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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Äquilibrismus - Äquinoktium

bindung steht, hat (1890) 950, als Gemeinde 2300 friaulische E., einen 1031 eingeweihten Dom (roman. Basilika mit Krypta aus dem 4. Jahrh.), Reste der altchristl. Kirche dei Pagani mit altem Baptisterium und isoliertem Glockenturm (83 m, mit herrlichem Panorama), ein Staatsmuseum mit antiken Funden. - A., im röm. Altertume berühmte Stadt in Oberitalien, im Lande der Veneter, wurde 182 v. Chr. von den Römern zwischen den Flüssen Sontius und Natisso, dem heutigen Isonzo und Aussa, 9 km vom Adriatischen Meere entfernt als Kolonie latinischen Rechts angelegt. A. war nach Art der röm. Standlager als fast gleichseitiges Viereck von 375 röm. Schritten (etwa 583 m) Seitenlange angelegt und hatte als befestigtes Lager eine hohe Bedeutung, indem die Via Aemilia, die Hauptstraße Italiens, bis hierher fortgesetzt war und die Straßen nach Pannonien, Noricum, Istrien und Dalmatien von A. ausgingen. Die Stadt nahm unter den ersten röm. Kaisern, namentlich unter Augustus, bedeutenden Aufschwung, wurde zugleich Station für einen großen Teil der röm. Flotte und eines der wichtigsten Handelsemporien des Römischen Reichs, die zweitgrößte Stadt Italiens nach Rom. Zur Zeit der größten Blüte unter Kaiser Hadrian soll sie 300 000 - 500 000 Bewohner gehabt haben. 452 wurde die Stadt von Attila nach langer Belagerung zerstört; ihre Ruinen bilden einen der wichtigsten Fundorte röm. Altertümer. Obgleich wieder aufgebaut, gelangte die Stadt doch nie mehr zu ihrer frühern Bedeutung. Schon im 6. Jahrh. trat der auf dem äußern Strande der Lagunen liegende Außenhafen Gradus (das heutige Grado, s. d.) an die Stelle des städtischen Hafens. Die Bischöfe von A. nahmen 557 den Titel Patriarchen an. Sie residierten seit 452 abwechselnd auch in Grado, das aber seit 607 eigene Patriarchen wählte, die mit jenen lange in blutigen Fehden lebten. Das Patriarchat von A. erlangte infolge seiner Anhänglichkeit an die deutschen Kaiser seit Otto I. eine bedeutende Macht, ging aber seit dem Untergang der Hohenstaufen wieder zurück. 1751 wurde es ganz unterdrückt. Das Patriarchat von Grado war schon 1451 nach Venedig verlegt worden. A. gehört seit 1809 zu Österreich. - Vgl. Kenner, Fundkarte von A. (in den "Mitteilungen der k. k. Centralkommission zur Erforschung der Baudenkmale", Bd. 10, Wien 1865); Kandler, Indagini sullo stato materiale dell' antica A. (Triest 1865); ders., Di A. Romana (im "Archeografo Triestino", Bd. 1, Heft 2); Zandonati, La distruzione di A. (Görz 1869): von Czoernig, Das Land Görz und Gradisca mit Einschluß von A. Wien 1873); von Breitschwert, Aquileja (Stuttg. 1880); Majonica, A. zur Römerzeit (Görz 1881); Marchesi, Das Patriarchat von A. 1394-1412 (italienisch, Udine 1884); Pancini, Vom Ursprung u. s. w. der Stadt A. (italienisch, ebd. 1885); de Rinaldis, Geschichte der drei letzten Jahrhunderte des Patriarchats von A. (italienisch, ebd. 1888); Jackson, Dalmatia and Istria, Bd. 3 (Oxf. 1887).

Äquilibrismus (vom lat. äquilibrium, Gleichgewicht), diejenige Auffassung der menschlichen Willensfreiheit, wonach der Wille zwar dem stärkern Beweggrund folgen muß, aber bei Gleichgewicht der Motive vollkommen frei den Ausschlag giebt. Der Ä. sucht also zwischen Determinismus und Willensfreiheit zu vermitteln.

Äquilibrist (vom lat. äquilibrium) heißt ein Wanderkünstler, der den Körper auch bei den unnatürlichsten Stellungen und den gewagtesten Bewegungen im Gleichgewichte erhält (wie z. B. der Seiltänzer) oder die verschiedenartigsten Gegenstände mit künstlerischem Geschick zu balancieren versteht. Das eigentliche Vaterland der Ä. ist Indien, China und Japan, wo diese Künstler Außerordentliches leisten.

Aquilo (lat.; grch. Boreas), der Nordwind, Nordostwind.

Aquincum (oder Acincum), röm. Ansiedelung im NO. der Provinz Pannonia inferior an der Stelle des heutigen Alt-Ofen am rechten Donauufer, von Septimius Severus (193-211) zur röm. Kolonie erhoben, als Handelsstadt und strategisch sehr wichtig, wird 375 n. Chr. zum letztenmal in der Geschichte genannt. Von der Bedeutung und dem Reichtum der Stadt geben die ausgedehnten Ruinen Zeugnis, Reste von Wasserleitungen, Bädern, Theatern u. s. w. Ein großartiges, noch gut erhaltenes röm. Amphitheater und daneben ein kleiner Tempel der Nemesis wurden im Herbst 1880, die Reste eines Mithrastempels 1888 ausgegraben.

Aquino (bei den Römern Aquinum), Stadt im Kreis Sora der ital. Provinz Caserta (Terra di Lavoro), an der Eisenbahnlinie Rom-Neapel des Mittelmeernetzes, in schöner Umgebung, hat (1881) 2177 E., ist Bischofssitz und Geburtsort des röm. Satirikers Juvenal und des Kaisers Pescennius Niger (193-194). Auf der nahen Burg Roccasecca wurde 1224 Thomas von A. geboren. Die Ruinen der schönen, dreischiffigen Basilika Sta. Maria Libera (häufiger il Vescovado genannt) aus dem 11. Jahrh. liegen auf den Unterbauten eines antiken Tempels. Von röm. Altertümern finden sich noch Trümmer eines Ceres- und eines Dianatempels, Amphitheaters, Triumphbogens, der antiken Stadtmauer und eines Thores.

Aquino, Thomas von, s. Thomas von Aquino.

Äquinoktialgegenden, s. Tropenländer.

Äquinoktialkreis und Äquinoktiallinie, s. Äquator.

Äquinoktialpunkte, s. Äquinoktium.

Äquinoktialstürme, zur Zeit der Äquinoktien besonders häufig auftretende Stürme, können eigentlich nur die Taifune (s. d.) genannt werden. Für Europa haben die Beobachtungen keinerlei Nachweis von Ä. ergeben.

Äquinoktialuhr, s. Sonnenuhr.

Äquinoktium (lat.), Nachtgleiche, die Zeit im Jahre, wo Tag und Nacht einander gleich sind, daher die Dauer des Tages 12 Stunden beträgt und die Sonne um 6 Uhr des Morgens auf und um 6 Uhr des Abends untergeht. Dieses ist zweimal im Jahre der Fall, im Frühling um den 21. März und im Herbst um den 23. Sept., jedesmal wenn die Sonne im Äquator (s. d.) steht. Die Frühlingsnachtgleiche bezeichnet den Eintritt des Frühlings, die HerbstnachtgIeiche den des Herbstes. Zu allen andern Zeiten ist die Länge des Tages und der Nacht für alle Orte, die nicht unter dem Äquator liegen, ungleich. Die beiden Punkte des Himmelsäquators, in denen sich die Sonne zur Zeit der Nachtgleichen befindet, oder in denen der Äquator von der Ekliptik geschnitten wird, heißen die Äquinoktialpunkte, und zwar unterscheidet man den Punkt der Frühlings-und den der Herbstnachtgleiche oder den Frühlings- und den Herbstpunkt. Die Kenntnis des erstern ist in der Astronomie darum von Wichtigkeit, weil man ihn bei der Bestimmung der Lage der Himmelskörper als Anfangspunkt (für die Länge