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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Apathie; Apatin; Apatit; Apatschen; Apaturien; Apel; Apeldoorn; Apelles

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Apathie - Apelles

Apathie (grch.), Mangel an Lebendigkeit sowohl des Gefühls, insbesondere der Affekte und Leidenschaften, als auch der körperlichen Bewegungen eines Individuums, daher Trägheit, Phlegma. Die A. kann ein kurzdauernder Zustand sein, eine vorübergehende Unempfänglichkeit für Eindrücke gewisser Art, z. B. sinnliche Reize, in diesem Falle heißt sie besser Anästhesie (s. d.); sie ist aber auch oft in der natürlichen Disposition eines Menschen, in dem ursprünglich geringen Grad von Empfänglichkeit oder Reizbarkeit überhaupt begründet und kann der Vorläufer der Melancholie (s. d.) sein. Wo Geistesstärke damit verbunden ist, hat dies Kant das "glückliche Phlegma" genannt, insofern der Mensch, bei dem es vorhanden, Übereilungen minder ausgesetzt ist und sich einer gewissen Freiheit von Affekten und Leidenschaften erfreut. Deshalb sahen die Stoiker die A., d. h. die affektlose Ruhe und Unempfindlichkeit gegen alles, was nicht entweder böse oder gut ist, als das Ziel und die charakteristische Eigenschaft des Weisen an.

Apatin, Groß-Gemeinde im ungar. Komitat Bacs, links von der Donau, ist Sitz eines Bezirksgerichts, Dampferstation und hat (1890) 13 282 meist deutsche E. (1200 Magyaren), Post, Telegraph; Seidenspinnerei und -Färberei, Fabrikation von Körben, Hanf- und Seilerwaren, bedeutende Schiffahrt mit gedeckten Getreideschiffen, Ackerbau, namentlich Flachs- und Hanfkultur. Der Apatiner Hanf wird zu den Schiffstauen der meisten Kriegsflotten verwendet. Ein Erdwall, die "Römerschanze" (4 m hoch, 6 m breit), zieht sich bis an die Theiß.

Apatit, ein Mineral, das gewöhnlich in kurzen hexagonalen Prismen, oben durch die Gradendfläche (s. beistehende Abbildung) oder durch Pyramiden (mit pyramidaler Hemiedrie) begrenzt, krystallisiert, aber auch derb, in eingewachsenen rundlichen Körnern sowie in faserigen und dichten Massen (Phosphorit) vorkommt. Der A. erreicht noch nicht die Härte des Feldspats, hat das spec. Gewicht 3,2, ist farblos, oft aber grün (Spargelstein), blau, violett, rot, grau, doch meist licht gefärbt, glasglänzend und durchsichtig bis durchscheinend. Seiner chem. Zusammensetzung nach besteht er wesentlich aus phosphorsaurem Kalk mit etwas Chlorcalcium oder Fluorcalcium. Viele Varietäten leuchten beim Erhitzen mit farbigem Licht. Schöne Krystalle dieses Minerals findet man zu Ehrenfriedersdorf in Sachsen, Schlaggenwald in Böhmen auf Zinnerzlagerstätten, am St. Gotthard und im Tiroler Floitenthal auf Klüften krystallinischer Schiefer, zu Arendal in Norwegen, Hammond in Neuyork, in Canada (mehrere Centner schwere Stücke), eingewachsen in körnigen Kalken. Als unwesentlicher Gemengteil ist er mikroskopisch in den meisten massigen Felsgesteinen vorhanden. Der erdige und dichte Phosphorit, der neuerdings in Nassau in ungeheuren Mengen gewonnen wird, wird zur Veredelung des Ackerbodens benutzt und weithin ausgeführt; kleinere Ablagerungen davon finden sich u. a. zu Amberg in Franken und zu Logrosan in der span. Provinz Caceres.

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Apatschen, s. Apachen.

Apaturien, Name eines altgriech., wesentlich den ion. Stämmen eigenen Festes, das namentlich in Athen im Monat Pyanopsion (November) von den Phratrien (s. d.) zu Ehren des Zeus Phratrios, der Athena und des Hephaistos gefeiert wurde.

Apel, Joh. Aug., Dichter und Metriker, geb. 17. Sept. 1771 zu Leipzig, studierte hier und zu Wittenberg die Rechte, Naturwissenschaften und Philosophie, wurde 1801 Ratsherr in Leipzig und starb daselbst 9. Aug. 1816. Er lieferte u. a. in das vielgelesene "Gespensterbuch" (4 Bde., Lpz. 1810-14) und das "Wunderbuch" (3 Bde., ebd. 1815-17) eine Reihe Novellen, von denen der "Freischütz" (s. d.) und "Das stille Kind" die besten sind; ferner schrieb er schwache Tragödien: "Polyidos", "Die Aitolier" und "Kallirrhoë". Verdienstvoll ist seine "Metrik" (2 Bde., Lpz. 1814-16; neuer Abdruck 1834), die den modernen musikalischen Takt auch im antiken Versbau nachweisen will. - Guido Theodor A., Sohn des vorigen, geb. 10. Mai 1811 zu Leipzig, studierte daselbst und zu Heidelberg die Rechte. Durch einen Sturz (1836) fast erblindet, lebte er in seiner Vaterstadt, wo er 26. Nov. 1867 starb. Er veröffentlichte "Gedichte" (2. Aufl., Lpz. 1848), das Epos "Melusine" (1844), "Dramat. Werke" (2 Bde., Lpz. 1856 fg.), von denen "Nähkäthchen" (1852) den meisten Beifall fand, sowie mehrere auf die Schlacht bei Leipzig bezügliche Arbeiten, deren Erscheinen eine auf A.s eigene Kosten veranstaltete sorgfältige Markierung der Hauptpunkte des Schlachtfeldes durch 41 Denksteine vorausgegangen war.

Apeldoorn, Pfarrdorf in der niederländ. Provinz Geldern, 28 km nördlich von Arnheim, an der Osteisenbahn, hat (1891) 19 275 E., Post, Telegraph und zahlreiche Papierfabriken. Die Kirche enthält die Grabmäler der Gemahlin des Statthalters Wilhelm V. und des Admirals van Kinsbergen. In der Nähe das schöne Lustschloß het Loo, Lieblingsaufenthalt der Könige Wilhelm I. und Wilhelm III., mit schönem Park, ursprünglich ein Jagdschloß der Herzöge von Geldern; die jetzigen Anlagen rühren großenteils her vom Statthalter Wilhelm III., dem spätern König von England.

Apelles, griech. Maler aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrh. v. Chr., wahrscheinlich in Kolophon geboren. Die erste künstlerische Bildung erhielt er in der ion. Schule zu Ephesus; später ging er nach Sicyon in die Schule des Pamphilus. Zu Philipps Zeiten begab er sich nach Pella in Macedonien; dort begründete sich vielleicht das vertraute Verhältnis zwischen ihm und Alexander d. Gr., welches zu vielen, freilich unbeglaubigten Anekdoten Anlaß gegeben hat. Die eigentümliche Richtung des A., "des unübertroffenen Malers der Anmut", trat besonders glänzend in seinen Darstellungen der Aphrodite, der Charis und anderer jugendlicher Göttinnen hervor. Besonders gefeiert war sein Bild der aus den Fluten des Meers auftauchenden Aphrodite (Anadyomene, s. d.) und das der Artemis mit ihrem Jagdgefolge. Auch einzelne allegorische Bilder von ihm werden erwähnt, so das der Verleumdung, dessen bei Lucian erhaltene Schilderung Botticelli den Stoff zu seinem gleichartigen Bilde (in den Uffizien zu Florenz) gegeben hat. Doch erwies er sich auch in heroischen Darstellungen, namentlich in ideal aufgefaßten Bildnissen ausgezeichnet. A. war vornehmlich der Maler Alexanders d. Gr. und seiner bedeutenden Feldherren. Berühmt war das Bild Alexanders im Tempel der Diana zu Ephesus, den König mit dem Blitze in der Hand darstellend. Auf dieses Bild geht das Wort Alexanders d. Gr., daß es nur zwei Alexander