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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bayern (Landwirtschaft und Viehzucht. Forstwirtschaft und Jagd)

Aussprechen der Vokale, in einem halben Aussprechen der Konsonanten l, n und r und in einem häufigen Verschlucken von Lauten, besonders in den Endsilben el und en. Das Schwäbische gehört gleichfalls dem Oberdeutschen an, dem alamann. Sprachstamme. Im Gebirge hat er heute noch denselben Charakter wie im Mittelalter, da er als hochdeutsche Schriftsprache galt. Das Rheinpfälzische ist ein Glied des mitteldeutschen Sprachgebietes.

Landwirtschaft und Viehzucht. Von der landwirtschaftlich benutzten Fläche (1893: 4635314 ha inkl. Weinberge) entfallen auf Acker- und Gartenländereien 3057775 ha (65,99 Proz.), auf Wiesen 1284462 ha (27,69 Proz.), auf Weiden und Hutungen 269285 ha (5,81 Proz.), auf Weinberge 23792 ha. Die Gesamtanbaufläche für Getreide und Hülsenfrüchte beträgt 1861068,23 ha; angebaut sind 557166 ha mit Roggen, 324548 ha mit Weizen und Einkorn, 82605 ha mit Spelz, 356870 ha mit Gerste, 451914 ha mit Hafer, 87964 ha mit sonstigen Getreide und Hülsenfrüchten, 316361 ha mit Kartoffeln; auf die übrigen Hackfrüchte und Gemüse entfallen 118738 ha. Der Hopfenbau, in Bezug auf welchen B. nächst England das erste Land ist, umfaßt 26227 ha; von andern Handelspflanzen werden gebaut Flachs und Hanf (12876 ha), Raps, Leindotter und Mohn (2261 ha), Tabak (2310 ha), Cichorien (107 ha) und Weberkarde (152 ha). Mit Futterpflanzen (Klee, Luzerne, Esparsette, Serradella, Spörgel, Timotheus-, Raigras und andere Grassaat) sind 321522 ha bestellt; die Fläche der Haus- und Obstgärten beträgt 73184 ha (=2,4 Proz. der Gesamtfläche). Der Weinbau ist am ausgedehntesten in der Pfalz (13903 ha) an der längs des östl. Fußes der Hardt sich hinziehenden Hügelregion und auf den Randhöhen der Hardt selbst und in Unterfranken bei Schweinfurt bis Würzburg und Aschaffenburg, auch an der Fränkischen Saale. Bei Deidesheim, Wachenheim und Dürkheim gedeihen die besten Pfälzer Weine. Von den Frankenweinen zeichnet sich der Leistenwein aus. Auch in Mittelfranken, in Schwaben (um Lindau) findet sich Weinbau, an der Donau bei Regensburg und Donaustauf.

Der Gesamtertrag an Weizen war (1893) 421517 t, an Spelz und Emmer 118279 t, an Roggen 758885 t, an Gerste 429573 t, an Mengegetreide 19891 t, an Hafer 371798 t, an Buchweizen 1713 t, an Erbsen 6737 t, an Ackerbohnen 2488 t, an Wicken 5511 t, an Mischfrucht 3933 t, an Lupinen 255 t, an Kartoffeln 3967297 t, an Runkelrüben 1097493 t, an Zuckerrüben 49929 t, an Möhren 34672 t, an weißen Rüben 502182 t, an Kohlrüben 188953 t, an Raps und Rübsen 2117 t, an Hopfen 4861 t, an Klee 1218 t (Samen), an Klee (Heu) 652954 t, an Lupinen (Heu, Stroh) 728 t, an Luzerne 86973 t, an Esparsette 16619 t, an Serradella 1608 t, an Mais 101505 t, an Grassaat aller Art 346090 t, an Heu und Grummet (Gmad) 3616917 t, an Weinmost 737680 hl im Wert von 22851723 M., an Tabak 3897 t. Von der Gesamtfläche nehmen dann noch Öd- und Unland 151264 ha (2 Proz.), Haus- und Hofräume 46171 ha, Wegeland und Gewässer 245628 ha (3,2 Proz.) ein. Am 1. Dez. 1892 wurden gezählt 369035 Pferde, 3337978 Stück Rindvieh, 968414 Schafe, 1358744 Schweine, 268471 Ziegen und 272040 Bienenstöcke; der Verkaufswert der Pferde betrug 189262579, des Rindviehs 665519702, der Schafe 15381569, der Schweine 41281653 und der Ziegen 3855686 M. ^[Spaltenwechsel]

Die Pferdezucht ist auf der bayr. Hochebene, d. h. in den Kreisen Oberbayern, Niederbayern und Schwaben von Bedeutung; nur ist das Pferd der Möser kleiner als in den fruchtbaren Strichen der Hochebene; in der Pfalz ist die Pferdezucht besonders in der Gegend von Zweibrücken wichtig, sehr gering dagegen in den fränk. Bezirken und in der Oberpfalz. Es bestehen 5 Gestütsanstalten und 2 Stammgestüte; außerdem Privatgestüte zu Rentweinsdorf, Dennenlohe, Steppberg, Vornbach, St. Gilla und Puchhof. Die eigentliche Grundlage der Landwirtschaft ist die Rindviehzucht. B. übertrifft hierin alle andern deutschen Staaten mit Ausnahme Württembergs. Von hoher Güte ist das Rindvieh in der Gegend von Ansbach und Bayreuth; auf der südl. Hochebene und in den Alpengebieten ragen hervor die Miesbacher und Allgäuer Rasse, in der Pfalz ist das Bezirksamt Kusel und das Gebiet am Glan und am Donnersberg der Mittelpunkt einer berühmten Viehzucht. Die Schafzucht ist unbedeutend. Es findet sich meist das grobwollige Schaf (Zaupelschaf) und das deutsche oder fränk. Schaf. Größere und bessere Zuchtschäfereien für Merinos und Feinbastarde bestehen auf größern Gütern, dann in Weihenstephan und Schleißheim, für engl. Fleischschafe in Maxhofen (Niederbayern), für Rauhbastardzucht in Mittelfranken. Die Schweinezucht findet sich hauptsächlich in Niederbayern. Ziegen werden besonders in Franken und in der Pfalz gehalten. Hauptsitz der Bienenzucht sind das Inn- und Isargebiet und Oberschwaben.

Forstwirtschaft und Jagd. Die Forsten des Königreichs umfassen (1893) 2508088,28 ha, d. i. 33,1 Proz. der Gesamtfläche des Landes. Die Hauptgruppe bilden die Privatforsten mit 1231428 ha (49 Proz.); daran schließen sich die Staatsforsten mit 854056 ha (34 Proz.); die Gemeindeforsten betragen 316752 ha (12,6 Proz.); die Genossenschaftsforsten 44078 ha (1,8 Proz.); die Stiftungsforsten 43569 ha (1,7 Proz.) und die Staatsanteilforsten 18206 ha. Die ertragsfähigen Waldflächen (2459361 ha) haben einen Wert von rund 1000 Mill. M., abzüglich des Kapitalwertes der auf den Waldungen ruhenden Belastungen im jährlichen Anschlage von 2240000 M.

Die Gesamtfläche der ertragsfähigen Waldungen:

Regierungsbezirke Gesamtfläche Staatsforsten Gemeinde-, Stiftungs- u. Genossenschaftsforsten Privatforsten

ha ha ha ha

Oberbayern 543255 230987 30110 282158

Niederbayern 337994 66589 10560 260844

Pfalz 232790 114586 88328 29877

Oberpfalz 353417 108218 20098 225101

Oberfranken 241629 93978 19292 128359

Mittelfranken 253017 83227 44427 125357

Unterfranken 312751 102435 134708 75607

Schwaben 233241 72241 56876 104125

Königreich 2508088 872261 404399 1231428

Mit Laubhölzern (Buche, Eiche) sind 578988 ha (23,1 Proz.), mit Nadelhölzern (Fichte, Kiefer, Tanne) 1929101 ha (76,9 Proz.) bestanden. Die größten zusammenhängenden Waldmassen des Königreichs bildet das bayr. Hochgebirge mit den Allgäuer Alpen, der Bayrische Wald, das Pfälzer Gebirge, der Spessart und das Fichtelgebirge.

Der jährliche Ertrag an Forsthauptnutzungen (Holz) beträgt bei den Staatsforsten 3567200 Ster (cbm) im Wert von 24224000 M. (die Einnahme aus