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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Barcelona; Barceloneta; Barcelonnette; Barchent; Barches; Barchfeld; Barclay

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Barcelona (in Venezuela) - Barclay (Alexander)

hervortrat. Auch 1840 war die Stadt der Schauplatz einer bedeutenden Krisis, die mit der Regentschaftsübernahme durch Espartero endete; 1841 und 1842 kam es zu neuen Aufständen, teilweise wegen Einführung der Konskription (Quinta). In letztern wurden die Truppen vorübergehend auf das Fort Monjuich beschränkt, und erst ein Bombardement konnte die Insurgenten zur Übergabe zwingen. Denselben Verlauf nahm der Aufstand von 1843. Im J. 1854 wurde die Revolution O'Donnells in Madrid durch eine gleichzeitige Bewegung in B. unterstützt, die aber ohne Blutvergießen verlief, da sich Truppen und Behörden derselben anschlossen. Dagegen mußte ein Progressistenaufstand, der infolge des O'Donnellschen Staatsstreichs ausbrach, 1856 blutig niedergeworfen werden. Seitdem wurde die Ruhe B.s nicht mehr dauernd gestört; bei den neuern Bewegungen in Spanien stand die Bevölkerung durchweg auf liberaler Seite. Im Jan. 1874 traten föderalistische Neigungen stark hervor und veranlaßten Unruhen, die aber sehr bald unterdrückt wurden.

Barcelona, früher Nueva-Barcelona, Hauptstadt des Staates Bermudez der Vereinigten Staaten von Venezuela, 240 km östlich von Caracas und 8 km von der Küste des Antillenmeers, am schiffbaren Aragua und am Eingange zu der großen Ebene, die sich südwärts bis zum Orinoco ausdehnt, durch Eisenbahn mit dem Hafen Guanta und den Kohlenlagern von Naricual verbunden, hat (1888) etwa 12800 E. und ist regelmäßig, aber schlecht gebaut und ungesund. Ihr Handelsgebiet nach dem Innern ist nur ein beschränktes; zur See steht sie mit St. Thomas, Curacao, Trinidad, La-Guaira und Cumana in Verbindung. Ihr Hafen für größere Seeschiffe ist die Ensenada de B., die Mündungsbucht des Aragua, zugleich der Haupthafen des ganzen Staates. - Die Stadt wurde 1671 an ihre jetzige Stelle verlegt, 83 Jahre nach der Gründung der ersten Stadt dieses Namens am Fuße des östlicher gelegenen Cerro-Santo. Sie hob sich bedeutend gegen Ende des 18. Jahrh. als Ausfuhrhafen für Vieh und Fleisch nach den Antillen, besonders nach Cuba, und durch Schmuggelhandel mit den engl., dän. und holländ. Inseln Westindiens, so daß sie 1800 an 16000 E. zählte. Durch die Revolutionskriege sank jedoch die Bevölkerung auf 5000 Seelen herab; bis 1881 war B. Hauptstadt eines gleichnamigen Staates.

Barceloneta, Vorstadt von Barcelona (s. d.) in Spanien

Barcelonnette (spr. barß'lonnétt). 1) Arrondissement im franz. Depart. Basses-Alpes, hat 1151,55 qkm, (1891) 14136 E., 20 Gemeinden und zerfällt in die 4 Kantone Allos (116,63 qkm, 972 E.), B. (442,10 qkm, 7098 E.), Le Lauzet (277,84 qkm, 4095 E.), St. Paul (314,98 qkm, 1971 E.). - 2) Hauptstadt des Arrondissements B. im franz. Depart. Basses-Alpes, inmitten des nach ihr benannten, weiden- und heldenreichen Thals, 1133 m ü. d. M. am reckten Ufer der Ubaye am Col de l'Argentiere unweit der ital. Grenze gelegen, hat (1891) 1743, als Gemeinde 2009 E., Post, Telegraph, ein Kommunal-Collège, Lehrerseminar, Ackerbaugesellschaft und treibt neben Bienenzucht besonders Viehzucht und Viehhandel, unterhält aber auch Manufakturen in Hüten, Tuch, Seidenwaren und Leder. - Der Ort, im Anfange des 12. Jahrh, gegründet, dann durch Krieg zerstört, wurde 1231 wieder aufgebaut und vom Grafen Raimund Berengar von Provence Barcilona genannt, nach dem span. Stammort (Barcelona) seiner Ahnen. 1388 von Amadeus von Savoyen eingenommen und im Laufe der Zeit als Grenzort sehr oft erobert und zurückerobert, kam B. im franz. Revolutionskriege endgültig an Frankreich.

Barchent (Parchent), ein dichtes, geköpertes Baumwollgewebe, ganz aus Baumwolle oder aus leinener Kette mit baumwollenem Schuß. Man unterscheidet glatten und rauhen B. Zu der erstern Art gehört der vierbindig geköperte, besonders dicht gearbeitete Bettbarchent (Federleinwand), aus gebleichtem Garn, blau oder rot gestreift, bei dem der aus gröberm Garn bestehende Einschlag zu drei Vierteln auf der rechten Seite sichtbar ist, sowie der roh gebleichte oder schwarz gefärbte Futterbarchent. Der rauhe B. hat auf der Seite des groben und weichen Einschlags eine mehr oder minder langfaserige, flaum- oder wollähnliche Oberfläche, die bei den starken, zu Winterkleidern dienenden Stoffen tuchartig geschert wird. Diese haarige Oberfläche wird jetzt mit Hilfe von Maschinen hergestellt, die den zum Rauben des Tuchs gebräuchlichen ähnlich sind. Der gewöhnliche rauhe B. ist drei-, vier- oder fünfbindig geköpert, so daß auf der einen Seite ⅔, ¾ oder ⅘. des Einschlags, auf der andern ⅔, ¾ oder ⅘ der Kette liegen. Der vierbindige Köper wird zuweilen durch eine andere Art des Einziehens der Kette und der Anschnürung in der Weise abgeändert, daß auf der rechten Seite nur der Einschlag sichtbar ist, während die linke das Aussehen eines leinwandartigen Gewebes mit schmalen, flachen Längsrippen zeigt (geschnürter B.). Zuweilen ist der B., sowohl der glatte als der rauhe, atlasartig geköpert (fünfbindiger Atlasbarchent). Der Barchentstuhl, auf dem die meisten Sorten gewebt werden, ist eine dem Leinweberstuhl ähnliche Maschine für Hand- und Fußbetrieb. Die Barchentweberei war früher bedeutender als jetzt, wo für Unterkleider, Futter, Überzüge u. s. w. mehr gewirkte und leicht gewebte baumwollene und halbwollene Zeuge in Gebrauch sind. Am meisten verbreitet ist sie in Deutschland in Schwaben, Bayern und Sachsen, ferner in Böhmen, Mähren und Niederösterreich. (S. auch Biber, Beaverteen, Molton, Moleskin, Piqué.)

Barches oder Berches, das Sabbatbrot bei den Juden, über das der Segen gesprochen wird, scheint aus Berachot (Segenssprüche) verstümmelt.

Barchfeld, Flecken im Kreis Schmalkalden des preuß. Reg.-Bez. Cassel, in 243 m Höhe, an der Mündung der Schweina in die Werra, in einer von sachsen-meining. Gebiete umschlossenen Exklave, an der Nebenlinie Immelborn-Liebenstein der Werra-Eisenbahn, bat (1890) 2023 evang. E., Post, Telegraph, 2 Schlösser und 4 Rittergüter. - B. kam zur Hälfte 1387 durch Kauf, zur Hälfte 1583 durch Erbschaft von dem gräfl. Hennebergischen Hause an Hessen und wurde, als die von Philipp begründete hessen-casselsche Nebenlinie Hessen-Philippsthal sich 1721 wieder in zwei Linien teilte, der Sitz des Landgrafen Wilhelm, des Begründers der noch bestehenden Linie Hessen-Philippsthal-Barchfeld (s. Hessen-Philippsthal). 1866 kam B. an Preußen.

Barclay (spr. bahrkli), Alexander, engl. Dichter und Prosaist, geb. um 1480, wohl in Schottland, studierte in Oxford und wurde Priester am Kolleg zu St. Mary Ottery in Devon. Hier verfaßte er 1508 nach lat. und franz. Bearbeitungen von S. Brants (s. d.) «Narrenschiff» sein «Shyp of folys of the worlde», von Pynson (Lond. 1509 u. 1570) gedruckt; in Prosa umgesetzt von