Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arkadier; Arkandisciplin; Arkanist; Arkansas

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Arkadier - Arkansas

der Musik) und Wissenschaft wenig pflegten und in dem Rufe der Gastlichkeit, Sittenreinheit und Frömmigkeit, aber auch der Beschränktheit und Roheit standen. Neuere Dichter, besonders die Verfasser von Schäfergedichten, wie der Italiener J. Sannazaro und seine Nachahmer, haben A. als ein Land paradiesischer Unschuld, patriarchalischer Sitteneinfalt und friedlichen Glücks dargestellt und zum Schauplatze ihrer Dichtungen gewählt. In polit. Beziehung zerfiel A. im Altertum in einzelne Landschaften, die, voneinander unabhängig, zu einem sehr lockern Bunde vereinigt waren; die bedeutendem darunter waren die von Tegea, Mantinea, Orchomenus, Stymphalus, Phenëus, Klitor, Psophis, Heräa, Phigalia und die ländlichen, eines größern städtischen Mittelpunkts entbehrenden Landschaften der Mänalier und Parrhasier. In der griech. Geschichte hat A. keine größere Bedeutung gehabt, sondern sich auf die Verteidigung seiner Unabhängigkeit gegen die Nachbarstaaten, besonders gegen Lakonien beschränkt. Den Versuch, einen Einheitsstaat in A. zu schaffen, machte 371 v. Chr. Epaminondas durch die Gründung der Stadt Megalopolis (s. d.); allein der Versuch mißglückte, und die neue Hauptstadt selbst kam allmählich so herab, daß man sie spottend "die große Einöde" nannte. Auch die Bevölkerung der übrigen Landschaft sank infolge der Wirren des 4., 3. und 2. Jahrh. so bedeutend, daß, als der Peloponnes von den Römern in Besitz genommen wurde, ein großer Teil der frühern Ortschaften völlig unbewohnt erschien. Zur Zeit der Völkerwanderung hatte A. durch die Einfälle der Goten viel zu leiden; im 8. Jahrh. ward das dünn bevölkerte Land von Slawen besetzt, die aber allmählich die griech. Sprache annahmen. Im 14. Jahrh. fand die Einwanderung der Albanesen statt; diese haben ihre Sprache und Sitte noch jetzt zum Teil bewahrt.

Jetzt ist A. eine der fünf peloponnes. Nomen des Königreichs Griechenland mit 4301 qkm, (1889) 148 285 E. und der Hauptstadt Tripolis; es umfaßt vier Eparchien (Bezirke): Mantinea, Kynuria, Gortynia und Megalopolis; die Bewohner treiben außer Viehzucht und Ackerbau besonders Wein- und Haschischbau. - Vgl. Schwad, Arkadien (Stuttg. 1852); Curtius, Peloponnesos, Bd.1 (Gotha 1851); Bursian, Geographie von Griechenland, Bd. 2 (Lpz. 1872); Immerwahr, Die Kulte und Mythen A.s (Bd. 1, ebd. 1891).

Arkadier, die Bewohner Arkadiens (s.d.). Ferner Bezeichnung der Mitglieder einer Akademie (Accademia degli Arcadi) in Rom, die aus dem litterar. Kreise hervorging, den die Königin Christine von Schweden um sich versammelt hatte, der aber mit deren Tode (1689) auseinander gegangen war. Die Eröffnungssitzung fand 5. Okt. 1690 in den Gärten des Klosters San Pietro in Montorio auf dem Janiculo statt. An der Spitze stand ein custode, zuerst Crescimbeni (s. d.). Man legte sich griech. Schäfernamen bei (Goethe, seit 1788 Mitglied, hieß Megalio), rechnete nach Olympiaden, benannte alles dem antiken Schäferleben entsprechend, und schuf vorzugsweise Hirtengedichte. Der ausgesprochene Zweck war, dem schwülstigen Geschmacke der Schule Marinos entgegenzuwirken; aber indem man das Einfache und Natürliche suchte, verfiel man in Albernheiten, die den A. den Stempel sprichwörtlicher Lächerlichkeit aufdrückten. Crescimbeni veröffentlichte "Le vite degli Arcadi illustri" (5 Bde., Rom 1708-25). Die Akademie beschäftigt sich jetzt meist mit wissenschaftlichen Fragen. Bei festlichen Anlässen erscheinen "Olimpiadi"."- Vgl. Bertana, L'Arcadia della scienza (Parma 1890).

Arkandisciplin, s. Arcandisciplin.

Arkanist, s. Arcanist.

Arkansas (spr. arkännßäs), nächst dem Missouri der bedeutendste Nebenfluß des Mississippi in Nordamerika, entspringt unter 39° nördl. Br. unweit des Mount-Lincoln in der Sawatch Range der Rocky-Mountains, durchfließt Colorado und Kansas in östlicher, das Indianerterritorium und den Staat A. in südöstl. Richtung und mündet nach etwa 3000 km vielgekrümmten Laufes bei Napoléon in den Mississippi. Seine Nebenflüsse sind Big Sandy Creek, Verdigris und Neosho von links und Las Animas, Salt Fork und die bedeutendern Cimarron und Canadian River von rechts. Der A. ist bis tief in das Indianerterritorium für Dampfer schiffbar.

Arkansas (Abkürz. Ark.), Staat im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika, zwischen 33° und 36° 30' nördl. Br. und 89° 30' und 94° 30' westl. L. von Greenwich, grenzt im N. an Missouri, im W. an das Indianergebiet und Texas, im S. an Louisiana und umfaßt 139 466 qkm. Die Bevölkerung betrug (1890) 1 128 179 (585 755 männl., 542 424 weibl.) E., d. i. 8 auf 1 qkm, darunter 311 220 Farbige und 300 Indianer. 1860 wurden nur 435 450 E. gezählt. Der östl. Teil am Mississippi ist tief und flach, von üppiger Vegetation und mit ausgedehnten Wäldern, aber zugleich reich an Sümpfen, die sich bei den Überschwemmungen bilden und, im Sommer austrocknend, die Luft höchst ungesund machen. Gesund ist das nordwestliche A.; hier tritt das Ozarkgebirge in das Land, das sich von Little Rock aus in nordwestl. Richtung erstreckt (480-630 m hoch). Der mittlere Teil von A. ist hügelig und besitzt ausgedehnte Prairien. Die Kohlenformation bedeckt den ganzen nordwestl. Teil. Löß begleitet den Mississippi in breiter Zone. A. besitzt mehr schiffbare Wasserstraßen als irgend ein anderer Unionsstaat. Außer dem Mississippi ist hervorzuheben der Arkansas (s. d.), der White-River mit dem Black-River, der St. Francis, Red-River und Washita. Das Klima des Landes ist gemäßigt, aber im Spätherbst und Winter schroffem Wechsel durch die kalten Nordwinde unterworfen. Im Frühjahr und Sommer kommen schwere Gewitter vor. Die Grenzen der Temperatur in Little Rock sind -10° und +36° C.; das Mittel im Winter +8°, im Sommer +27° C. Im Sommer ist die Hitze oft 40-50 Tage lang hintereinander über 32° C. Der Regenfall betrug (1887) 1,2 m. Heiße Quellen kommen bei Hot-Springs (s. d.) vor. Wild giebt es in Menge, namentlich in den Ozarkbergen. Hirsche sind häufig und auch Bären finden sich noch gelegentlich. Die Gewässer sind sehr fischreich. Die Industrie ist noch unentwickelt; die Schätze von Kohlen, Manganerzen, Antimon, Eisen, Blei, Zink, Kupfer u. s. w. werden nur wenig ausgebeutet, obgleich bedeutende Fortschritte gemacht werden. Am Washita finden sich Lager des besten Ölsteins. Die Ausbeute von Kohlen betrug 1880: 14 778, 1886: 175 000, 1889: 200 000 t. Haupterwerbszweig ist Ackerbau, der 83 Proz. der Einwohner beschäftigt. Die Ernte von 1890 betrug 579 000 Ballen Baumwolle zu 25 283 000 Doll., 33 443 000 Bushel Mais zu 21 738 000 Doll., 3 967 000 Bushel Hafer zu 2 102 000 Doll., 1 575 000 Bushel Weizen zu 1 544 000 Doll. Obst wird vielfach gezogen und ist