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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Appalachen; Appalachisch-Acadisches; Apparat; Appareille; Appartement; Appassionato; Appel; Appeldern; Appell

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Appalachen (Indianerstamm) - Appell

Name für das 300-600 m hohe Hochland, das sich zwischen der Blauen Kette und den westl. Alleghanies hinbreitet, aber eigentlich den Namen Tafelland mit Unrecht trägt, da es von zahlreichen Bergreihen durchzogen wird, von denen sich die bedeutendste, die der Kittatin oder Katatin (die "endlosen Berge" der Indianer), jedoch mit einigen Unterbrechungen, durch Pennsylvanien und Virginien nach Alabama hinzieht und mit den Bergen auf der Grenze von Tennessee und Nordcarolina, den Iron- (Eisen-), Smoky-(Rauch-) und Unakabergen (mit dem Mount-Guyot von 1954 und dem Smoky Donie von 1962 m Höhe) endigt; 5) die Catskillberge (s. d.); nördlicher liegen die Ädirondacks (s. d.). Das Land im O. des Hudson, welches durch eine Erhöhung des Meeresspiegels von nur 44 m zu einer Insel werden wurde, wird seiner ganzen Länge nach von den Acadian-Mountains (s. Acadia) durchzogen. Ostwärts zieht sich das Plateauland bis zur Meeresküste fort, an der es, namentlich im nördlichern Teile gegen die Fundybai hin, eine steile Felsenküste mit zahlreichen Fjorden bildet. Nordwärts treten seine Felsmassen mit 60-100 m hohen Klippen an den St. Lorenzstrom, während es in geringer Entfernung von diesem meist 600-950 m hoch ist. Denselben skandinav., an die Eiszeit erinnernden Gebirgscharakter granitischen Gesteins mit Felskämmen, zahlreichen Seen und Teichen hat die Halbinsel Neuschottland. Im ganzen haben die A. ihren Steilabfall nach O.; bei einzelnen Ketten ist er gegen W. gerichtet. Der östl. Fuß steht in Neuengland in 250, in Pennsylvanien in 160, weiter südlich in 470 m Höhe. In Virginien und Tennessee ist der Thalboden im W. 530 m hoch, und jenseits erstreckt sich noch 150 km weit ein 470-630 m hohes Plateau. Die A. sind in ihren breitesten Gebieten zugleich am niedrigsten; ihre Höhe in Maryland und Pennsylvanien beträgt nur 630 m; indes sind sie auch dort noch vollkommene Wasserscheiden zwischen dem Mississippibecken und dem atlantischen Küstengebiet. Die Bildung des Gebirges muß hauptsächlich zur paläozoischen Zeit und namentlich am Endpunkt derselben stattgefunden haben. Die A. sind demnach weit älter als die europ. Alpen und die Anden.

Die A. sind reich an Mineralien und bieten in den Steinkohlen und Eisenschätzen die mächtigsten Hebel für die nordamerik. Industrie. Das appalachische Kohlenfeld hat von NO. nach SW. eine Ausdehnung von 1170 km bei höchstens 300 km Breite, so daß es etwa 165 000 qkm und weit über ein Zehntel des ganzen Steinkohlengebietes der Erde bedeckt; überall kann man in den Flußthälern wagerecht in die Kohlenschichten hineinarbeiten. Auch enthalten die A. höchst wertvolle Metalllager. In dem Granit, der den Rand der untern geschichteten Formationen säumt und zuweilen über weite Flächen ausgebreitet ist, wie in den Hochebenen von Neuyork und Neujersey, liegen unerschöpfliche Lager magnetischen Eisenerzes in Verbindung mit den wertvollen Lagern von Rot- und Brauneisenerzen, die sich daneben von Canada bis Alabama hinziehen. Diese Lager finden sich in großen Senkungen im untern Kalkstein und in den krystallinischen Schiefern häufig in außerordentlicher Ausdehnung und haben ihre größte Entwicklung am östl. Gebirgsrande südlich vom Potomac. Der Talk- und Glimmerschiefer der Blauen Berge enthält Kupfererze, aber noch weit bedeutendere Mengen von Bleierz. Salzwasser hat man durch Artesische Brunnen erlangt, die bis in die untern Schichten gebohrt sind. Die salzführenden Schichten, die oft nicht sehr tief liegen, sind reich an Gips. Das County Onondaga in Neuyork ist wegen seines Salzes berühmt, und im County Washington im südwestl. Virginien liegen feste Salzschichten mitten in den ausgedehntesten Gipsmassen. Die A. sind mit den kostbarsten Waldungen bedeckt; besonders wertvoll ist die Weißfichte. Ganz im Norden trägt der bessere Boden hartes Holz, Zuckerahorn, Weißbirken, Eschen, Buchen; das ärmere Land und der Saum der Gebirgsschluchten den sog. schwarzen Wuchs, die immergrünen Pinusarten. Südlicher erscheinen die verschiedenen Eichen; an die Stelle des Ahorn, der Birke, Buche und selbst des Nadelholzes tritt die Kastanie. Der Westrand der A. oder das Ohiogebiet ist eine waldige Kalksteinebene, von tiefen Schluchten zerrissen, die allmählich zu den weiten Mississippi-Ebenen übergeht. Kanäle und Eisenbahnen verbinden die fruchtbaren, mit zahlreichen blühenden Städten und ergiebigen Landschaften besäten Thäler des Innern mit dem westl. und östl. Gebiete. Die eigentlichen A. waren das Heimatgebiet des gleichnamigen Indianerstammes.

Appalachen, Indianerstamm, s. Apalachen.

Appalachisch-Acadisches Gebirgssystem, s. Appalachen.

Apparat (lat.), Zurüstung, die Gesamtheit der zu einer Arbeit, Verrichtung, praktischen Betreibung einer Wissenschaft u. s. w. nötigen Hilfsmittel und Werkzeuge; oft auch als Bezeichnung eines Instruments oder einer Maschine gebraucht.

Appareille (frz. apareil, spr. -räj), s. Rampe.

Appartement (frz., spr. apart'máng), im Französischen eine Wohnung, die aus mehrern Zimmern besteht, weiter der Flügel eines Hauses, den eine oder mehrere Personen gesondert bewohnen. Daher versteht man unter A. auch eine gesonderte Wohnung, gesondertes Zimmer. Im Deutschen bezeichnet man oft mit A. den Abort.

Appassionato (ital.), als musikalische Vortragsbezeichnung: leidenschaftlich, feurig.

Appel (Recours) comme d'abus (spr. appellkomm dabbüh), die in der franz. Rechtspraxis seit alters übliche Bezeichnung für eine Beschwerde, durch welche im alten Rechte Übergriffe der geistlichen Gerichte in die weltliche Gerichtsbarkeit bei den Parlamenten verfolgt wurden und welche im geltenden Recht (Art. 18 der organischen Artikel) Privaten und der Staatsgewalt gegeben ist, um bei dem Staatsrat Abhilfe gegen den Mißbrauch der geistlichen Gewalt zu erlangen. In Elsaß-Lothringen entscheidet nach §. 9 des Gesetzes vom 30. Dez. 1871 an Stelle des Staatsrates der Bundesrat.

Appeldern, Albert von, s. Albert I., Bischof von Riga.

Appell (frz., "Ruf") heißt militärisch 1) das Signal zum Sammeln zerstreuter Truppen, besonders der Kavallerie nach vollführter Attacke, nach rückwärts (das Signal zum Zusammenschluß nach vorwärts heißt "Sammeln"); 2) die Versammlung bestimmter Truppenkörper (von der Compagnie bis zum Regimente aufwärts) zu bestimmten Verrichtungen des innern Dienstes (Austeilen der Löhnung, Bekanntmachung von Befehlen, Revision von Waffen, Pferden, Bekleidung); 3) die für den einzelnen Soldaten wie für eine ganze Truppe gleich notwendige Gewohnheit, gegebenen Befehlen sofort und pünktlich nachzukommen (guter und schlechter A. einer Truppe). - In der Fechtkunst ist A. das leichte und lebhafte Auftreten mit dem vorgesetzten Fuße,