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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Arabien (Bevölkerung. Politische Verhältnisse. Lebensart und Sitte)

Pelikane, Störche, Taucher u. s. w. Die schädlichsten Insekten A.s sind die Heuschrecken. Sie kommen in allen wüsten Teilen der Halbinsel vor; in Nedschd dringen sie selbst in die Häuser. Wie im nördl. Afrika, ißt man sie allgemein; sie werden eingesalzen, in Säcke gefüllt und zum Verkaufe gestellt. Auch die Termite ist sehr verbreitet. Zu den gefährlichen Plagen gehört endlich der Medinawurm. Die reiche Tierwelt des Roten und des Persischen Meers zeichnet sich in ersterm besonders durch Korallenriffe, in letzterm durch Perlenbänke aus.

Bevölkerung. Man schätzt die Bevölkerung A.s auf 3½-5 Mill., welche teils seßhafte Lebensweise führen, teils als Beduinen auf der Stufe des Nomadentums stehen. Das Arabertum zerfällt in eine große Menge von Stämmen, welche in besondern Gebieten hausen. Auch die Beduinen, welche in Zelten wohnen und mit ihren Herden ein Wanderleben führen, halten sich innerhalb eines ihnen zugehörenden Distrikts, so daß selbst durch die Wüste bestimmte, nicht zu verletzende Grenzen laufen. Die Beduinen sehen mit Verachtung auf die seßhaften Araber und schätzen ihr Leben in der Freiheit als das allein des Menschen würdige. Die Beduinen im nördlichen A. sind (nach Burckhardt) teils solche, welche im Frühling und Sommer in die fruchtbaren Teile Syriens wandern und im Winter in die Wüste zurückkehren (Anese), teils solche, welche das ganze Jahr hindurch in der Nähe der kultivierten Landstriche bleiben. Die Anese sind einer der mächtigsten Stämme der arab. Wüsten, auf deren Schutz sowohl die benachbarten Dorfbewohner als auch die Karawanen, die Pilgerkarawanen nicht ausgenommen, angewiesen sind. Ihre Zahl wird ans mehr als 300 000 geschätzt. Manche andere Stämme an den Grenzen Syriens und den Ufern des Euphrat zahlen den Anese einen jährlichen Tribut, andere leben mit ihnen in Feindschaft; manche wohnen in Zelten und bebauen dennoch das Land, andere bringen die Produkte ihrer Viehzucht auf den Markt nach Haleb. Unter den im mittlern A. und in den westl. Gebirgsstrichen hausenden Stämmen sind noch erwähnenswert die Beni Schammar, die Meter in den fruchtreichen Weiden von Nedschd und die Beni Harb, südlich von Medina. Im O. von Mekka und Taïf wohnt der tapfere und mächtige Stamm der Beni Otaiba; die in der Geschichte berühmten Koreisch (s. d.) in und um Mekka sind jetzt wenig zahlreich mehr. Der wegen seiner Tapferkeit und Gastfreundschaft berühmte Stamm der Adwân, zu welchem die regierenden Scherifs von Mekka ihre Kinder zur Erziehung senden, besteht nur noch aus ungefähr 100 Familien. Im SO. von Taïf besitzen die Thakif die Gartenländer um Taïf und die fruchtbaren Thäler auf der Ostseite der Bergkette von Hedschas. Noch weiter nach SO. leben die Beni Kahtân und Beni Sad, schon im Altertume berühmte Stämme. Zwischen jenen und der Küste wohnen die Asir. Unter allen arab. Stämmen nehmen die Beni Slêb (Solaib) in der syr. Wüste die verächtlichste Stellung in A. ein. Sie haben nur Esel; man kann sie in Damaskus sehen, wohin sie kommen, um die in der Wüste wachsenden Trüffeln zu verkaufen. Ebensolcher Geringschätzung begegnet im Hedschas der Fischerstamm der Huteimi. Erwähnung verdienen noch die in Südarabien wohnenden Pariastämme (Schumr, Achdâm), welche verschiedenen Hantierungen sich hingeben und auf welche der Araber mit Verachtung hinabblickt. - Der echte unverdorbene Bewohner der arab. Wüste ist ein kriegerischer Hirt, gewissermaßen der Urtypus der arab. Rasse, wie ihn die alte vormohammed. Poesie schildert. Stets sind sie mit Lanze und Säbel, oft auch mit Flinte und Pistolen bewaffnet. Der Kampf, sei es um Blutrache, um einen Brunnen, um ihren Weidegrund, ist ihr Element. Noch heute pflegen sie die Jugendideale des alten Arabertums, deren Summe Muruwwa (virtus) genannt wird, in welchen die Wahrung der Ehre des Stammes und die rachsüchtige Bekämpfung aller, die derselben Abbruch gethan, die erste Stelle einnimmt. Großmütig sind sie in der Übung der Gastfreundschaft und in der Beschützung der Verfolgten, die in ihren Zelten Schutz suchen. Ein Heiligtum ist ihnen die Pflicht der Blutrache, deren Übung durch uralte Gewohnheitsgesetze geregelt ist. Die Strenge der Blutrache wird durch die Institution des Lösegeldes (Dija) gemildert, welches mit Einverständnis der zur Blutrache Verpflichteten an Stelle derselben tritt. Nirgends in der Welt findet man einen größern Familienstolz als unter den Arabern.- Unter den Städtebewohnern (namentlich im Hedschas) werden als Nachkommen Mohammeds besonders die Scherifs (s. d.) als Adlige ansgezeichnet, und aus ihrer Familie geht der Großscherif von Mekka hervor. Der Inhaber dieser Würde übt bis zum heutigen Tage großen Einfluß auf die Bewohner des Hedschas und die umwohnenden Beduinen aus. Auch die Nachkommen der übrigen Zweige des Koreischstammes genießen noch heute ein in den Traditionen des Arabertums begründetes Ansehen.

Politische Verhältnisse. Ein bedeutender Teil von A. hat sich von dem Osmanischen Reiche unabhängig zu erhalten gewußt. Namentlich in Südarabien (Jemen) herrschen in den einzelnen Distrikten feudale Dynastien, über welche uns Maltzan in seinem südarab. Reisewerke näheres mitgeteilt hat. Die Herrschaft über die Provinz Oman behauptet der in Maskat residierende sog. Imâm. Zumal die Beduinen Centralarabiens leben, trotz aller Versuche der Türkei sie zu unterwerfen, noch heute in ihrer alten unabhängigen patriarchalischen Verfassung. Das Oberhaupt des Stammes ist der Scheich (s. d.); die Würde eines solchen ist in der Familie erblich, aber auf welchen der Nachkommen sie übergehen soll, bestimmt stets eine Wahl. Daher kann ein solcher auch wohl abgesetzt werden, oder die Glieder des Stammes können ihn verlassen. Er ist Führer und Leiter, aber nicht eigentlich Befehlshaber. Unter den verschiedenen Stämmen bilden sich gemeinsame Schutz- und Trutzverbrüderungen, Eidgenossenschaften (Hilf). Einen größern Staat haben im Innern A.s die Wahhâbiten (s. d.) gegründet. Die Beduinen bekennen den Islam nur äußerlich; unter ihnen hat die positive Religion nie feste Wurzel geschlagen. Unter den Städtebewohnern findet man die beiden Hauptsekten des Islam, Sunniten und Schiiten, vertreten; die letztern vielfach an der Ostküste und in Südarabien, wo die Seiditen (s. d.) in großer Anzahl zu finden sind.

Lebensart und Sitte. Sein Zelt bedeckt der Araber mit aneinander genähten Stücken eines Filzes aus Ziegenhaaren, der gegen den stärksten Regen schützt. Es ist 2,2 m hoch, 6-9 m lang und etwa 3 m breit. Das Innere ist für die männlichen und die weiblichen Bewohner durch einen Teppich geteilt. In den Städten hat man steinerne