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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Belle-Isle - Bellermann (Christian Friedr.)

Wagram teil. Nach dem Wiener Frieden (14. Okt. 1809) ging er wiederum als Generalgouverneur nach Galizien, bis er 1813 abermals zum Präsidium des Hofkriegsrats berufen ward. Im Herbst übernahm er jedoch in Italien den Befehl über die österr. Streitkräfte, drang bis Piacenza vor und schloß 16. April 1814 mit dem Vicekönig Eugen Beaubarnais eine Militärkonvention ab. Nach dem ersten Pariser Frieden wirkte er als Generalgouverneur der österr. Länder in Italien für Wiederherstellung der alten Ordnung, kämpfte 1815 gegen Murat, dessen Heer er wiederholt schlug. 1820 trat B. an Schwarzenbergs Stelle wieder an die Spitze des Hofkriegsrats, welches Amt er zugleich mit der Würde eines Staats- und Konferenzministers bis 1825 bekleidete. Er starb 22. Juli 1845 zu Wien. - Vgl. Smola, Das Leben des Feldmarschalls von B. (Wien 1847).

Belle-Isle (spr. bäll ihl, Belle-Ile-en-mer), eine zum franz. Depart. Morbihan gehörige Insel, die größte und wichtigste an der Südküste der Bretagne, vom Festlande durch die Passe d'Ouest getrennt, 13 km südsüdwestlich von der Halbinsel Quiberon, 60 km westlich von St. Nazaire und der Loiremündung gelegen. Die Insel bildet einen Kanton des Arrondissements Lorient, hat eine Länge von 18 km, eine Breite von 4 bis 10 km, bedeckt 82,5 qkm und zählt, einschließlich der Inseln Houat und Hacdic, 10 177 E. in den vier Gemeinden Le Palais, Bangor, Port-Philippe und Locmaria, von denen die drei ersten Häfen besitzen. Man gewinnt auf der Insel Getreide und Futter, zieht breton. Pferde, Schlachtvieh und Bienen, treibt Sardinen- und Thunfischfang und handelt mit Fischen und Seesalz. B. besitzt ungefähr 64 Landungsplätze und ist mit dem Festlande durch 2 Kabel verbunden, welche in Nantes oder St. Nazaire die Ankunft der Seeschiffe melden. Die Hauptstadt, der Hafenort Le Palais, ist Kriegsplatz dritter Klasse, hat ein Zellengefängnis (Nouvelle Force), eine 1572 begonnene Citadelle sowie neue Umwallung und (1891) 1776, als Gemeinde 5113 E., beträchtliche Fischerei und Dampfbootverbindung mit Nantes und Lorient. - Die Insel kam 1658 durch Kauf an den Finanzintendanten Fouquet. Ludwig XIV. ließ die Befestigungswerke 1687-92 durch Vauban vollenden. Der Marschall Belleisle, Fouquets Enkel, trat die Insel 1719 für die Grafschaft Gisors und andere Besitzungen an Ludwig XV. ab. Nachdem die Engländer unter Hawke 20. Nov. 1759 zwischen der Insel und Quiberon dem franz. Admiral Conflans eine Niederlage beigebracht, griffen sie dieselbe unter Admiral Keppel und den Generalen Hodgson und Lambert mit 21 000 Mann im April 1761 an und zwangen die Franzosen, nach tapferer Gegenwehr unter dem Chevalier Ste. Croix, 7. Juni zur Kapitulation. Im Frieden von Paris 1763 kam sie wieder an Frankreich. Napoleon I. begann eine neue Befestigung der Insel, die aber nicht vollendet wurde.

Belle-Isle (spr. bell eil), kleine zu Britisch-Nordamerika gehörende Insel mit Hafen und Rettungsstation für Schiffbrüchige am östl. Eingange in die Belle-Isle-Straße, welche die Halbinsel Labrador von Neufundland scheidet und auf der Nordseite Neufundlands die Verbindung zwischen Atlantischem Ocean und St. Lorenz-Golf herstellt.

Belleisle (spr. bällihl), Charles Louis Auguste Fouquet, Graf, dann Herzog von, Marschall von Frankreich, Enkel des Finanzintendanten Fouquet (s. d.), geb. 22. Sept. 1684 zu Villefranche, wurde nach der Belagerung von Lille 1708 Brigadier. Am Ende des Spanischen Erbfolgekrieges ging er mit dem Marschall Villars 1714 nach Rastatt und war dort bei dem Friedensschluß thätig; 1719 beteiligte er sich am Feldzuge in Spanien und wurde Marechal-de-Camp, 1732 Generallieutenant. Unter dem Marschall Berwick nahm er 1734 Trier und Trarbach und beteiligte sich mit Auszeichnung an der Belagerung von Philippsburg. An dem Frieden von 1738 (s. Polnischer Thronfolgekrieg) hatte er erhebliches Verdienst. Ludwig XV. gab ihm das Gouvernement von Metz und der drei lothr. Bistümer, das er bis an seinen Tod behielt. In dem Österreichischen Erbfolgekriege bewog er, unterstützt von der Herzogin von Chateauroux, Fleury zum Krieg gegen Maria Theresia; im Anfang stand der zum Marschall erhobene B. neben Broglie an der Spitze der franz. Armee, eroberte Nov. 1741 Prag, geriet aber, nachdem Preußen den Frieden von Breslau eingegangen war, in große Bedrängnis, in der er Dez. 1742, mitten durch die Truppen des Feindes, den Rückzug nach Eger antrat. 1744 wurde er auf einer Gesandtschaftsreise zu den deutschen Höfen in Hannover angehalten und als Gefangener nach England gebracht; erst nach einem Jahre wurde er freigegeben. 1746 wurde er Obergeneral der Armee gegen Italien, in welcher Stellung er die franz. Grenze mit Glück gegen die Österreicher und den König von Sardinien verteidigte. Hierauf erhob ihn 1748 der König zum Herzog und Pair; 1757 trat er auch an die Spitze der Kriegsverwaltung, der er bis an seinen Tod (26. Jan. 1761) vorstand. Er hat in dieser Stellung manche nützliche Besserung veranlaßt. - Vgl. Mémoires du Duc de B. (Lond. 1760); Jobez, La France sous Louis XV (6 Bde., Par. 1864-73).

Bellême, Bellesme (spr. bällähm), Hauptstadt des Kantons B. (172,58 qkm, 15 Gemeinden, 11 086 E.) im Arrondissement Mortagne des franz. Depart. Orne, am Fuße von Anhöhen von 200 bis 250 m Höhe, nahe den Ouellen der Même, 40 km östlich von Alençon, an der Linie Conches-Laigle-Mortagne-Mamers-Angers der Westbahn gelegen, ist gut gebaut, hat ein ehemals sehr festes Schloß, (1886) 2656, als Gemeinde 2825 E., Post und Telegraph, Spitzen -, Leinen -, Glasfabrikation, Kalkbrennerei sowie Handel mit Holz, Getreide, Wein, Vieh. B. ist der Geburtsort des Philosophen und Geschichtschreibers Th. H. Martin (gest. 1884). Vor der Stadt, im schönen Walde von B., einem Überreste des Saltus Perticus, befinden sich Riesensteine (Dolme) und gemauerte unterirdische Gemächer sowie eine Mineralquelle, die Fontaine de la Herse mit röm. Inschriften. - B., ein sehr alter Ort, gab einem berühmten Geschlechte den Namen. Mit dem Prinzen Karl II. von Valois, der die Grafschaft 1322 erhielt, begann die Geschichte des spätern Herzogtums Alençon. Der zweite Sohn Wilhelms I. von B., Warin, wurde der Stammvater der Grafen von Perche (s. d.).

Bellenz, deutscher Name von Bellinzona (s. d.).

Bellermann, Christian Friedr., Theolog, Sohn von Joh. Joachim B., geb. 8. Juli 1793 zu Erfurt, studierte zu Berlin und Göttingen Theologie, war 1818-25 Pfarrer der deutschen evang. Gemeinde zu Lissabon, 1829-35 Prediger der preuß. Gesandtschaft und der schweizerischen evang. Gemeinde zu Neapel. Er wurde hierauf Pfarrer der St. Paulsgemeinde in Berlin, trat 1858 in den Ruhestand und starb 24. März 1863 zu Bonn. Außer mehrern