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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Appius Claudius Cäcus - Appoint

losen Ehefrau des Virginius untergeschoben, und A. C. als Richter entschied, daß die angebliche Sklavin einstweilen ihrem Herrn folgen solle. Jedoch enthüllten Numitorius, ihr Oheim, und Icilius die Absichten des A. C. Da ein Aufruhr aufzubrechen drohte, gab der Decemvir nach und ließ Virginia in den Händen ihrer Familie, erklärte aber, daß er am folgenden Tage sein Urteil sprechen werde. Virginius, von Numitorius und Icilius herbeigerufen, erschien auf dem Forum nebst seiner Tochter in Trauerkleidern. Trotz der Versicherungen des Vaters befahl A. C. dem Claudius, die Jungfrau als seine Sklavin wegzuführen. Da bat Virginius den Decemvir um die Erlaubnis, nochmals die Wärterin in Virginias eigener Gegenwart befragen zu dürfen. Als A. C. einwilligte, ergriff der unglückliche Vater plötzlich das Messer eines in der Nähe befindlichen Fleischers und stieß es der Tochter in die Brust. Die Auflehnung des Volks und des Heers nötigte die Decemvirn nun ihre Macht niederzulegen, worauf der Senat (449) die Wiederherstellung der alten Verfassung beschloß. A. C. starb 448 im Gefängnisse.

Appius Claudius Cäcus, s. Claudier.

Applanieren (frz.), ebnen, ausgleichen.

Applaudieren (lat.), Beifall klatschen; Applaus, Beifall (durch Händeklatschen).

Appleby (spr. äpplbi), Hauptstadt der engl. Grafschaft Westmoreland, 46 km im SO. von Carlisle, rechts am Eden, hat (1891) als Gemeindebezirk 1776 E., eine Lateinschule und eine noch gut erhaltene Burg, die schon 1088 erwähnt wird und 1686 wiederhergestellt wurde.

Applegathsche Maschinen waren die ersten Buchdruckschnellpressen, bei welchen der Druck von cylindrisch gekrümmter Schriftform auf senkrecht angebrachtem Cylinder stattfand. Applegath und Hoë waren die ersten, die solche Maschinen erbauten, welche als Vorläufer der heutigen Rotationsmaschinen zu betrachten sind. (S. Schnellpresse.)

Appleton (spr. äpplt'n), Hauptstadt des County Outagamie im nordamerik. Staate Wisconsin, nordwestlich von Milwaukee, am Fox, mit guter Wasserkraft, welche Mühlen, Papier- und andere Fabriken treibt, ist Sitz der methodistischen Lawrence-Universität und hat (1800) 11 869 E.

Appleton & Co., D. (spr. äpplt'n), berühmte Verlagsbuchhandlung in Neuyork, mit Buchdruckerei und Buchbinderei in Brooklyn, im Besitz von William Henry Appleton, geb. 27. Juni 1814, und vier seiner Enkel gleichen Namens. Sie wurde von Daniel Appleton, geb. 10. Dez. 1785 in Haverbill (Mass.), gest. 27. März 1849 in Neuyork, gegründet, der ein Schnittwarengeschäft, zuletzt in Neuyork, betrieb und daneben 1825 engl. Bücher einzuführen begann, letztern Zweig des Geschäfts leitete besonders sein ältester Sohn, späterer Teilhaber und seit 1848 Nachfolger, der obengenannte W. H. Appleton, der das Schnittgeschäft aufgab und sich mit seinem Bruder John Adams Appleton (geb. 9. Jan. 1817 in Boston, gest. 13. Juli 1881 in Staten Island) ganz dem Buchhandel widmete. 1853 wurden die Buchdruckerei und Buchbinderei errichtet, die 1868 nach Brooklyn verlegt wurden und fast ein ganzes Straßenviertel einnehmen. 1881 wurden Sortiment und Import aufgegeben. Der Verlag umfaßt alle Zweige der Litteratur, darunter die hervorragendsten Klassiker der Neuen und Alten Welt. Ein Hauptunternehmen bildet die "American Cyclopædia" (16 Bde., 1857-63; 2. Aufl., mit Illustrationen, 1873-76), hg. von G. Ripley und Cb. A. Dana, nebst einem Jahressupplement, das seit 1881 u. d. T. "Annual Cyclopædia" herauskommt. Dazu kommen große illustrierte Werke, wie "Picturesque America", allerhand Schulbücher, eine besondere Abteilung mediz. Schriften, span. Bücher für Süd- und Mittelamerika.

Applikation (lat.), Anwendung, Fleiß, Befähigung.

Applikationsarbeit, eine Verzierung von Geweben, bei der die aus anderm Stoffe ausgeschnittenen Ornamente mittels Kettenstichs (s. d.) oder eines andern Zierstichs aufgenäht und zuweilen noch ausgemalt werden. Oft treten noch in Plattstich (s. Stickerei) gestickte Ranken u. s. w. hinzu.

Applikationsfarben, Tafelfarben, Körperfarben, nennt man im Zeugdrucke solche Farben, die nicht auf der Faser erzeugt werden, sondern, ohne Beize, im fertigen, meist unlöslichen Zustande durch Vermittelung eines Klebmittels aufgedruckt werden. Hierher gehören z. B. Ultramarin, Schweinfurter Grün, Chromgelb und manche Farbelacke, die meist mit Albumin vermischt sind; läßt man Wasserdampf auf die gedruckten Gewebe wirken, so gerinnt das Albumin und befestigt damit die Farben, die für sich nicht auf der Faser haften würden.

Applikationsschule, bisweilen Bezeichnung einer höhern Militärschule für ein besonderes Fach, z. B. A. für Artillerie und Genie zu Fontainebleau, Applikationskavallerieschule zu Saumur, A. für Artillerie und Genie zu Turin.

Applikatur (lat., "Anknüpfung"), in der Musik die Fingersetzung bei Tasten- und Saiteninstrumenten. Im wesentlichen ist sie von der Haltung des Körpers, insbesondere der Hände (s. Fingersatz), und von der Stellung oder Lage des Instrumentes abhängig. Die A. soll nicht nur gleichmäßigen Anschlag, sondern ebensosehr bezeichnende Klangfärbung, Wohllaut und richtige Stimmführung erzielen.

Applizieren (lat.), anwenden, beibringen; in der Mathematik das Aufeinanderlegen zweier geometr. Figuren, um die Gleichheit derselben zu beweisen; in der Technologie das Auflegen, Auftragen von Farben.

Appoggiato (ital., spr. appodschahto), d. i. angelehnt, in der Musik, namentlich beim Gesange, der tragende, bindende Vortrag, der die Töne ohne fühlbare Lücke verbindet. (S. auch Portament.)

Appoint (frz., appŏäng; ital. appunto) heißt im Wechselverkehr eigentlich derjenige Wechsel, welcher eine gewisse Schuld vollkommen ausgleicht oder eine gewisse Summe voll macht. Wenn z. B. A 1542 M. von B zu fordern hat und diese Forderung von B durch Einsendung zweier Wechsel bezahlt wird, von denen der eine auf 1290 M., der andere aber auf 342 M. lautet, so ist der letztere im wahren Sinne des Wortes ein A. Dem entsprechend sagt man, daß man par appoint oder per appunto remittiere (Wechsel sende) oder trassiere (Wechsel ausstelle), wenn man genau den Saldo oder Rest durch eine Forderung (oder Rechnung) übermacht oder durch Wechselausstellung erhebt. In der neuern Zeit nennt man gemeinhin jeden Wechsel ein A., auch wenn er kein Ausgleichungs- oder Abschlußwechsel ist. Man sagt z. B., daß man ein A. auf Paris erhalten habe. In der letztern Bedeutung entspricht der Ausdruck den Worten: Brief, Papier, Devise (von ausländischen Wechseln gebraucht). Allmählich hat sich der Gebrauch in diesem Sinne auch auf andere Gelddokumente, namentlich Papiergeld und Verkehrs-^[folgende Seite]