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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bamberg; Bambergensis; Bamberger

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Bamberg (Felix) - Bamberger

Glasmalereien) und herrlicher Fernsicht vom Turme. 4 km entfernt die Marquardsburg, auch See Hof genannt (ehemals bischöfl. Sommerresidenz), jetzt im Privatbesitz; weiter entfernt Schloß Banz (s. d.) und Wallfahrtsort Vierzehnheiligen, Schloß Pommersfelden mit berühmter Bildergalerie.

Vgl. Leist, B. Ein Führer durch die Stadt und ihre Umgebung (3. Aufl., Bamb. 1889).

4) B., früher reichsunmittelbares Bistum, wurde 1. Nov. 1007 von Kaiser Heinrich II. gestiftet, der die Stadt 995 von seinem Vater, Herzog Heinrich von Bayern, geerbt hatte; erster Bischof wurde der Kanzler Eberhard. Kaiser und Päpste übten lange Zeit bedeutenden Einfluß auf die Wahl der Bischöfe, bis 1398 das Kapitel gänzliche Wahlfreiheit erlangte. 1435 rotteten sich die Bürger der Stadt zusammen und vertrieben den Bischof Anton von Rotenhan. Durch die Reformation, die der Bischof Weigand von Redwitz (1522-56) vergebens zu hindern suchte, verlor das Bistum mehr als die Hälfte seiner Besitzungen und war seitdem sehr oft mit Würzburg unter einem Bischöfe vereinigt. Große Verdienste um B. erwarben sich in den letzten Zeiten die Bischöfe Lothar Franz, Graf von Schönborn, gest. 1729; Friedr. Karl, Graf von Schönborn, gest. 1746; Phil. Ant. von Frankenstein, gest. 1753; Adam Friedr., Graf von Seinsbeim, gest. 1779; vor allen Franz Ludw. von Erthal, gest. 1795. Zufolge des Lunéviller Friedens wurde 1802 das Bistum, das damals 3580 qkm und 207000 E. hatte, säkularisiert, Pfalzbayern zugeteilt, und der letzte, der Zahl nach 61. Fürstbischof, Christoph Franz von Buseck (gest. 21. Sept. 1805), mit 40000 Fl. pensioniert. Infolge des zwischen Bayern und dem röm. Stuhle 1817 abgeschlossenen Konkordats wurde B. zum Erzbistum erhoben und ihm die Suffraganbistümer Würzburg, Eichstädt und Speyer untergeordnet, mit denen es die Kirchenprovinz B. bildet; dieselbe erstreckt sich in Bayern hauptsächlich über Ober-, Mittel- und Unterfranken und über die Rheinpfalz; außerhalb des Königreichs über die Herzogtümer Coburg und Meiningen. Die Erzdiöcese umfaßt den bayr. Regierungsbezirk Oberfranken (außer den Amtsgerichtsbezirken Selb, Thiersheim, Wunsiedel und den Gemeinden Fichtelberg und Kirchenpingarten), von der Oberpfalz den Amtsgerichtsbezirk Auerbach und die Gemeinde Hirschbach, die nordwestl. Hälfte von Mittelfranken und mehrere Grenzgemeinden im NO. und SO. von Unterfranken, außerdem das Herzogtum Coburg und die Gemeinden Heldburg und Lindenau in Meiningen, und hat 17289 qkm, 311107 Katholiken (ohne Militär), 630000 Andersgläubige, 353 Welt- und 17 Ordenspriester, 192 Pfarreien und Pfarrkuratien und 20 Dekanate.

Vgl. Jäck, Geschichte der Provinz B. 1006-1803 (3 Bde., Bamb. 1809); ders., Allgemeine Geschichte B.s 1007-1811 (ebd. 1815); ders., Lehrbuch der Geschichte B.s von 1807 bis auf unsere Zeiten (2. Aufl., Erlangen 1820); ders., Bambergische Jahrbücher von 741 bis 1833 (5 Bde., Bamb. 1829-34); Eisenmann, Geograph. Beschreibung des Erzbistums B. (ebd. 1833); Monumenta Bambergensia (hg. von Jassé, Berl. 1869); Looshorn, Geschichte des Bistums B. (Bd. 1-3, Münch. 1886-91).

Bamberg, Felix, deutscher Diplomat und Schriftsteller, geb. 17. Mai 1820 in Unruhstadt, studierte in Berlin und Paris. Als Augenzeuge der Umwälzung von 1848 schrieb er eine «Geschichte der Februarrevolution und der ersten Jahre der franz. Republik von 1848» (Braunschw. 1849). 1851 trat er in preuß. Dienste und wurde später Konsul des Norddeutschen Bundes in Paris. Er verteidigte in der franz. Presse Preußens Recht zur Führung der Geschicke Deutschlands. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 und 1871 wurde B. ins Hauptquartier nach Versailles berufen, wo ihm die Leitung der Preßangelegenheiten zufiel, und nach dem Kriege dem Höchstkommandierenden des Occupationsheers, Manteuffel, als polit. Rat zugeteilt. 1874 erhielt B. in Messina das erste deutsche Berufskonsulat in Italien, 1880 das Generalkonsulat in Genua, trat 1888 in den Ruhestand und starb 12. Febr. 1893 in St. Gratien bei Paris. Außer Arbeiten in deutschen und franz. Zeitschriften schrieb er «Über den Einfluß der Weltzustände auf die Richtungen der Kunst und über die Werke Friedr. Hebbels» (Hamb. 1846), «Türkische Rede» (Lpz.1857; anonym; französisch als «Histoire diplomatique de la Crise orientale de 1853/56 d'après des documents inédits»), «Geschichte der Orientalischen Angelegenheit im Zeitraume des Pariser und des Berliner Friedens» (Berl. 1888-91). Aus Friedr. Hebbels Nachlaß veröffentlichte er die «Tagebücher» (2 Bde., Berl. 1885 und 1887) und «Hebbels Briefwechsel mit Freunden und berühmten Zeitgenossen» (Bd. 1 u. 2, ebd. 1890-92).

Bambergensis, s. Bambergische Halsgerichtsordnung.

Bamberger, Friedrich, Maler, geb. 17. Okt. 1814 in Würzburg, studierte seit 1828 auf der Berliner Kunstakademie, 1831 in Cassel unter Primavesi, dann in München bei K. Rottmann und siedelte 1835 nach Frankfurt a. M. über. Von hier aus machte er 1851, 1858 und 1863 Reisen nach Spanien, ließ sich dann in München nieder und verwertete die reichen Studien zu trefflichen span. Landschaften, die umso mehr die Aufmerksamkeit auf sich zogen, als B. der erste deutsche Maler war, der die Pyrenäische Halbinsel bereiste. Das bedeutendste seiner Gemälde, das Panorama von Gibraltar (1832), befindet sich in der Galerie Schack zu München, andere ebendort und in der Neuen Pinakothek. B. starb 13. Aug. 1873 zu Neuenhain im Taunus.

Bamberger, Heinr. Von, Mediziner, geb. 27. Dez. 1822 zu Zwonarka bei Prag, studierte Medizin in Prag und Wien, trat dann in den Dienst des Allgemeinen Krankenhauses zu Prag und war seit 1850 klinischer Assistent Oppolzers in Wien, bis er 1854 als Professor der mediz. Klinik und Oberarzt des Juliushospitals nach Würzburg ging. Nach dem Tode Oppolzers wurde B. im Frühjahr 1872 Direktor der mediz. Klinik in Wien; er starb daselbst 9. Nov. 1888. Er schrieb: «Krankheiten des chylopoetischen Systems» (2. Aufl., Erlangen 1864, Abteil. 1 des 6. Bds. von Virchows «Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie» bildend), «Lehrbuch der Krankheiten des Herzens» (Wien 1857), «Über Bacon von Verulam besonders vom mediz. Standpunkte» (Würzb. 1865), «Über Morbus Brightii» (Lpz. 1879).

Bamberger, Ludwig, liberaler Parlamentarier, polit. und volkswirtschaftlicher Schriftsteller, geb. zu Mainz 22. Juli 1823, studierte 1812-45 zu Gießen, Heidelberg und Göttingen die Rechte und arbeitete dann 2 Jahre bei den Mainzer Gerichten. Als Redacteur der «Mainzer Zeitung» in die Bewegung von 1848 verwickelt, nahm er 1849 an dem Aufstand in der Bayrischen Pfalz und in Baden teil. Zum Tode verurteilt, floh er in die Schweiz, ging dann nach