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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Apostelfasten - Apostoliker

seinen Briefen nichts davon. Das A. drückt daher zwar die Anschauungsweise der ältern Apostel aus, welche die Heidenchristen nie als Proselyten (s. d.) betrachteten, aber als Verordnung des "Apostelkonzils" kann es ebensowenig erlassen als von Paulus nach Antiochien überbracht worden sein.

Apostelfasten, Apostelfeste, s. Apostel.

Apostelgeschichte, die fünfte Schrift des neutestamentlichen Kanons. Der Name A. ist kein ganz geeigneter, da sie nicht die Wirksamkeit sämtlicher Apostel schildert, sondern vorzugsweise Petrus und Paulus berücksichtigt, vom Kap. 16 an ausschließlich die Thätigkeit des letztern. Auswahl und Behandlung des Stoffs sind durch den paulinisch-apologetischen Zweck des Ganzen bedingt. Die Schrift will die Berechtigung des Paulus, das Christentum ohne das mosaische Gesetz den Heiden zu predigen, nachweisen, und hebt daher schon in der Erzählung der Himmelfahrt mit besonderm Nachdruck das Wort Christi an seine Jünger hervor, daß sie seine Zeugen sein sollen nicht bloß in Jerusalem und Judäa, sondern auch in Samaria (dem Heidenlande) und bis ans Ende der Erde. Ebenso wird die Gründung der Kirche am Pfingsttage und das wunderbare Reden der Jünger in fremden Sprachen vor einer Zuhörerschaft aus den verschiedensten Völkern zur Andeutung der universellen Bestimmung des Christentums. Es wird weiter erzählt, wie die Feindschaft der Juden gegen die Christen wächst und in mehrfachen blutigen Verfolgungen ihren Höhepunkt erreicht, wie sich die gesetzesfreie Heidenmission vorbereitet durch das Auftreten des Stephanus, durch die Predigt des Evangeliums in Samaria und die Küsten des Mittelmeers entlang u. a., vor allem aber durch die Bekehrung des Paulus und seinen Eintritt ins Missionsgebiet des Barnabas (s. d.) zu Antiochia, bis endlich auf dem sog. Apostelkonzil (s. d.) das Recht der Heidenbekehrung anerkannt wird. Von hier wendet die Darstellung sich ausschließlich den Reisen des Paulus zu bis zum Schlusse seiner Wirksamkeit in Rom, d. h. bis zum Sommer 64, der Zeit der Neronischen Christenverfolgung.

Die Annahme, daß das Buch eine Art von Vergleichsvorschlag des Paulinismus an das Judenchristentum (s. d.) sei, ist durch die neuesten Forschungen abgeändert worden. Hiernach ist die A. von dem Standpunkte des spätern Heidenchristentums (s. d.) aus geschrieben, dem die eigentümliche Paulinische Theologie, aber auch die wirkliche geschichtliche Stellung des Heidenapostels in Vergessenheit geraten war. Der Paulinismus des Verfassers besteht nur in seinem heidenfreundlichen Universalismus und seiner Anhänglichkeit an die Person des Paulus, mit der aber eine gesetzesreligiöse Auffassung des Christentums und dadurch eine Annäherung an die urapostolische Anschauungsweise Hand in Hand geht. Der Standpunkt des Verfassers der A. hat namentlich auf die Charakteristik des Paulus und seiner Wirksamkeit, aber auch einzelne Erzählungen und kleinere Züge Einfluß geübt. Dennoch kann die Glaubwürdigkeit des Buchs, wenigstens was den äußern Rahmen der Erzählung betrifft, nicht beanstandet werden. Der Verfasser schöpfte zum Teil aus schriftlichen Quellen, namentlich benutzte er den Reisebericht eines Gefährten des Paulus, wahrscheinlich des Lukas, welcher von Kap. 16 an mit einigen Unterbrechungen und dann in den beiden letzten Kapiteln als Augenzeuge spricht. Weit zweifelhafter ist, ob Lukas, wie die Überlieferung will, selbst die A. verfaßt hat, nur das Eine steht fest, daß sie von demselben Manne herrührt, der das Evangelium schrieb. Auch die Abfassungszeit läßt sich nicht zuverlässig bestimmen. Sicher ist das Buch längere Zeit nach der Zerstörung Jerusalems, vermutlich um 100 n. Chr. verfaßt. Der Abfassungsort ist wahrscheinlich in Griechenland (Macedonien) zu suchen. Kommentare von De Wette (4. Aufl. von Overbeck, Lpz. 1870), Ewald (Gött. 1872), Reuß (Straßb. 1876), Meyer (7. Aufl. von Wendt, Gött. 1888), Holtzmann (Handkommentar zum Neuen Testament 1, 2. Aufl., Freib. i. Br. 1891). - Vgl. Schneckenburger, über den Zweck der A. (Bern 1841); Zeller, Die A. (Stuttg. 1854); Lekebusch, Die Komposition und Entstehung der A. (Gotha 1854); Feine, Die alte Quelle in der ersten Hälfte der A. (Jahrbücher für prot. Theologie, 1890); Sorof, Die Entstehung der A. (Berl. 1890); Spitta, Die A. (Halle 1891); van Manen, Paulus. I: De handelingen der aposteller (Leiden 1890); Weiß, Die A. Textkritische Untersuchungen (Lpz. 1893); Jüngst, Die Quellen der A. (Gotha 1895).

Apostelkonzil oder Apostelkonvent, die Zusammenkunft der Apostel, die nach Apostelgeschichte, Kap. 15, zu Jerusalem stattgefunden haben soll, und die, wenn gleichzeitig mit der Konferenz des Paulus und der ältern Apostel (Galaterbrief, Kap. 2), ums J. 51 oder 52 angesetzt werden muß. Veranlassung dazu soll der in Antiochien durch Judenchristen angeregte Streit gegeben haben, ob Heiden ohne Beschneidung und Gesetzesbeobachtung ins Christentum aufgenommen werden dürften. Nach dem authentischen Berichte des Paulus selbst wurde indes auf diesem A. nur das Recht der selbständigen Heidenmission anerkannt, andere Beschlüsse aber über die Heidenchristen nicht gefaßt. (S, Aposteldekret.)

Äpostelkrug, Bezeichnung für breite, braune, in der Stadt Kreußen bei Bayreuth gefertigte Steingutkrüge des 17. und 18. Jahrh., welche ringsum mit den meist gefärbten Relieffiguren der Apostel geschmückt sind (s. Kreußen-Fayencen).

Apostellehre, s. Didache.

Apostellöffel, Bestecke mit 13 Löffeln, an deren Stiel die Apostel und Maria gebildet waren, bis ins 17. Jahrh. hinein beliebte Patengeschenke.

Apostelorden, s. Apostoliker.

Aposteltage, Apostelteilung, s. Apostel.

Apostem (apostema), s. Absceß.

A. posteriori, s. a priori.

Apostill (neulat.), Nachschrift zu einem Dokument in der Rechtsform des Hauptdokuments, ferner im allgemeinen soviel wie Randbemerkung.

Apostolat des Gebets, s. Herz Jesu.

Apostoli (jurist.), s. Apostel.

Apostolicität, s. Apostolisch.

Apostolicum, das Apostolische Symbolum (s. d.).

Apostoliker, Apostelorden, Apostelbrüder, verschiedene christl. Sekten, die im Gegensatz zur Verweltlichung der Kirche Rückkehr zu apostolischer Einfachheit forderten. Im 3. und 4. Jahrh. traten A., auch Apotaktiker genannt, in Kleinasien auf, sprachen jedem die Seligkeit ab, der Eigentum besitze oder in der Ehe lebe, wurden jedoch bald unterdrückt. Im 12. Jahrh. nannte sich ein Teil der Katharer (s. d.) am Niederrhein A., besonders aber gilt der Name für eine gegen Ende des 13. Jahrh. in Oberitalien entstandene antikirchliche Partei. Ihr Stifter war Gherardo Segarelli, ein Handelsmann aus Parma, der seinen Gütern entsagte und seit 1260, wie die Apostel gekleidet, bettelnd und