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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Atlantischer Ocean

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Atlantischer Ocean

Vgl. Martin, Études sur le Timée de Platon, Bd.1 (Par. 1841); Susemihl in den «Jahrbüchern für Philologie», Bd. 71 (Lpz. 1855); Clarke, Examination of the legend of the Atlantis in reference to protohistoric communication with America (Lond. 1886).

In der Geologie wurde mit dem Namen A. von Unger und von Heer eine hypothetische Landmasse zwischen Amerika und Europa bezeichnet, die zur Erklärung gewisser Eigentümlichkeiten der Flora der Tertiärzeit in Europa dienen sollte. In ähnlicher Weise hat später Neumayr Südamerika mit Europa durch Land zu einem Kontinent verbunden, um Übereinstimmungen in der Meeresfauna jurassischer Ablagerungen zu erklären. Auch zur Deutung der Eiszeit (s. d.) hat man eine A. herbeigezogen. Diese Vermutungen sind nicht genügend begründet (s.Lemuria).

Atlantischer Ocean oder Atlantisches Meer (so benannt wie die fabelhafte Insel Atlantis [s. d.] nach dem Atlas, der am westl. Ende der Erde gedacht ward), derjenige Teil des Weltmeers, der die Alte Welt auf ihrer Westseite von der Neuen Welt trennt und seine Hauptausdehnung von N. nach S. hat (vgl. dazu die Karte: Atlantischer Ocean). Die Inselbildung ist gering, etwas reicher nur an den Küsten Nordamerikas und Europas. Wichtigere Stationen sind: Island und die Färöer zwischen Europa und dem polaren Amerika; die Azoren und die Bermudagruppe zwischen Europa und dem mittlern und südl. Nordamerika; Ascension, St. Helena, Trinidad und Tristan da Cunha zwischen Afrika und Südamerika; die Falklandsinseln, Südgeorgien und Sandwichsland zwischen Südamerika und den antarktischen Gestaden.

Ausdehnung und Grenzen. Die von dem A. O. bedeckte Fläche umfaßt nach Karstens (1894) 79892393 qkm, mit den Nebenmeeren (Mittelländisches Meer, Ostsee, Nordsee, Kanal, Irisch-Schottische See, St. Lorenzgolf, Golf von Mexiko und Karibisches Meer) aber 89959829, mit dem Nördlichen Eismeer 102959829 qkm. Die Länge von N. nach S. beträgt 13335 km, die größte Breite 9000 km zwischen Senegambien und dem Busen von Mexiko; die geringste 1500 km zwischen Norwegen und Grönland. Als Grenzen gelten die beiden Polarkreise im N. und S. und die Meridiane am Kap Agulhas und Kap Hoorn gegen O. und W.

Das Becken des A. O. ist erst in neuerer Zeit einigermaßen erforscht worden. In der idealen Mittellinie zwischen den Küsten der Alten und Neuen Welt liegen einzelne stäche Rücken von etwa 1000 bis 3000 m Tiefe, während die Mitteltiefe des Gesamtbeckens nach Karstens mit den Nebenmeeren und dem Nördlichen Eismeer 3161, ohne dieselben 3763 m beträgt. Der nördlichste Rücken ist die sog. Kabelplatte, auf 51° nördl. Br. und von 30° bis 40° westl. L. sich erstreckend, mit 2700 m Tiefe; südlich schließt sich hieran der Azorenrücken, bis etwa 35° nördl. Br. reichend. Getrennt durch größere Tiefen liegt südlich des Azorenrückens die Atlantische Platte zwischen 40-50° westl. L. und 20-30° nördl. Br. Dann zeigen sich erst wieder flachere Stellen unter dem Äquator, der sog. Äquatorialrücken, dessen höchste Erhebung die Insel St. Paul ist, sowie südlich von diesem, in 15° westl. L. bis zu 40" südl. Br. reichend, der sog. Challengerrücken. Von den beiden Mulden zwischen der Rückenlinie und den Festlandsküsten ist die westliche nach den bisherigen Beobachtungen die tiefere und reicht auch in zwei Armen nördlich bis an die Grenze des A. O., indem in der Dänemarkstraße zwischen Island und Grönland Tiefen bis zu 2900 m und zwischen Grönland und Labrador bis zu 4500 m gemessen worden sind. Weiter südlich nimmt diese Mulde an Tiefe zu; östlich von Neuyork fand man bis 6770 m (3700 Faden) und unmittelbar am Rande der Antillengruppe, nur 1° nördlich von Anegada, wurden durch die Challenger-Expedition 7086 m (3875 Faden) gemessen, überhaupt zeichnet sich der Ostrand der kleinen Antillengruppe durch den steilen Abfall zu großen Tiefen aus, und auch die Kanäle zwischen denselben besitzen mehrfach außerordentliche Tiefen, z. B. zwischen St. Thomas und Sta. Cruz 4720 m (2580 Faden); viele derselben gehen unter 2000 m hinab. Die größte Tiefe des A. O. wurde von "Blake" 1885 nördlich von Portoriko auf 19° 39' nördl. Br. und 66° 26' westl. L. zu 8341 m gemessen. Weiter südlich finden sich auf dieser Seite des A. O. meist Tiefen von 4000 bis 4500 m. Zu den tiefsten bekannten Stellen in der südl. Westmulde gehören 5° östlich von den Martin-Vaz-Inseln die Tiefen von 4900 und 6000 m. Die östl. Mulde scheint nicht über die durch die Färöer bezeichnete Grenze hinauszureichen; denn die größte zwischen diesen und Island gemessene Tiefe erreichte nur an einer Stelle 1544 m, blieb aber sonst meist auf ungefähr 500 m. Auch ihre Tiefe nimmt nach S. allmählich zu; in der Breite des Kanals beträgt sie bis 4500 m, nordwestlich von Madeira etwa ebensoviel, und wächst unter 30° nördl. Br. bis auf 6293 m. Im südlichen A. O. liegt die größte Tiefe mit 7370 m unter dem Äquator und 19" westl. L.; weitere große Tiefen zeigt die westl. Rinne vom Äquator bis 10° südl. Br., meist über 6000 m, während die östl. Rinne 5600 m nicht übersteigt und durch einen von der Goughinsel nordöstlich ziehenden Streifen in zwei Teile getrennt wird. An die Küsten tritt der A. O. im allgemeinen mit ziemlich bedeutenden Tiefen heran, namentlich ziehen sich Mulden von über 4000 m in den Busen von Biscaya und in die Nähe der Straße von Gibraltar. Dagegen erstrecken sich mehrfach große Untiefen weit hinein, wie z. B. die Bank von Neufundland mit weniger als 200 m Wasser. Die 200-Meterlinie läuft aus dem Biscaischen Meerbusen in einem Bogen um die brit. Inseln herum bis in die Nähe der norweg. Küsten. Im allgemeinen ist der Boden des Meers außerordentlich eben, steilere Abhänge haben sich bis jetzt fast nur in der Nähe der Küsten nachweisen lassen. - Die heraufgebrachten Proben des Grundes zeigen in der Nähe der Küsten meist Sand und Lehm, selten Felsboden; in größern Tiefen ist der Boden fast ausschließlich bedeckt mit Pflanzen- und Tierresten, namentlich den kieseligen und kalkigen Schalen kleiner Diatomeen, häufiger aber, von 1000 bis 2200 m an, gewisser Foraminiferenformen (grauer Thon, Globigerinenschlick, s. Kammerlinge), von 2200 m an tritt der rote Tiefseethon auf, der wesentlich aus den kieseligen Schalen und Schalenresten von Radiolarien oder Strahlingen (s. d.) besteht. Der Tiefseeurschleim (Bathybius) Huxleys und Haeckels hat sich als ein Kunstprodukt herausgestellt.

Das Wasser des A. O. hat ein spec. Gewicht von 1,0267, und die aufgelösten Salze betragen ungefähr 3,62 Proz. In den Passatzonen steigert sich der Salzgehalt infolge des Mangels an Niederschlägen bis auf 3,79 Proz., während er in der Davisstraße durch Beimengung des Schmelzwassers von Gletschern und Eisfeldern auf 3,32 Proz. sinkt.