bei zunehmender Ausbeutung der Borax- und Salpeterlager, sowie der Silberminen von Caracoles (s. d.) rasch heben. Das Grasland ist sehr spärlich und die Wasserplätze liegen sehr weit voneinander entfernt. Im Innern wird Vicunawolle gewonnen. Die Häfen Cobija (s. d.), Mejillones (s. d.) sind außer der Hauptstadt A. die wichtigsten. Im Innern liegt in 2980 m Höhe auf der Anden-Hochebene San Pedro de Atacama mit etwa 2500 E. - 2) A., eine nach 1870 gegründete Hafenstadt des vormaligen Küstendepartamento Atacama in Bolivia, 23° 40' südl. Br. und seit 1884 Hauptstadt der chilen. Provinz A., an der Morenabai, hat (1893) etwa 14 000 E.; deutsches Konsulat. Von A. führt ostwärts eine Eisenbahn über Salar del Carmen, Las Salinas (100 km von A., mit umfangreichen Salpetergruben und Hüttenwerken) und Calama nach dem an der bolivian. Grenze gelegenen Ascotan (3943 m). Die Salpeterlager wurden durch Chilenen ausgebeutet, die 1866 und 1874 von der bolivian. Regierung durch Verträge dazu ermächtigt wurden. Die Zurücknahme dieser Verträge seitens der bolivian. Regierung 1. Febr. 1879 veranlaßte die Besetzung A.s durch chilen. Truppen am 14. Febr., womit der Krieg Chiles gegen Bolivia und Peru eröffnet wurde. Im Distrikte Caracoles befinden sich 1870 entdeckte, reiche Silbergruben. In Ascotan liegen reiche Borkalklager; von dort ist die Bahn bis Huanchaca (s. d.) in Bolivia verlängert worden. Über den Rio Loa führt eine Brücke (800 m lang und 107 m hoch). Durch den schon recht ansehnlichen Seeverkehr im Hafen von A. haben die nördlicher gelegenen Seehäfen Mejillones und Cobija an Bedeutung sehr verloren. Die Ausfuhr betrug (1893) 20,3 Mill. Pesos, davon 17 Mill. aus Bolivia, die Einfuhr 2,3 Mill. Pesos. Im Hafen verkehrten 107 Segler und 475 Dampfer, meist engl. Flagge.

Antogast, Badeort im Bezirksamt Oberkirch des bad. Kreises Offenburg, in 524 m Höhe, am südl. Abhange des Kniebis (s. d.), im Maisachthale, 12 km südöstlich von Oberkirch, hat 40 E. und zwei Quellen (eine Trink- und eine Badequelle), die besonders kohlensaure Kalkerde, kohlensaure Magnesia, kohlensaures und schwefelsaures Natrium enthalten, in der Mitte zwischen den erdig-salinischen und erdig-alkalischen Eisensäuerlingen stehen und gegen Blutarmut, nervöse Zustände und Hämorrhoidalbeschwerden angewendet werden; seit 1865 besteht auch ein Kurhaus mit Trinkhalle.

Antoine (spr. angtoán), Jules Dominique, Hauptvertreter des lothring. Protestlertums, geb. 26. Jan. 1845 zu Metz, praktizierte als Tierarzt bis zum März 1870 in Sierck (Kreis Diedenhofen), von da ab in Metz, machte den Deutsch-Französischen Krieg als Lieutenant der Mobilgarde mit und kehrte nach dem Kriege nach Metz zurück. A. wurde bald in den Gemeinderat der Stadt Metz, außerdem in den lothring. Bezirkstag und in den Landesausschuß gewählt, überall im extrem-protestlerischen Sinne wirkend. Im Dez. 1882 wurde A. für den Wahlkreis Metz in den Deutschen Reichstag gewählt, wohnte