Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bauchstich; Bauchwassersucht; Bauchzange; Baucis; Baud; Baude; Baudens; Baudin

501

Bauchstich - Baudin

langten Speisebreies sehr wichtig ist; hauptsächlich wandelt er, wie der Mundspeichel, das mit der Nahrung aufgenommene Stärkemehl in Dextrin und Zucker um und bereitet die Fette durch Verseifung zur Aufnahme in die Chylusgefäße vor; ferner löst er geronnene Eiweißkörper sowie leimgebende Substanzen auf und führt sie in leicht diffundierende Verbindungen, die sog. Peptone, über. Die Krankheiten der B. sind selten und ziemlich dunkel; sie bringen Abmagerung und scheinbare Magenbeschwerden mit sich, rühren aber oft von benachbarten Krankheitsprozessen, z. B. Magen- oder Lumbarkrebs, her. Primäre Erkrankungen der B. können durch Vermittelung der benachbarten Nervenganglien (Ganglion solare und Plexus coeliacus) Zuckerharnruhr erzeugen.

Über die Verwendung der B. als diätetisches Heilmittel in Form der sog. Fleischpankreasklystiere s. Ernährung (künstliche).

Bauchstich (Paracentesis abdominis), in der Chirurgie die kunstgemäße, schon von den Alten ausgeführte Durchbohrung der Bauchwandung mittels eines stechenden Instruments (Trokar), um verschiedenen in der Bauchhöhle oder in den darin gelagerten Organen krankhaft sich ausbildenden Flüssigkeiten den Ausgang zu verschaffen. Am häufigsten wird der B. zur Beseitigung der Bauch- und Eierstockswassersucht gemacht; doch ist er stets nur ein sog. Palliativmittel, da er die Wasserbildung nicht entfernen kann. Man hat Beispiele, daß er an einem und demselben Kranken 20, 30, ja mehrere hundert Mal vorgenommen wurde. (S. Punktion.)

Bauchwassersucht (Ascites, Hydrops peritonaei), die krankhafte, bisweilen sehr bedeutende (10 bis 20 l und darüber betragende) Ansammlung von klarer seröser Flüssigkeit in der Bauchhöhle, die sich entweder frei im Bauchfellsack befindet oder durch Verwachsungen an einem bestimmten Teil desselben in cystenartigen Räumen abgeschlossen ist (abgesackte B.). Dieselbe ist durchaus nicht als eine eigenartige Krankheit aufzufassen, sondern nur als ein Symptom, das zu den verschiedensten Krankheiten hinzutreten kann und dessen Ursache nur durch die genaueste Untersuchung zu ergründen ist. Zunächst findet sich die B. häufig als Teilerscheinung einer allgemeinen Wassersucht (s. d.), wie sie bei Herz- und Lungenkrankheiten, bei Entartungen der Nieren, Milz und bei erschöpfenden Krankheiten vorkommt; ist die Wasseransammlung auf die Bauchhöhle allein beschränkt, so hat sie ihren Grund meistens in Hindernissen der Blutströmung im Pfortadergebiet durch Erkrankungen der Leber sowie durch Geschwülste aller Art im Unterleib, welche einen starken Druck auf die Pfortader ausüben und dadurch Veranlassung zum Austritt des Blutserums in die Bauchhöhle bieten. Endlich gesellt sich B. mitunter zu ausgebreiteten Entartungen (chronischer Entzündung, Krebs, Tuberkulose u.s.w.) des Bauchfells. Sie verursacht meist durch die hochgradige Ausdehnung des Unterleibes und die Kompression der Brust- und Baucheingeweide große Beschwerden: Gefühl von Vollsein und Schwere im Unterleib, Behinderung der Atmung, hartnäckige Appetitlosigkeit, Stuhlverstopfung, Harndrang u. s. w. Man erkennt die B. an der schon äußerlich wahrnehmbaren, oft hochgradigen Austreibung des Bauches, die beim Beklopfen einen dumpfen Schall hören und bei leicht ausgeführter stoßweiser Palpation mit beiden Händen ein deutliches Schwappen (Fluktuation) fühlen läßt. Heilung ist natürlich nur dann möglich, wenn die zu Grunde liegende Störung beseitigt werden kann. Die Behandlung richtet sich nach der ursprünglichen Erkrankung und besteht im allgemeinen in dem Bestreben, durch Anregung der Nierenthätigkeit oder durch starke wässerige Stuhlentleerungen oder durch Erregung starker Schweiße eine Aufsaugung des Wassers in der Bauchhöhle herbeizuführen. Nehmen die Beschwerden zu, so versucht man durch den unter Umständen wiederholt auszuführenden Bauchstich (s. d.) Erleichterung herbeizuführen.

Bauchzange, Tiegelzange, die bei metallurgischen und chem. Arbeiten (Schmelzprozessen) zum Fassen der Schmelztiegel gebräuchliche Zange, deren greifende Teile an den Vorderenden halbkreisförmig gegeneinander gebogen sind, so daß sie beim Schließen der Zange einen Ring bilden, mit dem man die Tiegel von außen leicht umfassen und sicher halten kann.

Baucis (Baukis), s. Philemon und Baucis. – B. ist auch der Name des 172. Planetoiden.

Baud (spr. boh), Hauptstadt des Kantons B. (225,65 qkm, 6 Gemeinden, 17738 E.) im Arrondissement Pontivy des franz. Depart. Morbihan, an der Linie Auray-Pontivy der Orléansbahn, hat Post und Telegraph und als Gemeinde 4768 E.; betrieben wird Vieh- und Bienenzucht und etwas Handel.

Baude, in den höhern Teilen des Riesengebirges Bezeichnung für ein einzelnes Haus, das aus übereinandergelegten Balken und einem Stroh- oder Schindeldache besteht und Hirten und Holzhauern zur Wohnung und Reisenden als Quartier dient. Es besitzt Stall und zwei Zimmer, in deren größerm ein ständig geheizter Ofen steht. Im Winter sind die B. oft tief in Schnee gebettet.

Baudens (spr. bodáng), Jean Baptiste Lucien, franz. Chirurg, geb. 3. April 1804 zu Aire (Depart. Pas-de-Calais), studierte in Paris Medizin und wirkte hierauf seit 1823 in den Hospitälern zu Lille und Straßburg und seit 1826 an dem großartigen Militärhospital zu Paris. Seit 1830 zeichnete er sich als Militärarzt bei der franz. Armee in Algerien aus. Er errichtete in dieser Stellung zu Algier ein Instruktionshospital und lehrte in demselben Anatomie und Chirurgie. Nach seiner Rückkehr nach Paris 1841 stellte man ihn an die Spitze des Instruktions-Militärhospitals Val-de-Grâce. Als Mitglied des Conseil de Santé für das franz. Heer leistete er auch während des Krieges in der Krim ausgezeichnete Dienste. B. starb 3. Dez. 1857 zu Paris. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Lehre von den Schußwunden und ihrer Behandlung. Er schrieb «Clinique des plaies d’armes à feu» (Par. 1836), «Leçons sur le strabisme» (ebd. 1841), «Nouvelle méthode des amputations» (ebd. 1842), «La guerre de Crimée, les campements, les abris, les ambulances etc.» (ebd. 1857; 2. Aufl. 1862; deutsch von Mencke, Kiel 1864).

Baudin (spr. bodäng), Charles, franz. Admiral, geb. 1792 zu Sedan, verlor 1808 als Marinezögling im Indischen Meere bei einem Kampfe gegen die Engländer einen Arm. Als Schiffslieutenant und Befehlshaber der Brigg Rénard erhielt er zu Genua im Juni 1812 den Befehl, 14 mit Munition beladene Fahrzeuge nach Toulon zu begleiten. Von engl. Kreuzern verfolgt, rettete er sein Geschwader in den Hafen von St. Tropez und griff mit seinem Kommandantenschiffe eine engl. Brigg an, die er stark beschädigte. Bei dieser Gelegenheit wurde er Kapitän. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo