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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Auswachsen; Auswachsen des Getreides; Auswanderung

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Auswachsen - Auswanderung

Städten sind gewisse Handlungen jahrelang in sogenanntem A. begriffen, wahrend sie immerfort ihre Artikel neu anfertigen lassen oder zukaufen.

Auswachsen, f. Wirbelsäule.

Auswachsen des Getreides, das Keimen der Körner in den Ähren der in Gelege gebreiteten oder schon aufgemandelten Feldfrüchte bei anhaltendem Regenwetter. Warme Temperatur begünstigt diesen Vorgang, der nicht allein den Ertrag schmälert und den Ausdrusch erschwert, sondern auch infolge innerer Umbildungen ein Korn liefert, dessen Mehl der Gesundheit schädlich sein kann. Es ist daher ratsam, ausgewachsenes Getreide vor dein Vermahlen im Backofen oder in Riegen gründlich zu dörren, das Mehl nicht rein zu brauchen, sondern stets bis zur Hälfte mit gesundem Mehl zu vermischen, und bei der Gärung dem Teige etwas Kochsalz zuzusetzen.

Auswanderung, das vorübergehende oder dauernde Verlassen des Heimatstaates zum Zwecke der Wohnsitznahme in einem andern Lande. Von einer längere Zeit dauernden Reise unterscheidet sich die A. hauptsächlich dadurch, daß der Auswandernde in der Heimat weder Wohnsitz noch eigene Wirtschaft behält. Im jurist. Sinne wird die A., sofern sie nicht nach Kolonien des Mutterlandes gerichtet ist, erst vollendet, wenn der Auswanderer seine bisherige Staatsangehörigkeit verliert. Dieser Verlust tritt aber nicht nur durch förmliche Entlassung aus dem Staatsverbande, sondern nach den verschiedenen Gesetzgebungen auch noch unter andern Bedingungen ein, z. B. sehr häufig durch einen über eine gewisse Zeitgrenze hinaus fortgesetzten ununterbrochenen Aufenthalt im Auslande. Für die Statistik ist es immer sehr schwer, Auswanderer und Reisende scharf voneinander zu trennen. Soweit es sich um die überseeische A. handelt, giebt die Zahl der durch Auswandererschiffe beförderten Personen eine gute Grundlage. Weitere Anhaltspunkte bieten dann die Entlassungsurkunden, die Auslandspässe und besondere Ermittelungen der Ortsbehörden. Zu letztern gehört auch die Feststellung der ungesetzlichen A., die namentlich zum Zweck der Umgehung der Militärpflicht erfolgt. Gegenstück der A. ist die Einwanderung (s. d.).

Hinsichtlich der Art der A. hat man zu unter scheiden zwischen solcher, welche von einem ganzen Volke oder einem Teile desselben gemeinsam unternommen wird (Massenwanderung), und derjenigen einzelner Personen oder Familien (Einzelwanderung). Die A. geschieht entweder gewaltsam oder freiwillig, und dann namentlich aus politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Gründen.

In den ältesten Zeiten erscheint die Massenauswanderung in der Gestalt von Eroberungszügen ganzer Völkerschaften, oder als staatliche Kolonisation, wie sie z.B. von den phöniz. und griech. Städten aus in ausgedehnter Weise unternommen wurde. Im Orient kam es öfter vor, daß überwundene Volksstämme von dem despotischen Sieger zwangsweise nach neuen Wohnsitzen versetzt wurden. Das bekannteste Beispiel dieser Art bietet das Geschick der Bewohner der Königreiche Israel und Juda dar. Auch die große Völkerwanderung am Anfang des Mittelalters bestand teilweise aus einer Reihe von erzwungenen A., indem eine Völkerwelle die andere von Osten nach Westen drängte; wenn sie auch ihren Ursprung in dem wirtschaftlichen Bedürfnis nach neuem Landbesitz gehabt haben wird. Im Beginne der neuern Zeit bezeichnet die Vertreibung der Mauren aus Spanien eine Zwangsauswanderung im großen Maßstabe. Im 19. Jahrh. sind Beispiele dieser Art die Vertreibung des Indianerstammes der Seminolen aus Florida und desjenigen der Cherokees aus Georgia. Auch die Verbrecherkolonien (wie z. B. früher Botanybai) kann man auf eine Art von Zwangsauswanderungen zurückführen. Mit der erzwungenen hängt sehr nahe diejenige A. zusammen, welche durch polit. oder religiöse Bedrückung oder Verfolgung oder überhaupt durch politische oder religiöse Gründe veranlaßt wird. Beispiele von Massenauswanderung aus polit. Gründen in neuerer Zeit liefern die Wanderungen (das Trekken) der südafrik. Boers, sowie die A. der Tscherkessen. Auch die mit A. verbundene Option (Staatsangehörigkeitswahl) vieler Elsaß-Lothringer beruhte auf polit. Ursachen. Sehr häufig wurde seit der Reformation die A. durch religiöse Gründe herbeigeführt. Beispiele sind die Ansiedelung der engl. Independenten (s. d.) und Puritaner (s. d.) in den Neuengland-Staaten, oder. der franz. Protestanten infolge der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) und deren Aufnahme in Deutschland, namentlich in Brandenburg, die A. der von dem Erzbischof Firmian vertriebenen Salzburger Protestanten (1731-32); in der neuesten Zeit sind die Mennoniten wegen der Aufhebung ihrer Freiheit vom Militärdienst zahlreich aus Preußen nach Rußland und von hier aus gleichem Grunde nach Amerika ausgewandert.

Gegenwärtig sind die treibenden Gründe der A. weitaus überwiegend wirtschaftlicher Natur. Dementsprechend richtet sich im allgemeinen der Strom der Auswanderer aus den Ländern mit hochentwickelter alter Kultur nach den Gebieten mit reichen, aber noch unerschlossenen natürlichen Hilfsquellen. Hat sich auch in manchen Gegenden ein traditioneller, unternehmungslustiger Wandersinn ausgebildet, dem viele, in der Hoffnung ihr Glück zu machen, folgen, ohne in ihrer Heimat gerade von Not bedroht zu fein, so ist es doch hauptsächlich der oft durch verhältnismäßige Übervölkerung erzeugte Notstand, der größere Scharen, und zwar vorzugsweise die noch nicht ganz verarmten, energischern Elemente über das Meer treibt, übrigens wird in einem geburtenreichen Lande wie Deutschland der Überschuß der Geburten über die Sterbefälle in absehbarer Zeit auch nicht annähernd durch A. ausgeglichen, und keineswegs ist das Anwachsen der A. lediglich durch die Stärke der natürlichen Volksvermehrung bedingt. Auch zur Dichtigkeit der Bevölkerung steht die A. in keinem unmittelbaren Verhältnis. Eher verhält sich, in Deutschland wenigstens, die Größe der A. umgekehrt wie die Volksdichtigkeit der einzelnen Landesteile. So haben z. B. in Preußen die weniger dicht bevölkerten Provinzen Westpreußen, Pommern und Posen eine außerordentlich starke A., während viele der dichter bevölkerten Gegenden, namentlich die Rheinprovinz, nur wenige Auswanderer stellen. Eine im Gegensatz zu Westpreußen besonders auffallende Ausnahme macht die Provinz Ostpreußen, die bei einer nur geringen Volksdichtigkeit sich verhältnismäßig j sehr wenig an der A. beteiligt. Daß die ländliche und agrarische Bevölkerung Preußens in stärkerm Maße auszuwandern pflegt als die städtische und industrielle, hat nicht zum geringsten darin seinen Grund, daß der Erwerb eigenen Landes, besonders dort, wo der Großgrundbesitz überwiegt, der