Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

784

Arabien (Handel, Gewerbe. Verkehrswesen. Geschichte)

Häuser mit flachen Dächern. Die Stämme an den Ufern des Euphrat wohnen in Hütten aus Blattrippen der Dattelpalme, die ein rundes, mit Binsenmatten bedecktes Dach haben. Die Araber kleiden sich in ein grobes Baumwollhemd, über das die Reichen eine lange, seidene oder baumwollene Robe werfen. Die meisten jedoch ziehen darüber nur einen dünnen, leichten, weißen, wollenen Mantel oder einen gröbern, schwerern, der weiß und braun gestreift ist. Die Mäntel der Scheichs sind mit Gold durchwoben und oft kostbar. Den Kopf bedeckt ein viereckiges Baumwolltuch; nur wenige Reiche tragen statt dessen einen Shawl aus Damaskus oder Bagdad. Im Winter hängen sie über das Hemd einen Pelz aus Schaffellen, durch den sich viele auch im Sommer mit Erfolg gegen die Sonne schützen. Die Weiber tragen eine weite, baumwollene, dunkel gefärbte Robe und auf dem Kopfe ein Tuch, Silberringe in Nase und Ohren, Glas- oder Silberbänder um Hals, Knöchel und Arme. Mit einem dunkelfarbigen Schleier verhüllen sie Mund und Kinn. Um Mekka und Taïf und in südlichern Gegenden tragen beide Geschlechter meistens eine lederne Schürze, die im Sommer die einzige Bekleidung der Männer ist. Überall besteht die Nahrung in Mehl und Butter; ungesäuerten Mehlteig, in Asche von Kameldünger gebacken, bewahrt man in hölzernen oder ledernen Kufen. Ein hervorragendes Nahrungsmittel bildet die Kamelsmilch; bei manchen Stämmen wird aus saurer Kamelsmilch und Mehl ein Teig zubereitet. Schwelgerei ist, außer bei Festlichkeiten, selbst beim reichsten Scheich ungewöhnlich. Für Gäste von Auszeichnung bereitet man eine junge Ziege oder ein Lamm, geringern setzt man Kaffee vor oder Brot mit geschmolzener Butter. In den hügeligen Gegenden des Westens ißt man ind. Reis mit Linsen, ohne Brot, und wo Datteln wachsen, bilden diese die Hauptnahrung. - Der Araber hat in der Regel nur eine Frau, und Beispiele von Ehebruch sind nicht häufig. Der Mann kann indes jederzeit nach seinem Belieben die Ehe scheiden. Eine schlecht behandelte Frau kann zu ihres Vaters Zelt entfliehen. Nur die wohlhabenden Scheichs haben mehrere Frauen. Das Gastrecht gilt im ganzen A. als unverbrüchlich und heilig. Jeder Araber verteidigt seinen Gast mit Gefahr seines Lebens. Er erträgt mit der größten Fassung den schlimmsten Wechsel des Glücks, zeigt sich aber auf seinen Raubzügen gegen die Feinde als sehr grausam und hinterlistig. In der Familie ist er freimütig, heiter und anständig. Im Zelte lebt er träge, seine Arbeit beschränkt sich auf das Füttern der Pferde und das Melken der Kamele. Die Herde bewacht ein gemieteter Hirt. Die Frauen und Töchter verrichten die Hausarbeit. Die Pocken richten noch jetzt unter den Stämmen große Verwüstungen an. Auch Fieber sind nicht selten, Augenkrankheiten häufig. Der Aussatz herrscht unheilbar erblich in gewissen Familien.

Handel, Gewerbe. Da das Land keine Industrie hat, ist es auf die Einfuhr aus andern Ländern angewiesen, und schon deshalb fehlt es nicht an Handelsbeziehungen. Überdies ist A. stets ein vermittelndes Land zwischen Indien und dem Westen gewesen, und von seinem ehemals hochwichtigen Welthandel sind noch immer nicht alle Spuren vergangen. Seit England seine Poststraße über Sues und Aden gelegt hat, ist ein neuer Anstoß zur Hebung gegeben. Der wichtigste Mittelpunkt des arab. Handels ist Maskat (s. d.). Der größte Teil des Binnenhandels wird bei Gelegenheit der Haddschs oder Pilgerfahrten bewerkstelligt. Dschidda am Roten Meere ist für A. das eigentliche Handelsemporium. Hier sammeln sich jährlich zu Ende Mai die Handelsflotten von Surat, Bombay und Kalkutta, welche die kostbaren Natur- und Industrieprodukte Südasiens dorthin bringen. Andere wichtige Seestädte sind am Roten Meere Jambo, der Hafen von Medina, ferner Lohaja, Hodeida und Mokka in Jemen, Makalla in Hadramaut am Indischen Ocean, El-Khatif in El-Hasa, sowie Menama auf den Bahrein-Inseln am Persischen Golfe. Von bedeutendem Vermögen und großen Schätzen ist nicht die Rede, da das Eigentum keinen Schutz hat. Man rechnet im Handel auf 30-50 Proz. Gewinn; Geld auf Zinsen auszuleihen verbietet der Koran. Künste und Wissenschaften haben, wenigstens unter der heutigen Bevölkerung A.s, keinen Boden, kaum das Handwerk. Es giebt nur einige Hufschmiede und Sattler; daneben Gerberei und Weberei. In den Städten werden Töpferwaren, Feuerwaffen, einige Seiden- und Wollstoffe gefertigt.

Verkehrswesen. Die wichtigsten Pilgerstraßen sind folgende: 1) Die syr. Haddsch von Konstantinopel über Kleinasien nach Damaskus, dann 30 Tage Marsch bis Medina über El-Hidschr oder Medaïn-Salich. 2) Die ägypt. Haddsch von Kairo über die Wüste El-Tih im Küstenland bis Dschidda, dem Hafen von Mekka, jetzt meist per Dampfer von Sues nach Dschidda. 3) Die pers. Haddsch, früher von Bagdad quer durch A. nach Mekka, seit dem Wahhâbitenkriege zur See um A. herum nach Dschidda, oder über Täbris, Konstantinopel, oder über Teheran, Erzerum, Damaskus. 4) Die marokk. Haddsch durch Nordafrika nach Ägypten, oder zur See von Alexandria nach Dschidda. 5) Jemen-Dschidda. 6) Von Singapur nach Dschidda. 7) Aus Afrika nach Dschidda oder Hodeida. Von Mekka nach Medina führen zwei Straßen, eine östliche, eine westliche, beide unsicher.

Geschichte. Die Geschichte der Araber vor Mohammed ist wegen ihrer geringen Verbindung mit der übrigen Welt von wenig allgemeinem Interesse. Die Ureinwohner A.s (Aditen, Thamuditen u. s. w.) werden Bâïde, d. h. die untergegangenen Völker, genannt und über sie wie über die alte Geschichte A.s überhaupt sind unter den arab. Historikern viele Fabeln entstanden. Die südl. Araber werden von Kahtân, dem Joktân des Alten Testaments, die nördlichen von Ismael, dem Sohne Abrahams, abgeleitet, der sich in den mit den Kahtaniden verwandten Dschorhomstamm einheiratete. Die Kahtaniden werden daher vorzugsweise Araber, die Ismaeliden Mostariba (fälschlich Mozaraber) genannt. Kahtans Sohn Jarob war der erste, der sich der arab. Sprache bediente. Im Altertum hatte sich nur im südlichen A. einige Kultur, Städte- und Staatsleben herausgebildet. Die Bewohner trieben Ackerbau, und durch ihren Handel mit Räucherwerk, Gold, Edelsteinen, Elfenbein u. s. w. standen sie in Verbindung mit Indien, Persien, Syrien und Abessinien. Die Inschriften nennen die Könige Südarabiens aus den teils neben-, teils nacheinander herrschenden Dynastien der Sabäer, Minäer und Himjariten; 525 n. Chr. wurde die Unabhängigkeit des Landes durch äthiop. Invasion, später nach kurzer Restauration 634 durch die Mohammedaner vernichtet. (S. Sabäer.) Im mittlern und nördlichen A. hausten die Bewohner in nomadischer Verfassung. Mannhaft verteidigten die Araber jahrtausendelang die ererbte Freiheit gegen alle Angriffe der morgenländ. Eroberer. Weder