Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bagdad; Bagdette; Bagehot; Bageida; Bagel; Bagelen

281

Bagdad (in Mexiko) - Bagelen

nen und wollenen Zeugen, besonders Musselinen, Taffet, Teppichen und Shawls. In B. sind Österreich-Ungarn, England, Frankreich, Rußland, die Vereinigten Staaten von Amerika und Persien durch Konsuln vertreten.

Geschichtliches. Die Stadt ward 763 vom abbasid. Chalifen Almansor gegründet; im 9. Jahrh. erhob sie Harun al-Raschid, der hier einen Palast baute und seiner Lieblingsgemahlin Sobeide ein Grabmal errichtete, zu hohem Glänze. 1258 eroberte sie Dschingis-Chans Enkel, Hulagu, der den regierenden Chalifen ums Leben bringen ließ und das Chalifat vernichtete. Die Nachkommen des Eroberers vertrieb Timur aus dem Besitze der Stadt, der sie 1393 eroberte. Zu Anfang des 16. Jahrh, bemächtigte sich ihrer Schah Ismael, der erste Regent Persiens aus dem Hause Sofi, und fortan blieb sie ein Zankapfel zwischen den Türken und Persern. Nach einer denkwürdigen Belagerung ward sie 1638 vom Sultan Murad IV. erobert, und vergebens versuchte im 18. Jahrh. Schah Nadir, sie den Türken zu entreißen. Als der Schauplatz vieler Märchen in «Tausendundeine Nacht» erlangte B. auch romantische Berühmtheit.

Vgl. Wellstedt, Travels to the City of Caliphs (Lond. 1840; deutsch von Künzel, 2 Tle., Pforzh. 1841); Schläfli, Reisen in den Orient (als zweites Heft der «Mitteilungen schweiz. Reisender», Winterth. 1864); I. Braun, Gemälde der mohammed. Welt (Lpz. 1870): Kremer, Kulturgeschichte des Orients unter den Chalifen, Bd. 2 (Wien 1877).

Bagdad oder El Refugio, Stadt in Mexiko, s. Matamoros.

Bagdette, s. Orientalische Tauben.

Bagehot (spr. bäddschött), Walter, engl. nationalökonomischer und polit. Schriftsteller, geb. 3. Febr. 1826 in Langport in Somersetshire, besuchte in Bristol die Schule und studierte im University College in London; 1852 als Barrister in die Gesellschaft von Lincoln's Inn aufgenommen, wandte B. seine Aufmerksamkeit besonders volkswirtschaftlichen Fragen zu, beteiligte sich zugleich als Direktor einer der größten engl. Provinzialbanken an kommerziellen Unternehmungen und übernahm 1859 die Redaktion der Wochenschrift «The Economist». Er starb 24. März 1877 in London. Als Nationalökonom bezeichnet sich B. selbst als letzten echten Schüler Ricardos (s. d.), als «den letzten Mann der vor-Millschen Periode»; in seinen spätern Jahren hat er aber jener neuen, die rein abstrakte Richtung bekämpfenden Bewegung einige Zugeständnisse auf volkswirtschaftlichem Gebiete gemacht. In seinen Schriften hat er sich durch Kraft und Klarheit des Stils, durch Scharfsinn und Selbständigkeit des Urteils vorteilhaft ausgezeichnet. Außer mehrfachen Beiträgen zu der «National Review» und «Fortnightly Review» veröffentlichte er: «The English consitution» (Lond. 1867; 2. Aufl. 1872), «Physics and politics» (ebd. 1863; deutsch u. d. T. «Der Ursprung der Nationen», Lpz. 1874; 2. Aufl. 1883), worin er Darwins Selektions- und Vererbungstheorie auf die Bildung polit. Gemeinwesen anwendet, und «Lombard Street, or a description of the money market» (8.Aufl., Lond. 1882; deutsch von Beta, Lpz. 1874). Nach seinem Tode erschienen drei Sammlungen seiner verstreuten Essays: «Literary studies» (2 Bde., Lond. 1879), «Economic studies» (ebd. 1880) und «Biographical studies» (ebd. 1881), ferner «Essays on parliamentary reform» (ebd. 1883) und «A practical plan for assimilating English and American money» (ebd. 1889).

Bageida, s. Bagida.

Bagel, Buchhändlerfamilie. Johann B., geb. 1775 in Cleve, gest. 1855 zu Wesel, errichtete 1826 in Wesel eine Buckhandlung und Buckbinderei, die unter der Firma A. Bagel 1843 an seinen Sohn, den spätern Kommerzienrat, Stadtrat und Präses der Handelskammer August B., geb. 2. März 1809, gest. 6. Jan. 1881, überging. 1869 wurde das Sortiment an Bernd. Schmithals verkauft. A. Bagels Verlag, Jugendschriften, Bilderbücher, Modellierbogen, Zahns biblische Historien enthaltend, wurde 1878 nach Düsseldorf verlegt und ist seit 1882 im Besitz von August B., einem Sohne des Kommerzienrats B., geb. 10. Febr. 1838. Mit dem Verlage ist verbunden: Buchbinderei, Steindruckerei (seit 1835), Buchdruckerei (seit 1837) mit Dampfmaschine (30 Pferdestärken), 2 Kesseln, 33 Pressen, 40 Hilfsmaschinen, 160 Arbeitern; ferner eine Papierfabrik in Eggerscheidt bei Ratingen (seit 1855; 50 Arbeiter). Neben diesem Geschäfte besteht in Düsseldorf noch eine zweite Verlagsbuchhandlung (Kalender, Jugendschriften) mit Sortimentsgeschäft, gegründet 1882 von einem zweiten Sohne des Kommerzienrats B., Felix B., geb. 7. Nov. 1854. - Ein Bruder des Kommerzienrats B., Julius B., geb. 10. März 1826 in Wesel, gründete 1855 in Mülheim a. d. R. eine Sortimentsbuchhandlung, wandte sich aber 1858 dem Verlag zu, errichtete dazu 1875 eine Buchbinderei und gab gleichzeitig das Sortimentsgeschäft auf. Der Verlag umfaßt Liederbücher, Deklamatorien, Gratulanten, Kochbücher, Theaterstücke, billige illustrierte Jugendschriften, populäre Rechtshandbücher und besonders kleinere Volkserzählungen, von denen seit 1874 gegen 1000 Bände erschienen sind. B. ist auch Mitbesitzer der Buckdruckerei von F. H. Nieten in Duisburg (früher in Mülheim a. d. R.) und der bei dieser seit 1847 erscheinenden «Rhein- und Ruhrzeitung».

Bagelen, Residentschaft auf der niederländ. Insel Java, grenzt im O. und NO. an den niederländ.-ind. Vasallenstaat Djokjakarta und die Residentschaft Kadu, im W. und NW. an die Residentschaft Banjumas, im S. an das Meer, hat 3430 qkm, (1890) 1343018 E., darunter 1055 Europäer und 3229 Chinesen, und besteht aus fünf Abteilungen (Assistentresidentschaften): Purworedjo, Kutuardjo, Ledok, Kebumen und Karanganjer, die wieder in 23 Distrikte mit 2667 Ortschaften (Dessas) zerfallen. B., einer der schönsten und zugleich fruchtbarsten Teile von Java, erzeugt vornehmlich Reis, Kaffee, Zucker, Indigo, Tabak, Zimmet u. s. w. sowie Baumfrüchte und eine beträchtliche Anzahl inländischer und europ. Gemüsearten in Menge. An der Südküste bei Samangie wird Seesalz in Menge gewonnen; dort befinden sich auch, in dem Vorgebirge Karang-Bolong, Höhlen, in denen Hunderttausende der eßbare Nester liefernden Schwalben (Collocalia esculenta) wohnen. Diese Nester, ein Monopol der Regierung, gelten, namentlich auf dem chines. Markte, für die beste Sorte. Das Klima in B. ist überall gesund und durch die Nähe der See abgekühlt. Hauptort und Sitz der Provinzialbehörden ist Purworedjo, rechts vom Bogowonto; es besteht aus drei Teilen, dem von Europäern und Javanern bewohnten Purworedjo, Brenkelan mit den Wohnungen der Chinesen und Javaner und dem Truppenkantonnement Kedong-Kebo.