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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Banda-Inseln; Bandachat; Bandage; Bandagenkasten; Bandagist; Bandalgen; Bandanadruck

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Bandachat - Bandanadruck

gen (oft Todesfälle durch diese), selten Tiger. Die mittlere Temperatur beträgt im Februar 16⅔° C., im Mai 35,5° C. In der kältern Jahreszeit ist Frost sehr selten, andererseits steigert sich im Mai u. s. w. die Hitze oft außerordentlich. Die Atmosphäre ist äußerst rein, Nebel und Staub sind fast unbekannt, Luftspiegelungen häufig. Für Eingeborene ist das Klima gesund, Europäer leiden oft an Fiebern, besonders (vom August bis November) am Malariafieber, welches zwei Drittel aller Todesfälle herbeiführt. Mit dem Ackerbau steht es in B. zwar besser als im übrigen Bundelkhand. doch sind auch hier die Verhältnisse weit davon entfernt, günstig zu sein. Die in ärmlichen Hütten lebenden Bauern sind tief verschuldet und dabei ganz apathische Menschen, die Ernten werden oft durch Insektenfraß verwüstet. Haupterzeugnisse des Landbaues sind Weizen, Hülsenfrüchte, Hirse, Baumwolle, Flachs und Hanf, Ölsaat; Reis und Opium werden nur wenig produziert. Gewerbe und Handel sind gering. Hauptausfuhrwaren sind Baumwolle, Flachs, Hülsenfrüchte, Hirse, Weizen u. s. w. und Bambus; die Banda-Baumwolle ist im Handel gut bekannt; Haupteinfuhrwaren sind Reis, Zucker, Tabak. Den Hauptverkehrsweg bildet die Dschamna; Straßen giebt es nur wenige und von schlechter Beschaffenheit. An Eisenbahnen besitz B. km Strecke der Dschabalpur-Abzweigung der East Indian Railway.

Geschichte. B. bildet geschichtlich einen Teil des Gebietes Bundelkhand, dessen Ureinwohner, die Gond, von den Ariern unterworfen wurden. Seine Geschichte fällt bis 1819 mit der von Bundelkhand (s. d.) zusammen. Anfang des 19. Jahrh. wurde Bundelkhand von den Engländern unterworfen; B. bildete einen Teil dieses brit. Gebietes, bis es 1819 unter dem Namen Süd-Bundelkhand davon getrennt wurde; später wurde dieser neugebildete Distrikt nach der Hauptstadt B. genannt. Unter der brit. Herrschaft erholte sich B. von den Folgen der mahrattischen Mißwirtschaft nicht und beteiligte sich kräftig an dem 1857er Aufstande. Seit jener Zeit wurden Steuer- und sonstige Reformen eingeführt.

2) Hauptstadt des Distrikts B., 25° 28⅓'.nördl. Br., 88° 22¼' östl. L., auf welliger Ebene, 1,6 km östlich vom rechten Kenufer, 153 km südwestlich von Allahabad, ist eine neuere Stadt, die ihre Bedeutung zuerst ihrer Eigenschaft als Residenz des Nawwab (Nabob) von B., später ihrer Lage als Mittelpunkt des Baumwollhandels verdankte. Als nach Unterdrückung des 1857er Aufstandes der Nawwab entfernt wurde, nahm B. allmählich an Bedeutung und Bevölkerung ab; B. hatte (1853) 42411 und (1881) 28974 E. (darunter 20459 Hindu, 7998 Mohammedaner, 262 Christen, 249 Dschain). B., eine weitläufige, schlecht gebaute Stadt, hat reine und breite Straßen, 161 Hindutempel, 66 Moscheen, 5 Dschaintempel sowie viele Ruinen von Palästen und Grabmälern. Das Mililärkantonnement liegt 1½ km von der Stadt, an der Straße nach Fatihpur.

Bandachat, s. Achat.

Bandage (frz., spr. -dahsch), s. Binde und Verband.

Bandagenkasten, s. Medizin- und Bandagenkasten.

Bandagist (frz., spr. -daschist), der Verfertiger von Bandagen, Bruchbändern u. a. chirurg. Apparaten.

Banda-Inseln, ein kleiner, zwischen 3° 50' und 4° 40' südl. Br. gelegener, zu den Molukken gehörender Archipel, der mit den Inseln Waru, Ceramlaut und Goram eine zu der niederländ.- ostind. Residentschaft Amboina gehörende Assistentresidentschaft bildet. Der Banda-Archipel enthält die beiden Hauptinseln Lontor oder Großbanda und Neira, häufig auch nur Banda genannt, sowie die kleinern, teilweise unbewohnten Run, Ai, Rosengain, Gunung-Api u. a., mit zusammen 44 qkm. Alle bestehen aus vulkanischem Gestein, erbeben sich teilweise sehr hoch, haben ein steil und schroff abfallendes, nur an einzelnen Stellen zugängliches Ufer, sind aber mit dem schönsten und üppigsten Grün bedeckt. Erdbeben kommen häufig vor und haben nicht selten große Verwüstungen angerichtet; eins der heftigsten war 1852, wo die Erde vom Nov. bis Jan. 1853 nicht zur Ruhe kam. Der höchste Vulkan ist der Gunung-Api (671 m) auf der gleichnamigen Insel. Die Fauna der B. ist sehr arm, namentlich an Wirbeltieren. Es giebt außer einigen Fledermausarten keine Säugetiere und auch weniger Vogelarten als anderswo in den Molukken. Die Flora ist gleichfalls nicht sehr reich an Arten. Wichtigste Kulturpflanzen sind der Muskatnußbaum, die ölgebende Canarie, die Kokos- und Sagopalme. Die Bevölkerung besteht aus etwa 500 zumeist eingeborenen Europäern und Mischlingen von Europäern mit Malaien, 7000 größtenteils von eingeführten Sklaven aus allen Gegenden des Indischen Archipels abstammenden, meistens ebenfalls christl. Eingeborenen, 150 Chinesen und wenigen Arabern, im ganzen etwa 8000 Köpfen, d. i. 182 auf 1 qkm. Hauptort ist die an der Südküste von Neira gelegene Stadt Banda, Sitz der niederländ. Behörden, mit einem Freihafen, den Forts Nassau und Belgica, einer prot. Kirche, einer Schule, Regierungsmagazinen u. s. w.

Die B. wurden 1511 voll den Portugiesen unter Antonio de Abreuw entdeckt. Später (1521) knüpften dieselben dort unter Garcia Henriques und Antonio da Brito Handelsbeziehungen an. Ihnen folgten die Holländer (1599) unter J. van Heemskerk und W. van Warwyk. Die Ermordung ihres Admirals Verhoeff mit 30 seiner Mannschaft (1609) gab den Holländern die Veranlassung, die ursprüngliche, sich auf 15000 Seelen belaufende, aus Alfuren bestehende Bevölkerung dieser Inseln systematisch auszurotten. Nachdem 1657 jeder Widerstand niedergeworfen war, wurde der weitaus größte Teil der Muskatnußbäume ausgerottet, damit der Preis dieses von der Ostindischen Compagnie monopolisierten Artikels durch größere Zufuhr nicht zu sehr herabgedrückt würde. Infolge der Aufhebung der Sklaverei in Niederländisch-Indien (1. Jan. 1860) gerieten die wirtschaftlichen Verhältnisse in große Verwirrung; doch bat sich seitdem der Wohlstand wieder gehoben. 1864 wurde das Regierungsmonopol der Gewinnung und des Verkaufs der Muskatnüsse aufgehoben. Die Produktion belief sich 1877 auf 210175 kg Nüsse und 38487 kg Blüten; der Wert der Ausfuhr wurde auf 4336087 M. berechnet.

Bandalgen, s. Desmidiaceen.

Bandanadruck, Bandanasdruck, Bandanendruck, ein Verfahren des Zeugdrucks (s. d.), das nach dem Vorbilde der seit langer Zeit im Orient üblichen Herstellungsweise weißer Muster auf gefärbten Zeugen angewendet wird und darin besteht, daß die Stellen des Zeugs, welche die Farbe nicht annehmen sollen, vor dem Einbringen in die Farbbrühe mit Schnüren fest zusammengebunden und nachher gepreßt werden. Von dieser primitiven Methode unterscheidet sich das neuere, die Nach-^[folgende Seite]