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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arago; Aragon; Aragona; Aragonien

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Arago (François Victor Emmanuel) - Aragonien

kaden. Durch Einfluß seines Bruders François wurde er 1848 Direktor der Posten. In dieser Stellung, die er nur bis zum 10. Dez. desselben Jahres innehatte, führte A. die Freimarken und einen einheitlichen Portotarif für Frankreich ein (vgl. seine Schrift Les postes en 1848, 1867). In der Konstituierenden Versammlung stimmte er mit der Bergpartei. Bei dem verunglückten Aufstande 13. Juni 1849 als Nationalgardenoffizier beteiligt, flüchtete er nach Belgien und lebte dann in Holland, England und Sardinien, bis ihm die Amnestie von 1859 die Rückkehr nach Paris gestattete. 1865-70 war er Theaterrecensent des "Avenir national". Nach dem Sturz des Kaiserreichs 4. Sept. 1870 wurde A. Maire von Paris. Er eignete sich wenig für diesen schwierigen Posten und trat infolge der Unruhen vom 31. Okt. zurück, weil er den Meuterern Zugeständnisse gemacht hatte, an die sich die Regierung nicht gebunden hielt. 1878 wurde er Archivar der Ècole des beaux-arts, später Direktor des Luxembourg-Museums. Er starb 5. März 1892 in Paris. Aus der Zeit des Exils stammen die Dichtungen "Spa, son origine, son historie ect." (Brüss. 1851) und "Une voix dans l'exil" (Genf 1860). Später veröffentlichte er u. a. den Roman "Les Bleus et les Blancs" (2 Bde., 1862).

Arago, François Victor Emmanuel, franz. Advokat und Staatsmann, ältester Sohn von Dominique François A., geb. 6. Juni 1812 zu Paris, hatte, nachdem er die Rechte studiert und bis 1837 für die Bühne litterarisch thätig gewesen war, als Advokat in polit. Prozessen (1839 Barbès, s. d.) eine gewisse Berühmtheit erworben, als er 1848 von der Provisorischen Regierung zum außerord. Kommissar der Republik im Rhônedepartement ernannt wurde. Er war dann Mitglied der Konstituierenden und Gesetzgebenden Versammlung, wo er der neuen Bergpartei beitrat. Franz. Gesandter in Berlin (Mai bis Dez. 1848), gab er seine Entlassung bei der Nachricht von der Wahl Louis Napoleons zum Präsidenten. Während des Kaiserreichs gehörte er zu dessen heftigsten Gegnern, verteidigte den Polen Berezowski, der 6. Juni 1867 in Paris auf Alexander II. von Rußland schoß, und trat im Nov. 1869 in das Corps législatif ein, wo er 1870 der erste war, der die Kriegserklärung mißbilligte. Infolge der Ereignisse vom 4. Sept. 1870 erhielt A. einen Ministerposten ohne Portefeuille, dann das Portefeuille der Justiz; 1871 war er kurze Zeit Minister des Innern. In der Nationalversammlung stimmte er mit der republikanischen Linken, zu deren einflußreichsten Mitgliedern er gehörte; 1876 wurde er zum Senator gewählt; 1880-94 war er Botschafter in Bern. Bei der Wahl eines Präsidenten der Republik 27. Juni 1894 erhielt er 27 Stimmen.

Sein Bruder Alfred A., geb. 20. Juni 1816, widmete sich unter Delaroche der Malerei und erwarb sich durch einige Bilder, z. B. Karl V. in St. Just, Die Erholung Ludwigs XI., Der Blinde, einen Namen. 1852 wurde er Generalinspektor der schönen Künste. Er starb 6. Febr. 1892.

Arago, Jacques Etienne, franz. Schriftsteller, Bruder von Dominique François und Etienne A., geb. zu Estagel 10. März 1799, machte als Zeichner auf der "Uranie" unter Freycinet die Reise um die Welt mit (1817-21). Dann war er in Bordeaux und Toulouse als Journalist thätig. Als Theaterdirektor in Rouen (1835-37) erblindete A., doch schrieb er auch nach Aufgabe der Stellung für die Bühne; auch unternahm er weitere Reisen. Von seinen Reisewerken seien genannt: "Promenade autour du monde pendant les anées 1817-20" (2 Bde., 1822, mit Atlas), "Voyage autour du monde" (2. Aufl., 2 Bde., 1843), "Voyage d'un aveugle en Californie et dans les régions aurifères" (1851). Ferner schrieb er: "Physiologies du foyer de tous les théatres de Paris" (1841) und den Scherz "Voyage autour du monde sans la lettre A" (1853). A. starb im Jan. 1855 in Brasilien.

Aragon, linker Nebenfluß des Ebro in dem nach ihm benannten Aragonien und in Navarra, entspringt in den Pyrenäen am Col de Somport in 2000 m Höhe, durchfließt zunächst das Hochgebirgsthal von Canfranc in südl. Richtung, tritt nahe der Bezirksstadt Jaca (736 m) aus den Pyrenäen, wendet sich westlich und nimmt in dieser Richtung im Valle de Berdun zwischen den Pyrenäen im N. und der ihnen vorgelagerten Sierra de la Peña seinen Lauf, empfängt hierbei rechts den Esca, fließt links am Bad Tiermas vorbei, tritt bald darauf über nach Navarra und schlägt hier einen vorwiegend südwestl. Weg ein, empfängt nun rechts oberhalb Sanguesa den Irati von N., durchbricht dann einige Vorketten der Pyrenäen, nimmt abwärts von Marcilla rechts den Arga auf, wendet sich gen SSO. und mündet nach 192 km Lauf unterhalb Milagro.

Aragon, Land, s. Aragonien.

Aragona, Stadt in der ital. Provinz Girgenti auf der Insel Sicilien, Knotenpunkt der Linie Girgenti-Catania der Sicil. Bahnen, hat (1881) 9647, als Gemeinde 12 621 E. In der Nähe der Schlammvulkan Maccalubi und reiche Schwefelminen.

Aragonien, span. Aragon, Generalkapitanat des nordöstl. Spaniens, mit dem Titel eines Königreichs (el reino de Aragon), wird im N. durch die Centralpyrenäen von Frankreich geschieden, grenzt im NW. an Navarra, im W. an Alt- und Neucastilien, im S. und SO. an Valencia, im O. an Catalonien und zerfällt in die drei Provinzen Saragossa, Teruel und Huesca, mit zusammen 47 391,08 qkm und (1887) 912 197 E. Saragossa ist die Hauptstadt von A., Sitz des Generalkapitäns, des Erzbischofs und der Landesuniversität; die altere von Huesca ist eingegangen. Vier Bischöfe residieren in Huesca, Teruel, Jaca und Tarazona. In südöstl. Richtung durchfließt als Hauptstrom der Ebro die Provinz, der, von den nördl. Höhen Altcastiliens kommend, bei Novillas unterhalb Tudela in A. eintritt. Rechts nimmt er in A. den Jalon mit dem Jiloca bei Torres de Berrellen und den Guadalope bei Caspe, links unterhalb Saragossa den Gallego und bei Mequinenza den Segre mit dem Noguera-Pallaresa, dem Noguera-Ribagorzana (Grenzfluß zwischen A. und Catalonien) und dem Cinca auf. Die Schiffahrt vermittelt der Kaiserkanal. (S. Ebro.) Der Aragon (s. d.) gehört nur in seinem Oberlauf zu A. und mündet in Navarra. Die Provinz zerfällt in die Ebene zu Seiten des Hauptstroms und das nördl. und südl. gebirgige Oberaragonien. Die mittlere Ebene, besonders links vom Ebro, die Bardenas del Rey und die Altos del Castellar sowie die Sierra de Alcubierre und Los Monegros sind eine öde Steppe. Ungeheure Strecken, auch des besten Bodens, liegen wüst und sind mit Disteln und Gestrüpp bedeckt und mit zahlreichen Trümmern ehemaliger Wohnstätten, die infolge der Auswanderungen nach der