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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bayern (Klima. Mineralreich)

sind bekannt: Wörishofen, Thalkirchen und Brunnthal bei München, Rosenheim und Alexandersbad bei Wunsiedel. Luftkurorte sind Gleisweiler (zugleich für Molken- und Traubenkuren), Bergzabern, Donnersberg und Annweiler, alle in der Pfalz. das reizende Thal Elsawa in Unterfranken, Streitberg und Muggendorf sowie das vielbesuchte Oberstdorf, Hindelang und Staufen.

Klima. Das Klima ist im allgemeinen gemäßigt und gesund, indes etwas kälter als das anderer deutscher Länder infolge der hohen Lage des Landes und der mannigfaltigen Abwechselung der Gebirgszüge und Hochebenen.

Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse:

Orte Meereshöhe in m Temperatur nach C. Zahl der Regentage Zahl der Tage mit Schnee Niederschlagsmenge in mm

Mittlere Absolutes Minimum unter 0° Absolutes Maximum über 0°

Speyer 105 9,5 21 34 128 15 473

Aschaffenburg 136 8,9 24 35 160 26 651

Würzburg 179 8,4 26 35 151 28 532

Kissingen 209 7,6 31 34 149 32 547

Kaiserslautern 242 8,1 23 32 142 31 544

Bamberg 288 7,1 30 33 159 49 584

Passau 309 7,2 28 30 128 45 784

Nürnberg 315 8,1 28 32 162 40 539

Regensburg 358 7,8 29 31 130 35 515

Bayreuth 359 6,9 28 33 147 48 479

Landshut 395 7,1 29 33 171 32 665

Ansbach 414 7,4 30 33 144 28 580

Weißenburg 427 7,1 31 31 122 33 583

Augsburg 500 7,5 26 30 127 46 713

München 526 7,6 25 31 153 54 788

Hohenpeißenberg 994 5,8 20 27 143 72 895

Die Flußniederungen, unter ihnen in erster Linie die des Rheins (9-10°), dann des Mains und der Donau sowie das Ufergelände des Bodensees (8-9°) besitzen die höchste, das Alpenvorland, der Frankenjura, das Fichtelgebirge, der Bayrische und der Böhmerwald (unter 7°) die tiefste Temperatur. In den übrigen Teilen B.s schwankt die mittlere Jahrestemperatur zwischen +7° und +8°. Die Alpen, der Böhmerwald und das Fichtelgebirge sowie die Rhön und der Spessart sind durch lang andauernden, strengen Winter und tiefen Schneefall bekannt. Juli und August sind die wärmsten, Dezember und Januar die kältesten Monate. Die größte Temperaturdifferenz zwischen dem wärmsten und dem kältesten Monat des Jahres beträgt im Mittel für ganz B. 19,9°, und zwar in der Rheinpfalz im Westrich 18,2°, in der Vorderpfalz 19,6°, Franken 19,7°, Oberpfalz 20,1°, Donaugebiet 20,7° und der schwäbisch-bayr. Hochebene 20,3°. Die Donauniederung weist die größten, die Westpfalz die geringsten Schwankungen auf.

Die geringste Niederschlagsmenge (600 mm) haben die Pfalz auf der Leeseite der Hardt und des Hunsrücks, der Süden der Oberpfalz auf der Leeseite des Fränkischen Jura; in der Pfalz wächst jedoch die Menge gegen W. und SW. rasch bis zu 900 mm. Ein ebenso steiles Gefalle findet man in der Umgebung des Spessarts und Fichtelgebirges und im Gebiet des Regenflusses. Hier steigen zwischen Cham (600 mm) und Duschelberg (1500 mm) die Niederschläge auf mehr als das Doppelte. Mittelfranken, Oberfranken, Unterfranken und der übrige Teil der Pfalz haben eine durchschnittliche Regenmenge von 700-1000 mm. Die schwäbisch-bayr. Hochebene differiert zwischen 800 und 1100 mm. Von der Donau aus nimmt die Niederschlagshöhe stetig zu bis zur Südgrenze und steigt dort, z. B. in Kreuth, über 2000 mm. ^[Spaltenwechsel]

Die Niederschlagsmengen verteilen sich in Prozenten nach Jahreszeiten wie folgt:

Gebiete Winter Frühling Sommer Herbst

Pfalz 19,7 16,1 30,6 33,7

Franken (ohne Nordostrand). 19,0 18,7 33,3 29,0

Oberpfalz und Nordostrand Frankens 19,6 17,9 35,9 26,5

Donauniederung 17,7 17,8 38,0 26,5

Südbayern 14,4 20,9 37,6 27,1

Ganz Bayern 17,6 18,6 35,1 28,6

Das Niederschlagsminimum fällt in der Pfalz und Nordbayern in den Frühling, in der Donauniederung in den Frühling und Winter, in Südbayern in den Winter. Die Anzahl der Niederschlagstage (in Prozenten aller Jahrestage ausgedrückt) schwankt zwischen 60 (Bayreuth) und 42 (Hohenpeißenberg).

Von Hagelschlägen werden am häufigsten Schwaben, Oberbayern und Mittelfranken heimgesucht, am wenigsten die Pfalz. Vom Nordrande B.s bis zum Alpenkamm gegen Süden fortschreitend verdoppelt sich die Häufigkeit der Gewitter, jedoch in der Weise, daß diese Zunahme von der Nordgrenze bis zum Main etwas steigt, von hier bis gegen die Alpen hin ziemlich gleich bleibt und erst im Alpengebiete selbst rapid anwächst; sie verhält sich in Nord-, Mittel-, Südbayern und dem Alpenland wie 18,5 : 22,6 : 23,2 : 38,4. Die herrschenden Winde sind für B. die Westwinde und der Nordostwind mit einem sekundären Vorwalten der Ostwinde auf der schwäbisch-bayr. Hochebene, welche das Klima der Ebene als rauh erscheinen lassen. So beträgt in München der Ostwind 21 Proz. aller Windrichtungen. Nicht selten tritt im südlichen B. der Föhn auf, jener trockne Südwind, der in B. besonders am Bodensee, Chiemsee und Kochelsee mit großer Heftigkeit wütet.

Mineralreich. Groß ist der Reichtum an Eisenerzen, die in bedeutenden Lagern im Fichtelgebirge, am Nordfuß der Alpen bei Teisendorf und Sonthofen, im Jura bei Amberg und Sulzbach, in der Pfalz um St. Ingbert, im Spessart bei Aschaffenburg und auch im Bayrischen Wald mit über 151218 t jährlicher Ausbeute abgebaut werden. 1893 wurden gewonnen: 802538 t Stein- und Pechkohlen (Wert 8 Mill. M.), 17167 t Braunkohlen (58071 M.), und zwar in Oberbayern bei Miesbach, Penzberg, Peißenberg, Oberpfalz, Unterfranken, in der Pfalz bei St. Ingbert und Berbach, sowie im Frankenwalde und in Schwaben. Eisenerze wurden gewonnen 149271 t (588440 M.). Außerdem werden noch gewonnen Blei- und Zinkerze im Böhmerwald; Kupfererze in Unterfranken und der Pfalz; Antimon im Fichtelgebirge; Manganerze in der Oberpfalz und Unterfranken (180 t); Steinsalz in Oberbayern (1214 t); Schwefelkies bei Bodenmais 2108 t (21076 M.). Torf findet sich in dem Erdinger und Dachauer Moos, im Donaumoos und am Fuße der Alpen, auf der Hohen Rhön, im Fichtelgebirge und im Böhmerwald, Graphit in Niederbayern bei Passau (1893: 3140 t), Ocker- und Farberde (10317 t), Porzellanerde (17835 t), hauptsächlich in der Oberpfalz und Oberfranken, Thonerde in ganz B. (110970 t), Speckstein (1911 t), Fluß- und Schwerspat (6595 t), Feldspat (1200 t), Cementmergel (79779 t), Schmir-^[folgende Seite]