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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Baal-Sebub; Baala; Baalat; Baalbek; Baalchamman; Baar

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Baala - Baar (Landschaft)

Markod, zwei Berggötter. Ihnen entspricht in Moab der Baal-Peor, d. h. der Gott, der auf dem Berge Peor haust. Der moabitische Ortsname Baal-Meon ist, wie der phöniz. Baal-Hermon und die israel. Baal-Chazor, Baal-Perazim u. s. w., wahrscheinlich von dem dort verehrten B. abgeleitet. Der B. von Tyrus, d. h. Melkart (s. d.), wurde in der Zeit der Dynastie Omris in Israel und Juda verehrt, während die an den alten Kultstätten des Landes bei der Einwanderung Israels von den Ureinwohnern verehrten Bealim wahrscheinlich bei Übergang dieser Kultstätten an Israel sich mit dem Volksgotte Jahwe verschmolzen haben. So mag es sich erklären, daß Hosea diese örtlichen Jahwes die Bealim nennt. Eine Spur eines solchen lokalen B. ist der Baal-Berit oder El-Berit, welcher Richter 9 als Gott der von Kanaanitern und Israeliten gemeinsam bewohnten Stadt Sichem erwähnt wird und wahrscheinlich den Eidwächter des von beiden beschworenen Bundes vorstellt. Später wird dort nur Jahwe verehrt. Auch der Gott der Kultstätte der kanaanit. Stadt Gibeon ist nach 2 Sam. 21 bereits zu Davids Zeit Jahwe. Alte Eigennamen aus Sauls und Davids Zeit aber beweisen, daß man damals Jahwe als den B. (d.h. Herrn)Israels bezeichnet hat. Der Gott der philistäischen Stadt Ekron führte den Namen Baal-Sebub. In der hellenistischen Zeit kommt an mehrern Stellen in Phönizien wie Afrika ein Kult des Baalsamem, d. h. des Himmelsbaal, vor. Dieser entspricht dem griech. Zeus, und wahrscheinlich haben hierbei griech. Einwirkungen stattgefunden. Baalchamman ist der Name eines Gottes, der namentlich in Afrika verehrt worden zu sein scheint. Da Chamman bei den alttestamentlichen Propheten die Bezeichnung eines Malsteines ist, so ist wahrscheinlich ursprünglich an den in einem solchen hausenden B. gedacht. - In Babylonien entspricht die Form Bel dem phönizischen B. Auch hier ist zunächst an einzelne, voneinander verschiedene Lokalgötter zu denken. Als Bel wird der Stadtgott von Babylon, wie der von Nippur bezeichnet. Doch scheint die mytholog. Spekulation schon frühe diese lokalen Gestalten zu einem Gotte Bel verschmolzen zu haben. - Baalat Gebal, d.h. die Herrin von Gebal, heißt die Stadtgöttin von Byblos, wie Baal Zor der Stadtgott von Tyrus und Baal Tars auf aramäischen Münzen der Perserzeit der Stadtgott von Tarsus. Auf Münzen der griech. Zeit ist eine Abbildung ihres Heiligtumes, ferner ist eine ihr gewidmete Inschrift des Königs Jechavmelech von Byblos in phöniz. Sprache erhalten. Die Göttin selbst, auch auf Münzen abgebildet, ist auf der Inschrift in ägypt. Kostüm dargestellt. Von den betreffenden als Baalat des Ortes aufgefaßten Gottheiten baben wahrscheinlich die judäischen Orte Baala, Baalat und Baalat-Beer ihren Namen. Es ist daher eigentlich falsch, von einer Göttin Baalat oder (nach griech. Aussprache) Beltis zu reden. Aus Kultmischungen dürfte es zu erklären sein, daß sich B. in Zusammensetzungen mit andern Gottesnamen findet. - Die Bezeichnungen Baalsdienst und Baalspfaffe für abgöttische und abergläubische Kulte und Priester gehen auf den alttestamentlichen Sprachgebrauch zurück. Die Propheten seit Hosea gebrauchen den Ausdruck: dem B. dienen, oder ihm opfern, für Abgötterei jeder Art.

Baala, Baal (Baale)-Juda, Stadt in Palästina, s. Kirjath-Jearim.

Baalat, s. Baal.

Baalbek (Balbek, d. i. Stadt des Baal, s. d.), gegenwärtig ein kleiner, unter einem Emir stehender Ort (2000 E.) im kleinasiat.-türk. Wilajet Syrien, in der sog. Beka'a, dem Thale zwischen Libanon und Antilibanon, am Fuße des letztern und nahe der Quelle des Litani (Leontes), 1158 m ü. d. M. Großartige, einen Raum von 4 bis 5 qkm bedeckende Tempelruinen deuten auf die berühmte Kultusstätte des Altertums; sie wurde von den Griechen Heliopolis (Stadt des Sonnengottes) genannt, ist aber erst durch Nachrichten aus dem 1. Jahrh. n. Chr. sicher bekannt. Der Kaiser Augustus machte die Stadt zu einer röm. Kolonie (Julia Augusta Felix) und gab ihr eine röm. Besatzung. Antoninus Pius und Septimius Severus sind nach den Münzen von B. wahrscheinlich die Erbauer der beiden Heiligtümer, eines größcen und eines kleinern, des sog. Sonnentempels. Der große Tempel war von einem 88 m langen und 48 m breiten, 54 korinth. Säulen zählenden Peristyl umgeben. Von diesen Säulen stehen noch sechs in 21 m Höhe. Rechnet man die von ihnen getragene Attika (4,5 m) und die die Säulen tragende Mauer (12 m) hinzu, so ergiebt sich eine Gesamthöhe von 37,5 m. Die westl. Mauer des Tempels ruht auf 3 Riesensteinen (daher Trilithon) von mehr als 19 m Länge, 4 m Höhe und Dicke. Unter ihnen ruht ein Block von 20 m Länge, über 5 m Breite und fast 4 m Höhe. Diese ungeheuern Steine sind in den nahen Steinbrüchen von B. gebrochen, in denen ein noch größerer Block, nur teilweise ausgehauen, noch heute zu sehen ist. Im O. des Tempels dehnt sich ein großer Vorhof von 120 m zu 135 m aus, an dessen Ringmauern viele Hallen und Kapellen angebaut waren. Das kleinere Heiligtum ist einschließlich der Säulenhallen 68,5 m lang und etwa 36 m breit gewesen. Von den Säulen des Peristyls stehen insgesamt noch 16 (ursprünglich 46). Die Perle des Sonnentempels ist das aus 9 Quadern bestehende Portal (12,8 m hoch und 6,4 m breit), im reichsten korinth. Stil, doch stark zerstört. Die Mauern und Säulen dieser Tempel erheben sich auf einer 300 m langen, 180 m breiten und 4-9 m hohen Plattform. Sowohl die Großartigkeit des Entwurfs als auch die Art der Ausführung ist zu bewundern, doch fehlen nicht die Zeichen des sinkenden Geschmacks und einer nachlässigen Arbeit. In der Nähe dieses großen Trümmerplatzes sind noch einige andere weniger bedeutende Ruinen. Durch Theodosius ward der Tempel in eine christl. Kirche umgewandelt. Mit der Einnahme der Stadt durch die Araber begann der Verfall des Tempels. In den darauffolgenden Kriegen ward er mit dem kleinen Tempel in eine Festung umgewandelt, von der man noch die Zinnen sieht, weshalb der Platz, auf dem beide stehen, den Namen Kastell führt. Auch die Stadt sank immer mehr herab und wurde 1759 von einem furchtbaren Erdbeben zerstört.

Vgl. Wood und Dawkins, The ruins of B. (Lond. 1757); Cassas, Voyage pittoresque de la Syrie (unvollendet, 30 Liefgn., Par. 1799); Robinson, Neuere biblische Forschungen (Berl. 1857); E. Renan, Mission de Phènicie (Par. 1874).

Baalchamman, Baalsdienst, Baalspfaffe, s. Baal.

Baal-Sebub, s. Beelzebub und Baal.

Baar (althochdeutsch para, ein eingehegtes oder sonst abgegrenztes Land, eine Gaulandschaft), eine ehemals reichsunmittelbare Landgrafschaft in Schwaben, im bad. Kreis Konstanz und zum Teil im würt-^[folgende Seite]