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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arabische Ziffern

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Arabische Ziffern

Al-Firuzabâdî. Ein Kommentar zum Kâmûs, der aber den Wert eines selbständigen Werkes besitzt, ist der Tâdsch al'arus von Murtada al-Zabidi (gest. 1791), von dem eine neue vollständige Ausgabe in 10 Bänden in Kairo 1306 der Hidschra erschienen ist. Desgleichen hat man in Kairo die Ausgabe des größten arab. Lexikons, das als eine der Quellen von Lanes Wörterbuch gedient hat, das Lisân-al'Arab, bewerkstelligt. Als sehr brauchbar ist endlich noch das Werk Muhit al-Muhit vom christl. Gelehrten in Beirut Petrus al-Bistânî (2 Bde., Beirut 1870) zu nennen.

Sehr bedeutend sind die auf philologischem Gebiete hervorgebrachten Arbeiten; sie beziehen sich auf die richtige Überlieferung der alten Poesie, auf deren sprachliche und sachliche Exegese, auf die Erforschung der histor. und antiquarischen Realien des arab. Altertums. Das Verständnis der alten Poesie wäre uns ohne diese exegetischen Hilfsmittel kaum möglich. Demselben Bestreben verdanken auch einige philol. Handbücher ihr Entstehen, unter welchen wir hervorheben die Werke Al-Mubarrads (gest. 898), Ibn Durejds (s. d., gest. 933), Al-Mejdânis (gest. 1124) Sammlung und Erklärung der arab. Sprichwörter ("Kitâb al-amthâl", Bulak 1284 der Hidschra, 2 Bde.; arabisch und lateinisch hg. von Freytag, 3 Bde., Bonn 1838-42), Ibn al-Anbârîs (gest. 1181) "Liber de vocabulis arabicis quae plures habent significationes inter se oppositas" (Houtsma, Leid. 1881). Die ins Arabische eingedrungenen Fremdwörter behandelte Al-Dschawâlikî (gest. 1145) in seinem Al-Mu'arrab (hg. von Sachau, LpZ. 1867). Die ganze philol. Arbeit der vorangehenden Generationen faßte in vielseitiger Weise nach der grammatischen, lexikologischen, litterarhistor., sprachphilos. Richtung zusammen der berühmte ägypt. Vielschreiber Al-Sujutî (gest. 1505) in seiner lehrreichen Encyklopädie Al-Muzhir fi'ulûm al-lugha (2 Bde., Bulak 1282 der Hidschra).

Eine Eigentümlichkeit der arab. Litteratur ist das sog. Adab, d. h. feine Sitte, das Sammeln von wissenswerten philol., histor. und litterar. Daten und Anekdoten, deren Kenntnis dem gebildeten Menschen nützlich und förderlich ist. Mehr oder weniger umfassende Werke sind: Al-Wasschâs (lebte um 860-936) Kitâb al-Muwasschâ (hg. von Brünnow, Leid. 1886), des Spaniers Ibn Abd Rabbihi (gest. 939) Al'Ikd al-farîd und des Nordafrikaners Al-Hußri (gest. 1061) Zahr al-âdâb (3 Bde.; beide zusammen hg. Bulak 1293 und Kairo 1302 der Hidschra), Al-Zamachscharis (1144) Rabi' al-abrâr (Kairo 1292 der Hidschra), Al-Ibschihis (um 1400) Al-mustatraf (2 Bde., ebd. 1292 der Hidschra) und eine große Anzahl anderer Werke, die das Gebiet des "Adab" in größerm oder kleinerm Umfange umfassen.

Seit dem 13. Jahrh. hat die arab. Litteratur wenig Klassisches und Originelles hervorgebracht; auf den meisten Gebieten herrscht die Kompilation vor. Im 19. Jahrhundert macht sich vielfach der Einfluß europ. Wissenschaft und Kultur bemerkbar. Gelehrte in Ägypten und Syrien, hier namentlich christl. Litteraten, haben unter diesem Einfluß eine neue Richtung der Litteratur inauguriert. Es sind zu erwähnen: Michael Sabbagh aus Syrien, Scheich Rifâ'a aus Kairo (gest. 1873), ein ägyptisch-mohammed. Gelehrter mit europ. Bildung, der als Lehrer und Schriftsteller (u. a. eine Beschreibung europ. Sitten) sehr anregend wirkte; der syr. Christ Nâßif al-Jâzidschî aus Beirut, der zu Sacys Ausgabe des Harirî kritische Bemerkungen schrieb ("Epistola critica", arabisch und lateinisch von Mehren, Lpz. 1848) und diese Kunstform glücklich nachgeahmt hat (Beirut 1856), der bereits erwähnte Petrus al-Bistânî, der außer seinem Wörterbuch verschiedene Zeitschriften, Lehrbücher, zuletzt ein arab. Konversationslexikon (Dâïrat al-ma'ârif) herausgab; endlich der größte arab. Philolog der Neuzeit, der mohammed. Konvertite aus Syrien Ahmed Fâris, der eine überaus fruchtbare philol. und publizistische Thätigkeit entfaltete (gest. 1887 in Konstantinopel). Die in seinem arab. Journal Al-Dschawâïb erschienenen wichtigen politischen, socialen und belletristischen Artikel sind in 7 Bänden gesammelt erschienen (Konstantinopel 1288 fg. der Hidschra). Eine andere Litteraturgattung besteht zumeist in Übersetzungen aus europ. Sprachen und läuft mit der entsprechenden, auf Nachahmung europ. Wesens sich beschränkenden Kulturrichtung parallel. Selbst Jules Vernes "Reise um die Erde in 80 Tagen" (Alexandr. 1885) und Perraults "Barbe-bleue" (Algier 1880), Molieres Lustspiele (Kairo 1307 der Hidschra) haben arab. Übersetzungen erfahren. Auch die journalistische Litteratur blüht in arab. Sprache; es erscheinen Zeitungen in Arabien, Syrien, Ägypten, Algier, Tunis, sowohl politische als auch litterarische; selbst ein illustriertes Witzblatt fehlt nicht.

In unserm Jahrhundert hat sich, unterstützt von gelehrten Gesellschaften, Regierungen und Stiftungen, eine rege Thätigkeit in der Herausgabe der wichtigsten Werke der arab. Litteratur entfaltet. Auch einige orient. Druckereien in Beirut und Kairo wetteifern in der Herausgabe von wichtigen Litteraturdenkmälern mit den Bestrebungen der europ. Wissenschaft. Eine Übersicht dieser letztern Thätigkeit bietet am besten der "Catalogue périodique de livres orienteux" der Leidener Buchhandlung E. J. Brill (bisher 8 Hefte, Leid. 1883-89). Seit dem Beginn des engl. Einflusses liefert auch Indien viele Grundwerke der arab. Litteratur. Sehr reich sind die europ. Bibliotheken an arab. Handschriften, von denen jetzt zum großen Teil wissenschaftliche Kataloge bekannt gemacht sind. Bemerkenswert ist auch der Katalog, der großartigen Handschriftensammlung der vicekönigl. Bibliothek in Kairo, von dem bisher 6 Bände (Kairo 1301-8 der Hidschra) erschienen sind.

An einer zusammenfassenden Litteraturgeschichte fehlt es bisher; sie ist versucht worden durch Hammer-Purgstall, dessen "Litteraturgeschichte der Araber" (7 Bde., Wien 1850-56) jedoch mit großer Vorsicht zu benutzen ist. Einen Überblick über die litterar. Thätigkeit in arab. Sprache bietet für die ältere Zeit das bibliogr. Werk Kitâb al-Fihrist des Ibn Abî Jakub al-Nadîm (schrieb 987), hg. von Flügel, nach dessen Tode besorgt von Rödiger und Müller (2 Bde., Lpz. 1871-72), ferner die umfassende bibliogr. Encyklopädie des Hâdschi Chalfa hg. und übersetzt von Flügel (7 Bde., Lpz. und Lond. 1835-58). Das bis 1860 im Druck Erschienene ist in Zenkers "Bibliotheca orientalis" (2 Bde., Lpz. 1846-61) zusammengestellt; ein ausgezeichnetes Hilfsmittel für die Übersicht alles dessen, was in weitestem Umfange über Arabien, Land und Litteratur geschrieben, und aus der einheimischen Litteratur durch den Druck veröffentlicht wurde, gewährt der "Catalogue de la Bibliothèque de Silvestre de Sacy" (bearbeitet von Merlin, 3 Bde., Par. 1842-47).

Arabische Ziffern nennt man die ursprünglich arabisch-indischen, jetzt allgemein gebräuchlichen