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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aster; Asteria; Asteriae; Asterie; Asterisch; Asteriscus

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Aster - Asteriscus

Eine weit größere blumistische Bedeutung hat die einjährige A. chinensis L., besser Callistephus chinensis Nees., der chinesische Schönkranz, von den Herbstastern botanisch nur durch den aus sparrig abstehenden, blattartigen, zungenförmigen Schuppen gebildeten Hüllkelch unterschieden. Diese Art wurde etwa um 1732 aus China in Frankreich eingeführt, wo sie zuerst im Jardin des plantes in Paris blühte. Das Blütenköpfchen bestand aus einer gelben Scheibe, umgeben von einem einreihigen Strahl lilafarbiger Blüten. Seitdem hat diese A. sich mannigfaltig entwickelt, in der Färbung, die fast alle zwischen dem reinsten Weiß und dem lebhaftesten Karmin-, fast Scharlachrot einerseits und dem dunkelsten Violett liegenden Nuancen andererseits darstellt, in der Bildung der Blütenköpfchen, in denen das Füllungselement (die Blüten der Scheibe) in verschiedener Weise ausgebildet ist, bald als lang vorgezogene, geschlossene oder dütenförmig geöffnete Röhren, bald als schmalere oder breitere blumenblattartige Gebilde, in dem bald spitz-, bald stumpfwinkligen Ansatz der Äste, durch den in der Hauptsache der Habitus der Pflanze bestimmt wird, in der Größe der Blumen, die je nach den Rassen zwischen 3 und 12 cm schwankt, in der Höhe des Busches, die bei den Zwergastern 10 cm, bei andern Formen fast 60 cm erreicht, in der besondern Modellierung der Blumen, in der Art, in der sie sich zur Gesamtwirkung vereinigen.

In den Samenbau treibenden Städten, wie Erfurt, Quedlinburg u. s. w., werden mehr als 4000 Sorten A. gezogen. Das gesamte Asternsortiment bietet für eingehende morpholog. Studien ein so reiches Material dar, wie kaum eine andere Pflanzenart. Die A. liebt einen lockern, nahrhaften Boden. Man sät sie im April in das Mistbeet oder in Töpfe und pflanzt sie im Mai in das Land, wo sie ohne Unterbrechung vom Juli bis in den Herbst hinein blüht.

Aster, Ernst Ludw. von, preuß. General der Infanterie und Chef des preuß. Ingenieurkorps, geb. 5. Okt. 1778 zu Dresden, trat 1794 in das sächs. Ingenieurkorps, wurde 1800 Offizier und wohnte 1806 dem Feldzuge gegen Frankreich bei. 1810 brachte er einen Entwurf für die Befestigung Torgaus nach Paris und erwarb sich bei der Besprechung mit Napoleon dessen Gunst. 1811 zum Major befördert, machte A. im folgenden Jahre den Feldzug gegen Rußland mit und wurde 1813 zum Oberstlieutenant und Chef des Generalstabes in Torgau ernannt. Nach der Schlacht bei Großgörschen trat er in russ. Dienste über. Bei der Reorganisation der sächs. Truppen ward er Oberquartiermeister, später Chef des Generalstabes beim 3. deutschen Armeekorps und 1814 Oberst. Er trat 1815 als Oberst in das preuß. Ingenieurkorps über, diente in dem Feldzuge dieses Jahres als Chef des Generalstabes beim 2. preuß. Armeekorps und war in den Schlachten bei Ligny und Waterloo sowie bei den Belagerungen der franz. Festungen beteiligt. Noch in demselben Jahre ward er zum Generalmajor und Generalinspecteur der preuß. Festungen ernannt. Nach der von ihm geschaffen neupreuß. Befestigung wurden die Festungswerke von Koblenz und Ehrenbreitstein erbaut und später die übrigen Festungen Preußens verstärkt. Seine Grundsätze sind: gänzliche Verwerfung der einseitigen Befestigungsmanieren, sorgfältigste Benutzung des Terrains und Erhebung der Festungen zum Kampfplatz. Er sorgte daneben für die technische Ausbildung des Ingenieurkorps und die Vorbildung der Infanterie und Artillerie für den Festungskrieg. 1825 erfolgte seine Ernennung zum Kommandanten von Koblenz und Ehrenbreitstein, 1827 zum Generallieutenant, 1837 zum Mitgliede des Staatsrats und 1842 zum General der Infanterie. 1844 wurde ihm der Schwarze Adlerorden und damit der Adel verliehen. 1849 erhielt A. den erbetenen Abschied und starb 10. Febr. 1855 zu Berlin. Das Hauptwerk auf der Pfaffendorfer Höhe bei Koblenz führt nach ihm den Namen Asterstein. Aus A.s Nachlaß erschienen: "Nachgelassene Schriften" (2. Aufl., 5 Bde., Berl. 1878). - Vgl. von Bonin, Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen (2 Tle., Verl. 1878).

Aster, Karl Heinr., Bruder des vorigen, geb. 1782 zu Dresden, diente von 1796 bis 1834 in der sächs. Artillerie und starb 1855 zu Dresden als sächs. Oberst a. D. Einen Namen hat er sich als Militärschriftsteller erworben, u. a. durch "Lehre vom Festungskriege" (3. Aufl., Dresd. 1835), "Schilderung der Kriegsereignisse vor und in Dresden im J. 1813" (ebd. 1844), "Die Gefechte und Schlachten bei Leipzig" (Lpz. 1852-53).

Asteria (d. h. die zu den Sternen gehörige), Tochter des Titanen Koios und der Phoibe, durch Perses Mutter der Hekate, wurde, weil sie die Liebe des Zeus nicht erwiderte, in eine Wachtel verwandelt und ins Meer gestürzt, wo sie zur Wachtelinsel Ortygia wurde. Die Insel, später mit Delos gleichgesetzt, ist eigentlich im äußersten Westen, dem Lande des Untergangs der Gestirne, lokalisiert, so daß A. wohl, ebenso wie ihre Mutter Phoibe und ihre Tochter Hekate, als eine Mondgöttin zu betrachten ist.

Asteriae, s. Seesterne.

Asterie oder Sternsaphir, s. Saphir.

Asterisch (grch.), gestirnt, mit Sternen besät sternähnlich; ferner auch von den Sternen herrührend, auf die Sterne bezüglich.

Asteriscus Mönch, Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit wenigen Arten, vorzugsweise im Orient; krautartige Gewächse oder Halbsträucher mit kleinen gelben, meist an den Spitzen der Zweige stehenden Blütenköpfchen. Die interessanteste Art ist der A. pygmaeus Coss. et Dur. in Palästina, hauptsächlich um Jericho häufig. Die Blütenköpfchen haben ähnliche Eigenschaften wie die Jerichorose benannte Anastatica hierochuntica L. (s. Anastatica.) Der Vorgang des Öffnens und Schließens der Blütenköpfchen geht bei A. pygmaeus noch viel schneller vor sich als bei den Zweigen der Anastatica hierochuntica. In den Wappen mehrerer franz. Adelsfamilien ist diese Art und nicht die jetzt allgemein so bezeichnete Anastatica als Jerichorose dargestellt, was in A. pygmaeus die Jerichorose der Pilger mit mehr Recht vermuten läßt.

Asteriscus (grch. Asteriskos), d.i. Sternchen (*), bei den griech. Grammatikern ein kritisches Zeichen, das Aristophanes von Byzanz Stellen ohne Sinn, Aristarch und andere wiederholt vorkommenden Stellen da beifügten, wo sie am richtigen Platze zu sein schienen, während man bei Wiederholungen am unrechten Orte, die demnach zu tilgen sind, den Obelos oder Obeliskos (- oder †) setzte. In neuern Abdrücken älterer Schriften braucht man ebenfalls ein oder mehrere Sternchen zur Andeutung von Lücken im Texte. In der neuern Sprachwissenschaft setzt man ein Sternchen vor nicht wirklich vorkommende, sondern nur erschlossene sprachliche Formen. In Drucken werden Sterne und