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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Au besoin; Aubergine; Aubervilliers; Aubigne; Aubigné; Aubigny; Aubin

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Aubergine - Aubin

Komposition, welche ihm die Mängel seiner Kunstbildung zum Bewußtsein brachten; infolgedessen studierte er unter Cherubini Komposition. Eine Frucht davon war unter anderm eine Messe, aus der er später eine Nummer (das Gebet) in seine «Stumme vou Portici» herübernahm. Er trat endlich 1812 mit «Julie» und 1813 mit «Leséjour militaire» als Opernkomponist an die Öffentlichkeit, errang aber erst 1820 mit der Oper «La bergère chatelaine» einen vollständigen Erfolg. Ihr folgte 1821 die Oper «Emma ou la promesse imprudente», die ebenfalls Glück machte. In allen Opern dieser ersten Periode lehnt sich A. noch an die Italiener, namentlich an Isouard. A. trat 1822 mit Scribe in Verbindung, durch dessen an Ideen arme, aber an Intriguen reiche Libretti er von Jahr zu Jahr Fortschritte in der Gunst des Publikums machte. Der ersten aus dieser Verbindung hervorgegangenen Oper, «Leicester» (1822), folgten gegen 30 andere, von denen sich ein Teil, wie «Le maçon» («Maurer und Schlosser», 1825), «La muette de Portici» («Die Stumme von Portici», 1828), «Fra Diavolo» (1830), «Gustave» («Der Maskenball», 1833), «Le domino noir» (1837), «Le lac de fées» (1839), «Les diamants de la couronne» (1841), «Carlo Broschi ou la part du diable» (1843) u.s.w., auch außerhalb Frankreichs noch immer auf der Bühne erhalten hat. Die letzte Oper, zu der Scribe das Libretto geliefert, «La fiancèe du roi Garbe» wurde im Frühjahr 1867 zur Aufführung vorbereitet, und seine letzten Opern überhaupt sind «Le premier jour de bonheur» (1868) und «Le rève d'amour» (1869). Nachdem er von 1842 bis 1870 Direktor des Pariser Konservatoriums gewesen war und unter Ludwig Philipp sowie unter Napoleon III. das Amt eines Hofkapellmeisters bekleidet, auch seit einer langen Reihe von Jahren der Pariser Akademie der schönen Künste als Mitglied angehört hatte, starb er 13. Mai 1871 zu Paris. Sein Denkmal (Marmorstatue von Delaplanche) zu Caen wurde 10. Juni 1883 enthüllt. Die Hauptwerke A.s liegen in der mittlern Periode von 1820 bis 1843. In dieser Zeit war er der klassische Vertreter der franz. 0péra comique, ausgezeichnet durch Leichtigkeit und Grazie. Schon in dieser Zeit macht sich aber der Hang zur Bequemlichkeit und die Hinneigung zu pikanten Effekten gewöhnlichster Art nachteilig bemerkbar. Durch die Abnutzung scharfer Rhythmen und Dissonanzen hat er den Verfall der feinern Opéra comique vorbereitet. Das einzige Werk, in dem A. die Scheu vor Anstrengung überwunden und sein Talent voll entfaltet hat, ist «Die Stumme».

Aubergine (frz., spr. obärschihn), chines. und japan. Thonwaren mit blauroter Glasur.

Aubervilliers (fpr. obärwilljeh) oder Notre-Dame des Vertus, auch Les Vertus, Dorf im Kanton und Arrondissement St. Denis des franz. Seine-Departements, 8 km nördlich von Paris, in der Ebene von St. Denis, hat (1891) 24757, als Gemeinde 25022 E., Fabrikation von chem. Produkten, Kautschuk, Pappe, gefirnißtem Leder, Parfümerien, Glas, sowie Brauereien und Gießereien. In der Nähe eins der detachierten Forts von Paris.

Au besoin (frz., spr. o besoäng), nötigenfalls.

Aubigne (spr. obinjeh), Theod. Agrippa d', franz. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 8. Febr. 1552 als Sohn eines prot. Edelmanns zu St. Maury in der Saintonge, erhielt eine gelehrte Erziehung. Er rettete sich, wegen seines Glaubens mit dem Feuertode bedroht, nach Orleans, zeichnete sich bei dessen Belagerung aus und ging nach Genf, wo er unter Beza studierte. Dann griff er mit Condé zu den Waffen, kam nach dem Frieden nach Paris und entging der Bartholomäusnacht, weil er infolge eines Duells geflohen war. Nach seiner Rückkehr schloß er sich Heinrich von Navarra an, begleitete ihn nach Guyenne (1576) und wurde sein Mitstreiter und Berater; dann Statthalter von Maillezais (seit 1589) und Viceadmiral der Küsten von Poitou und Saintonge. A. sah mit Schmerz den übertritt des Königs zum Katholicismus und schrieb voll Zorn gegen die Konvertiten und Lauen die Flugschrift «Confession catholique du Sire de Sancy» (Par. 1660 u. 1693); auch nach dem Edikt von Nantes trug er die Fahne des Protestantismus hoch. Während der Religionskriege (1577-94) war A.s Poet. Meisterwerk «Les Tragiques» entstanden (gedruckt 1616; Neudruck Par. 1856; hg. von Read, ebd. 1872); unter dem Einfluß von Ronsards Schule gedichtet, aber originell, stellt es in sieben Satiren die Leiden des Vaterlandes dar und feiert in rauhen, kraftvollen Versen die Opfer der prot. Sache. Nach Heinrichs Ermordung (1610) wurde A. als Statthalter in Saintonge lebend, wegen Widerspruchs gegen die Regentschaft Marias von Medici der Ämter entsetzt. Halb wider Willen schloß er sich der neuen prot. Bewegung an, die zum Vertrage von Loudun (1616) führte (s. Hugenotten). In St. Jean d'Angély vollendete er seine «Histoire universelle 1550 -1601, dédiée à la postérité» (3 Bde., Maillé 1616-20), ein Werk, das trotz des persönlichen Standpunktes nicht ohne Gerechtigkeit geschrieben ist; es wurde nach Parlamentsbeschluß von Henkershand verbrannt. A. floh 1620 nach Genf; seine Feinde erwirkten ein Todesurteil in contumaciam (1623). Hier starb er, bis zuletzt rüstig, 29. April 1630. Sein letztes Werk ist eine gegen den äußern Schein (grch. phainesthai) des Hoflebens in Gesprächform geschriebene Satire «Les aventures du baron de Faeneste» (Maillé 1617; Neudruck von Mérimée, Par. 1855). Nach seinem Tode erschienen im Druck: «Le printemps, poëme de ses amours, stances et odes» (neuerdings hg. von Read, Par. 1874); «Sa vie à ses enfants» (1557 - 1618), hg. als «Histoire secrète, écrite par lui-mème» (2 Bde., Köln 1729-31; Amsterd. 1731) und als «Mémoires» (von Lalanne, Par. 1854 u. 1889), deutsch von Huber (Tüb. 1780), ferner in Schillers «Histor.Memoiren», Bd.9 (Jena 1795),und von Baum (Berl. 1854). Gesamtausg. der «Œuvres» (mit Glossar u. s. w.) von Réaume und de Caussade (6 Bde., Par. 1873-93).

Vgl. Henke, A. d'A. (im «Histor. Taschenbuch», 1873); Réaume, Étude historique et litéraire sur A. d'A. (Par. 1883); von Salis, A. d'A. (Heidelb. 1885); Morillot, A. d'A. (Par. 1885); G. Guizot, A. d'A. (ebd. 1890).

A.s Sohn, Constant d'A., Baron von Surimeau, geb. um 1584, trat zur kath. Kirche über. Er starb 1645 auf der Insel Martinique und ist der Vater der Marquise von Maintenon (s. d.).

Aubigné, Merle d', s. Merle d'Aubigné.

Aubigny (spr. obinjih), s. Richmond (Familie).

Aubin (spr. obäng), Hauptstadt des Kantons A. (69,65 qkm, 4 Gemeinden, 18756 E.) im Arrondissement Villefranche des franz. Depart. Aveyron, in 240 m Höhe, an der Linie Capdenac-Rodez der Orléansbahn, hat (1891) 1882, als Gemeinde 9052 E., alte Kirche (12. Jahrh.), Schloßruine,