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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arcus senilis; Arcuscosinus; Arcussinus; Arda; Ardahan; Ardai; Ardakan; Ardaschir; Ardatow; Ardea; Ardeb; Ardebil; Ardèche

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Arcuscosinus - Ardèche

Paris, auf dem südl. Seineufer, im jetzigen Quartier Latin, wo er von seinen Truppen 360 n. Chr. zum Augustus ausgerufen wurde. Die berühmte neuere Wasserleitung, die sich mit 28 Brückenbogen in einer Länge von etwa 400 m durch das Bièvrethal hindurchwölbt, ließ Ludwig XIII. 1613-24 von J. Debrosse errichten, um dasselbe Wasser nach den Gärten seines Palastes (des jetzigen Luxembourg) hinzuführen. Im Mai 1871 richteten die Truppen der Pariser Commune im College zu A. ein Blutbad an.

Arcuscosinus, Arcuscotangens, s. Cyklometrische Funktionen.

Arcus senilis (lat.), s. Gerontoxon.

Arcussinus, s. Cyklometrische Funktionen.

Arda, Fluß in der europ. Türkei, durchfließt in engem Längsthale das Rhodopegebirge in östl. Richtung und mündet in die Maritza bei Adrianopel. Sie ist 192 km lang, ihr Gebiet umfaßt 6350 qkm; im Unterlaufe ist sie schiffbar.

Ardahan (georgisch Artaan). 1) Bezirk im Gebiet Kars im russ. Transkaukasien, nimmt den östl. Teil des Gebietes ein und hat 5491,3 qkm mit 43 643 E., meist Türken, dann Kurden, Karakalpaken, Griechen, Turkmenen, Russen (1036) u. a. - 2) Bezirksstadt von 1, an der Kura, 1835 m hoch gelegen, hat (1891) 778 E., Post, in Garnison das 151. Infanterieregiment, war bis 1877 eine starke Festung der Türken, an der sich die Wege nach Batum, Achalzich, Kars, Erzerum vereinigten. Im Kriege 1877-78 wurde sie von 20 000 Russen belagert und 16. und 17. Mai unter den Generalen Dewel und Heiman erstürmt. Nach dem Frieden kam A. zu Rußland.

Ardai, s. Ardev.

Ardakan, Artacana des Altertums, Stadt in der pers. Provinz Irak-Adschmi, 100 km nordwestlich von Jesd auf der Straße nach Ispahan, in 1125 m Höhe, hat (1879) nach General A. Houtum-Schindler 8-9000 E. und ist mit Mauern und Türmen befestigt.

Ardaschir, Ruinenstätte des alten Artaxata (s. d.).

Ardatow. 1) Kreis im russ. Gouvernement Nishnij Nowgorod, nimmt den südwestl. Teil des letztern ein und hat 6018 qkm mit 133 747 E. und fünf große Eisenwerke, die 1887 ziemlich 2 Mill. Pud Eisen lieferten. - 2) Kreis im russ. Gouvernement Simbirsk, nimmt den westl. Teil desselben ein und hat 4521,1 qkm mit 203 006 E., davon etwa die Hälfte Mordwinen, 109 griechisch-kath. Kirchen, 3 Moscheen. - 3) Kreisstadt von 1, am Lemet, hat (1889) 5312 E., Post; Montanindustrie, Ziegelbrennerei und Ackerbau. - 4) Kreisstadt von 2, am Flusse Alatyr, 175 km westnordwestlich von Simdirsk, hat (1885) 4652 E., Post, Telegraph, eine Schule, ein Hospital; Talgschmelzereien, Gerbereien, Malzdarren.

Ardea, Reiher (s. d.).

Ardeb, ein dem Altertume entstammendes Getreidemaß mehrerer Gegenden des Morgenlandes, namentlich Ägyptens. Der ägyptische A. zerfällt in 6 Auibeh, Wehbih oder Usbeck, der Auibeh in 2 Keleh oder Kelah oder 4 Rub oder Robba (Rob, Viertel); also hat der A. 24 Rub. Er ist an den einzelnen Handelsplätzen von verschiedener Größe; jedoch bedient man sich bei der Ausfuhr meist des A. von Kairo, der 183 l enthält und beim Weizen = 300 -310 Rotoli = 133½-138 kg gerechnet wird. Dieser A. ist gesetzlich allein zulässig. 2 ägyptische A. = 1 Daribba. Der A. von Alexandria enthält 271 l, der von Rosette 290 l. Der A. von St. Jean d'Acre in Syrien enthält an Gewicht 254 2/3 kg. Auch in Abessinien ist ein A. von verschiedener Größe gebräuchlich. Der A. von Massaua enthält etwa 10,5 l, der von Gondar nur etwa 4,4 l.

Ardebil oder Erdebil, feste Stadt im nordöstl. Teile der pers. Provinz Aserbeidschan, in 1365 m Höhe, an dem in den Aras mündenden Kara-su und am Fuße des Sawalanberges (4813 m). Die Blütezeit der Stadt fällt in die Regierung der Sefewidendynastie (Sofis). Ihre Lage auf einer kühlen Hochebene, in fruchtbarer Umgebung von Obstgärten, Weingeländen, Ackerfluren und Wiesen, der Besitz von Mineralquellen hat sie jederzeit zu einem Lieblingsaufenthalte des pers. Hofs gemacht. Der Ahnherr derselben, Scheich Sefi (gest. 1334) und der erste König dieser Familie, Schah Ismael (gest. 1523), haben hier Mausoleen. Olearius und Chardin schildern sie 1635 als eine der blühendsten Städte des damaligen Persiens. Zu Anfang des 19. Jahrh. war sie der Sitz des Hoflagers des Prinzen Abbas Mirza, der sie damals unter Leitung des franz. Generals Gardanne nach europ. System befestigen ließ, damit sie als Hauptgrenzfestung gegen Rußland diene. Wiederholte Erdbeben haben die Stadt in neuerer Zeit in Trümmer gelegt, doch sollte 1872 die Einwohnerzahl wieder auf 20 000 gestiegen sein. Im russ.-pers. Kriege (1826-28) fiel sie den Russen in die Hände, ging aber, die schöne nach Petersburg entführte Bibliothek ausgenommen, nach dem Frieden von Turkmantschai wieder in pers. Besitz über. Als Grenzstation der Handelsstraße von Täbris nach Lenkoran ist sie für den kaspisch-pers. Handel wichtig. - Vgl. Radde, Reisen an der Persisch-Russischen Grenze (Lpz. 1886).

Ardèche (spr. ardähsch), Departement in Südfrankreich, nach dem Flusse A., einem Nebenfluß der Rhône, benannt, umfaßt den nördlichsten Teil vom alten Languedoc, die Landschaft Vivarais, und liegt zwischen Cevennen (Depart. Lozere) und Rhône (Depart. Drôme), den Depart. Loire und Haute-Loire im N. und Gard im S., hat 5526 qkm, (1891) 371 269 E., darunter 536 Ausländer, und zerfällt in die 3 Arrondissements Largentière, Privas und Tournon mit 31 Kantonen, 339 Gemeinden. Bevölkerungsbewegung des Jahres 1888: 10 758 Geburten, 8667 Todesfälle. Hauptstadt ist Privas (s. d.), der volkreichste und betriebsamste Ort Annonay (s. d.). Es ist größtenteils gebirgig und gehört dem Centralplateau an. Vom Rhônethal (90 m) steigt der Boden nach Westen zu über Montagne-de-Coirons zu dem Cevennenkamme (vulkanischer Mont-Mezenc 1754 m), der Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Atlantischem Ocean. Die hauptsächlich aus Gneis, Sandstein, Schiefer und Kalk bestehenden Gebirge sind meist von Eruptivgestein, besonders von Basalt durchbrochen und zertrümmert und bieten einen außerordentlichen Reichtum von malerischen Schönheiten (s. Antraigues) und geolog. Merkwürdigkeiten dar. Das Departement ist sehr reich an Mineralien. Eisen liefern die Minen von Lavoulte, wo auch Hochöfen stehen, die von Veyras und die schon von den Römern ausgebeuteten von Aubenas; Steinkohle (1889: 40 915, 1888: 36 393 t) findet sich an mehrern Orten, Antimon zu Malbosc, Silber bei Largentière, Bleiglanz in verschiedenen Gegenden, Kupfer bei Pranles; Kalkbrüche bei Crussol, Marmor von Cruas; Porphyr, Kaolin u. s. w. Berühmte und besuchte Mineralquellen sind zu Vals, Celles, Lavoulte, Neyrac, St. Laurent-les-Bains, St. Georges. Das Oberland hat 6-8 Monate Winter, wenig Getreide, aber gute Viehweiden. Dagegen besitzen das