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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Arabien (Litteratur)

die babylon. und assyr., noch die ägypt. und pers. Könige vermochten sie zu unterjochen. Alexander d. Gr. wurde an einem Zuge gegen die Araber durch den Tod gehindert. Hingegen gelang es aus dem Süden nach nördl. Richtung wandernden Stämmen in Mesopotamien und Syrien eine allerdings von Persern und Römern abhängige Herrschaft zu begründen; die herrschenden Familien waren dort die Lachmiden (s. d.), hier die Ghassaniden (s. d.), welche ihren Einfluß weit nach dem Süden hin auf die arab. Stämme erstreckten. Drei Jahrhunderte nach Alexander rückten die Römer an die Grenzen A.s, und Trajan drang 107 in das Innere ein. Wenn es auch nicht gelang, A. zur röm. Provinz zu machen, so blieben doch wenigstens die nördl. Teile in Abhängigkeit von den Kaisern, und die dort befehlenden arab. Fürsten wurden als deren Statthalter angesehen. Freier erhielten sich die alten Sabäer in Jemen, gegen die ein Zug zur Zeit des Augustus unter Älius Gallus mißlang. Mit der Schwäche der röm. Monarchie vermehrte sich in A. wieder das Streben nach Unabhängigkeit, die sich auch durch eine Vereinigung der arab. Stämme leicht hätte erlangen lassen. Aber die arab. Stämme blieben innerlich gespalten und brachten viele Jahrhunderte in innern Kämpfen zu, während welcher ihr Land der Schauplatz jener ritterlichen, von ihren Dichtern vielfach besungenen Fehden war. Das Christentum fand unter den dem Götzendienste ergebenen Arabern wenig Eingang. Nichtsdestoweniger zählte es unter einigen Stämmen (Taglib, Tajj u. a. m.) Anhänger, deren christl. Bekenntnis jedoch nur sehr oberflächlich war. Im Süden (Nedschran) und im Norden hatte sich das Christentum festere Sitze geschaffen. Hier standen mehrere Bischöfe unter dem Metropoliten zu Vosra im Ostjordanlande. Hira, unfern des Euphrat, zählte viele arab. Christen und Klöster, und der arab. König Nomân ibn al-Mundsir nahm nicht lange vor Mohammed das Christentum an. Auch die Juden waren seit der Zerstörung Jerusalems in A., namentlich um und nördlich von Medina angesiedelt. Auch waren sie in Jemen verbreitet, wo sie im 5. Jahrh. Einfluß gewannen. Der letzte nationale Fürst von Jemen, der von den christl. Äthiopiern gestürzte Dsu Nuwâs (490-525 n. Chr.), war jüd. Glaubens.

Mit dem Auftreten Mohammeds beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte des arab. Volks, welches, jetzt zum erstenmal zu einem Ganzen geeinigt, seitdem jahrhundertelang eine bedeutende Rolle in der Weltgeschichte übernahm und seine natürlichen Grenzen überschritt, um Reiche in drei Weltteilen zu gründen (s. Mauren und Chalif). In Asien erblich der Glanz der geschichtlichen Stellung der Araber mit dem Sturze des Chalifats zu Bagdad (1258). Länger beeinflußten die Araber die Geschicke Nordafrikas und des südwestl. Europa, welches letztere erst um 1492 die letzten Mauren wieder auf afrik. Boden zurückschlug. Das Innere A.s selbst bot während der Zeit der auswärtigen Kämpfe wenig mehr als die bedeutungslose Geschichte einiger Beduinenstämme und die Schicksale der jährlich nach Mekka strömenden Karawanen. Nach dem Untergange des arab. Weltreichs versank das Land in gänzliche Erschöpfung. Es entstanden, namentlich in Südarabien, eine Menge kleiner Feudalherrschaften, wie sie noch in neuerer Zeit die Imame von Sana und Maskat vergegenwärtigen. An geschichtlichen Ereignissen sind nur wenige hervorzuheben, wie die Unterwerfung Jemens durch die Türken (1570) und deren Wiedervertreibung 1630-40, die Oberherrschaft der Portugiesen 1508-1659 über Maskat, die Herrschaft der Türken über Hedschas und dessen Gefährdung durch die Perser am Ende des 16. Jahrh. Dann endlich griff im 18. Jahrh. das Auftreten der Wahhâbiten (s. d.) wieder neu belebend in die Geschichte der arab. Halbinsel ein. Der moralische Einfluß dieser Ereignisse wirkt noch gegenwärtig fort, der politische war bald vernichtet durch das Eingreifen des ägypt. Paschas Mehemed Ali (1811). Über die Geschichte der größern arab. Staatengründungen außerhalb A.s s. die Artikel: Afrika, Ägypten, Algerien, ferner auch Almoraviden und Almohaden, Omajjaden.

Litteratur. Die vorislamische Geschichte A.s hat nach Materialiensammlungen und Beiträgen von Marigny, Pococke, Rasmussen, de Sacy, Förster (Historical geography of Arabia, 2 Bde., Lond. 1844) mit ausgiebiger Benutzung der alten Quellen zuerst im Zusammenhang behandelt Caussin de Perceval (Essai sur l'historie des Arabas avant l'Islamisme, 3 Bde., Par. 1847-49). - Die alte Geographie A.s ist durch Sprenger (Bern 1875) erschöpfend behandelt worden. Den auf vorislamische Geschichte bezüglichen Teil des Geschichtswerks von Al-Tabari hat Nöldeke (Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sasaniden, Leid. 1879) übersetzt und kritisch bearbeitet; nach inschriftlichen Quellen hat Eduard Glaser eine "Skizze der Geschichte und Geographie A.s von den ältesten Zeiten bis zum Propheten Muhammad" (Heft 1, Münch. 1889; 2. Bd., Berl. 1890) entworfen. - Die Nachrichten über die vorislamischen Kulturzustände A.s, welche sich bei griech. und röm. Geographen und Historikern, sowie in den Werken der Byzantiner finden, sind zwar sehr dürftig und zum Teil ungenau und untereinander widersprechend, nichtsdestoweniger konnten sie vielfach zur Beleuchtung der aus altarab. Poeten und aus alten überlieferten Berichten zu erschließenden Thatsachen dienen. Das Familienrecht des heidnischen A. und seine Entwicklung hat in diesem Sinne W. Robertson Smith dargestellt (Kinship and marriage in early A., Cambridge 1885); vgl. auch G. Wilken, Het Matriarchaat bij de oude Arabieren (Amsterd. 1884; deutsch Lpz. 1884). Die religiösen, kulturellen und socialen Verhältnisse behandeln Sprenger, Das Leben und die Lehre des Mohammad, Bd. 1 (Berl. 1861); Krehl, Über die Religion der vorislamischen Araber (Lpz. 1863); Wellhausen, Reste arab. Heidentums (Berl. 1887); Goldziher, Muhammed. Studien, 1. Tl. (Halle 1889). Die Geschichte des Islam unter den Arabern ist außer in den Werken von Weil, Muir, Sprenger, Nöldeke, Krehl, Wellhausen über Mohammed (s. d.) am eingehendsten dargestellt worden von Dozy, Historie des Musulmans d'Espagne (4 Bde., Leid. 1861; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1874). Ferner sind zu erwähnen: Weil, Geschichte der Chalifen (5 Bde., Heidelb. und Stuttg. 1846-62); Kremer, Kulturgeschichte des Orients unter den Chalifen (2 Bde., Wien 1875-77); Aug. Müller, Der Islam im Morgen- und Abendland (2 Bde., Berl. 1885-87). - Über die Erdkunde A.s und die neuern Kulturzustände vgl. die Reisewerke: Niebuhr, Beschreibung von A. (Kopenh. 1772) und dessen Reisebeschreibung nach A. (Bd. 1 und 2, ebd. 1774 -78; Bd. 3, Hamb. 1837); Burckhardt, Travels in