Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arabische Litteratur; Arabische Litteratur; Arabische Sprache und Litteratur; Arabischer Meerbusen; Arabisches Gummi; Arabisches Meer

787

Arabische Litteratur - Arabische Sprache und Litteratur

verschiedenen Bogenformen (s. Taf. I, Fig. 3 und 6; II, Fig. 7). Die Schmuckformen sind reich und geistvoll. Das Ornament schwankt zwischen geradlinigen Verschlingungen und stark stilisiertem Blattwerk (Arabeske) und ist von hohem koloristischem Reiz. Außer den Moscheen sind die Grabmäler (Chalifengräber zu Kairo, s. Taf. II, Fig. 4) und die Schloßbauten bedeutend: die Alhambra (s. d.) und Generalife in Granada, der Alcazar zu Sevilla (s. Taf. I, Fig. 5), die Schlösser Zisa und Kuba in Sicilien, der Palast des Großmogul zu Dehli (s. Taf. II, Fig. 7). In der figürlichen Bildnerei und Malerei steht die A. K. infolge der Abneigung der Mohammedaner gegen bildliche Darstellungen zurück. Doch fehlt es nicht gänzlich an Arbeiten, wie die steifen Löwen des Löwenhofes in der Alhambra u. a. beweisen. Um so reicher ist das ornamentale Kunstgewerbe ausgebildet. Seidenstoffe, Teppiche, Stickereien, eingelegte, auch getriebene Arbeiten, Fayencen, Lederarbeiten sind meist aus der A. K. in die europäische übergegangen. Mit dem Stillstand des Mohammedanismus verfiel auch die Lebenskraft der A. K. Jedoch hat sie sich in Spanien zum Teil auf die christl. Besieger der Mauren im sog. Mudejarstil (s. d.) übertragen. - Vgl. Girault de Prangey, Monuments arabes et moresques d'Espagne (Par. 1839); Villa Amil und Escosura, España artistica y monumental (3 Bde., Madr. 1842-59); Prisse d'Avennes, L'art arabe d'après les monuments du Kaire depuis le 7e siècle (Par. 1869 fg.): A. F. von Schack, Poesie und Kunst der Araber (2 Bde., 2. Aufl., Stuttg. 1877); Le Bon, La civilisation des Arabes (Par. 1883); J. J. Hittorf und L. Zanth, Architecture moderne de la Sicile (ebd. 1835); Caveda, Geschichte der Baukunst in Spanien (deutsch von P. Heyse, hg. von Kugler, Stuttg. 1858); Monumentos arquitectónicos di España (Par. 1860 fg.); J. von Hammer-Purgstall, Constantinopolis und der Bosporus (2 Bde., Pest 1822); J. Franz Pascha, Die Baukunst des Islam (im "Handbuch der Architektur", Darmst. 1889).

Arabische Litteratur, s. Arabische Sprache und Litteratur.

Arabischer Meerbusen oder Arabischer Golf, s. Rotes Meer.

Arabisches Gummi (Gummi arabicum), s. Gummi.

Arabisches Meer (auch Grünes Meer, Meer von Oman, Persisches Meer, angemessener Indisch-Arabisches Meer genannt), der nordwestlichste Teil des Indischen Oceans, der von der Somalküste, von den Küsten Arabiens, Persiens, Belutschistans, Vorderindiens und im S. von dem 10.° nördl. Br. begrenzt wird. Nördlich reicht es bis zu 25° nördl. Br. hinauf und hat in der Richtung der Meridiane eine Ausdehnung von etwa 1650 km, während es in der Richtung der Parallelen am offenen Südeingange 2700 km, in der Mitte 3370, im Hintergrunde 900 km mißt. Die Tiefen betragen zwischen 55 und 70° östl. L. von Greenwich 4-5000 m, von den Lakkediven bis Maskat 3-4000 m, an der Küste Vorderindiens unter 200 m. Gegen W. erstreckt es sich als Meerbusen von Aden mit über 2000 m Tiefe noch über den Eingang der Straße von Bad el-Mandeb (durch die es mit dem Arabischen Meerbusen oder dem Roten Meere in Verbindung steht) hinaus und schneidet mit dem Golf von Tedschura tief in die Küste von Adal ein. Im äußersten NW., wo es auch Bahr Oman oder Meer von Oman genannt wird, welchen Namen man auch für das ganze Meer gebraucht, entsendet es zwischen Arabien und Iran den seichten Persischen Meerbusen (s. d.), und an der Nordostecke bildet es die Golfe von Katschh (Cutch) und Cambay, zwischen denen die ind. Halbinsel Gudschrat (Guzerate) liegt. Abgesehen von Vorderindien, von Maskat in Oman und von Aden, sind seine Küsten öde und ohne bedeutende Häfen; gleichwohl ist es, namentlich seit Errichtung der Überlandpost, durch den Dampfschiffahrtsverkehr zwischen Sues, Aden und Bombay sehr belebt. Der Segelschiffahrt bieten die bei dem Wechsel des sommerlichen Südwest- und des winterlichen Nordostmonsuns eintretenden veränderlichen Winde, Windstillen und Orkane erhebliche Schwierigkeiten dar. Durchschnittlich braucht ein Segelschiff von Aden nach Bombay für eine Strecke von 3780 km zwischen 20 und 27 Tage, ein Dampfer 7 Tage. Nur zwei große, aber für den Verkehr zwischen der Küste und dem Binnenlande wenig bedeutende Ströme senden diesem Meere ihre Wasser zu: der Indus unmittelbar, der Schat el-Arab (Euphrat-Tigris) durch den Persischen Meerbusen. An Inseln ist das A. M. arm, die vorhandenen, Sokotra und die Lakkediven, sind für den Handelsverkehr ohne alle Bedeutung. Erst seit Ptolemäus ist für dieses wie überhaupt für das östl. Weltmeer der Name Indischer Ocean im Gebrauch. Früher hieß es Erythräisches Meer, d. h. Rotes Meer, worin auch der Persische Meerbusen, nicht aber der Arabische Meerbusen oder das jetzt so genannte Rote Meer einbegriffen war.

Arabische Sprache und Litteratur. Die arab. Sprache bildet mit der äthiopischen den südl. Zweig (südsemit. Sprachen) des semit. Sprachstammes und ist außer ihrem Heimatland Arabien über einen großen Teil Vorderasiens, über Ägypten und das übrige Nordafrika verbreitet. Sie ist hinsichtlich ihres Wortvorrats die reichste semit. Sprache und hat unter allen Sprachen dieses Stammes die Fülle der grammatischen Formen am längsten bewahrt. Was wir gewöhnlich "arabische Sprache" nennen, ist ursprünglich die Sprache der nord- und mittelarab. Stämme, von der sich im Altertum die verwandte Sprache der Südaraber (Himjariten, Sabäer, s. d.) unterschieden hat; die letztere, innerhalb deren sich gleichfalls dialektische Unterschiede konstatieren ließen, ist in den südarab. Inschriftendenkmälern aufbewahrt; kümmerliche lebende Reste hat man in verkommenen Volksdialekten im südl. Arabien (Ehkili) erkannt.

Die ältesten schriftlichen Denkmäler des Nordarabischen hat man in neuester Zeit bis 1000-1200 Jahre vor Mohammed zurückgeführt; sie sind in jenen durch Charles Doughty und Julius Euting in Arabien entdeckten inschriftlichen Denkmälern vorhanden, die in einem mit dem südarab. eng zusammenhängenden Schriftcharakter geschrieben sind, aber in sprachlicher Beziehung von den südarab. Denkmälern getrennt werden müssen. Sie werden lihjânische Inschriften genannt; den ersten Versuch, sie zu entziffern und zu erklären, machte Joseph Halévy (1884); auf breiterer Grundlage hat dies neuerdings David Heinrich Müller unternommen: "Epigraphische Denkmäler aus Arabien" (mit 12 Tafeln, Wien 1889).

Das Verbreitungsgebiet der arab. Sprache hat sich bereits vor dem Islam nördlich bis nach Mesopotamien erstreckt. Diese große Ausdehnung läßt uns dialektische Unterschiede innerhalb dieses