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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bellini - Bellinzona

Kronstadt zurück, wo sie 24. Juli (5. Aug.) 1821 ankam. Die Beschreibung dieser Reise durch B. in russ. Sprache erschien in Petersburg 1831. Nach seiner Rückkehr wurde B. zum Kommandanten der Ostseeflotte ernannt, unterstützte 1828 die Operationen der russ. Truppen gegen Varna, wofür er zum Viceadmiral befördert wurde, blockierte während des poln. Aufstandes die Küste von Kurland, wurde hierauf Admiral, 1839 Kriegsgouverneur von Kronstadt und Oberkommandant des Hafens und starb 13. (25.) Jan. 1852 in Kronstadt, wo ihm 1869 eine Bronzestatue (von Schröder modelliert) errichtet wurde. - Vgl. Rußwurm, Nachrichten über die Familie von B. (Reval 1870).

Bellini, venet. Malerfamilie. Der älteste Künstler dieses Namens, Jacopo B., gest. um 1464, war ein Schüler des Gentile da Fabriano und lebte zu Florenz, Padua, Verona und Venedig. Sein bedeutendstes Werk war die für den Dom in Verona gemalte Kreuzigung. Die zwei einzigen beglaubigten Bilder sind in den Sammlungen zu Venedig und Padua, zwei interessante Skizzenbücher von ihm in London und Paris. - Vgl. Müntz, Jacopo B et la renaissance dans l'Italie septentrionale (in der "Gazette des Beaux-Arts"), 1884).

Sein ältester Sohn, Gentile B., war 1427 oder 1428 geboren und starb 22. Febr. 1507. Auch von ihm sind nur einige figurenreiche Bilder vorhanden. Er ist noch wesentlich in der Härte der frühvenet. Malweise befangen, doch bedeutender als der Vater durch seinen großartigen histor. Stil. Seine hervorragendsten Gemälde sind: in der Brera zu Mailand die Predigt des heil. Marcus, in der Akademie zu Venedig die Darstellung eines Kreuzmirakels; beide Bilder interessant durch die Straßenansichten und Kostüme im alten Venedig. Auch Porträte schuf er; das des Sultans Mohammed II. befindet sich in Privatbesitz zu Venedig. Er war zugleich als Medailleur ausgezeichnet und ging in dieser Eigenschaft 1479 nach Konstantinopel. Dort zeichnete er u. a. die Reliefs der Theodosianischen Ehrensäule.

Berühmter ist sein Bruder, Giovanni B. (Gianbellin oder Sambellin), geb. nach 1427, gest. 29. Nov. 1516. Er nahm seinen Ausgang von Mantegna und wurde das Haupt der ältern Venetianischen Schule. Wärme der Naturauffassung, feine Charakteristik, großartiges Schönheitsgefühl, Kraft des Kolorits sind schon in hohem Grade bei ihm vorhanden. Von seinen Schülern sind Giorgione und Tizian die berühmtesten, auch Bonifazio Veneziano und Sebastiano del Piombo verdanken ihm vieles. Durch Antonello da Messina angeregt, bediente er sich der bis dahin in Italien nicht angewandten Ölfarbentechnik und bildete dieselbe aus. Von seinen Werken sind hervorzuheben die Madonnenbilder in San Zaccaria zu Venedig, in der Chiesa dei Frari daselbst (s. Tafel: Italienische Kunst VI, Fig. 3), in der Brera zu Mailand, in den Uffizien zu Florenz, in der Londoner Nationalgalerie. Ferner: Christus am Kreuz, im Museum Correr zu Venedig; Taufe Christi, in Santa Corona zu Vicenza; Petrus Martyr, in der Nationalgalerie zu London; Heilige Familie, im Louvre.

Bellini, Lorenzo, Anatom und Physiolog, geb. 3. Sept. 1643 zu Florenz, seit 1663 Professor der Anatomie zu Pisa, sehr verdient durch seine Untersuchungen über den Bau und die Verrichtungen der Nieren und als Entdecker der nach ihm benannten geraden Harnkanälchen der Nieren (tubuli Belliniani, Bellinische Röhren). Auch als Dichter, namentlich durch seine "Bucchereide" (Flor. 1729), ist B. bekannt. Er starb 8. Jan. 1704. B. schrieb: "De structura et usu renum" (Flor. 1662; Amsterd. 1665 u. ö.) u. a. Seine "Opera onmia" erschienen Venedig 1708 (2 Bde.) u. ö.

Bellini, Vincenzo, ital. Opernkomponist, geb. 3. Nov. 1802 zu Catania in Sicilien, erhielt seine musikalische Bildung im Konservatorium zu Neapel. Seine Oper "Bianca e Fernando", 1826 im San Carlo-Theater zu Neapel mit Beifall gegeben, eröffnete ihm die Pforten der ital. Bühnen. 1827 schrieb er für die Scala in Mailand "Il Pirata", 1828 "La Straniera". "Zaira", 1829 für Parma komponiert, hatte keinen Erfolg, dagegen enthusiasmierten wieder "I Capuleti ed i Montecchi" (1830 in Venedig) und "La Somnambula" (1831 in Mailand). Ebenfalls 1831 trat er mit "Norma" (für Mailand) hervor, einer Schöpfung, die seine frühern Opern an dramat. Lebendigkeit noch überragte. Geringern Erfolg hatte "Beatrice di Tenda“ (1832 in Mailand). 1833 ging B. nach Paris und dann nach London, wo er eine glänzende Aufnahme fand, kehrte aber 1834 nach Paris zurück. Hier schrieb er für die dortige ital. Bühne die "Puritani", die um so mehr Beifall fanden, als B. in diesem Werke neben dem Sinnlich-Reizenden seiner Melodien mehr als früher auf dramat. Wahrheit, gewählte Instrumentierung und Sorgsamkeit im Ausbau der einzelnen Musikstücke geachtet hatte. Er starb 24. Sept. 1835 zu Puteaux bei Paris. B. begann in Rossinischen Formen. Er steht hinter diesem Vorbild an Reichtum der musikalischen Erfindung zurück, bereicherte aber die Oper mit neuen und wertvollen Elementen des Ausdrucks. Seine Musik ist eigenartig durch die Naturlaute innigen Gefühls und edler Sentimentalität. Dieser elegische Grundzug, der zuweilen an Franz Schubert erinnert, ist bei B. selbst zuweilen, bei seinen Nachahmern in der Regel ins Ungesunde ausgeartet. In seiner Reinheit war er aber von hoher Bedeutung und erklärt die große Macht, die B.s wenige Werke auf die Oper seiner Zeit ausübten. Mit Rossini und Donizetti gemeinsam beherrschte er zwei Jahrzehnte lang das Repertoire, und der Ruhm aller großen Sänger und Sängerinnen von 1830 bis 1850 ist mit den B.schen Gestalten der Norma, des Romeo und der Nachtwandlerin verknüpft. Von seinen Landsleuten wurde B. als der "sicil. Orpheus" gefeiert. 1882 wurde ihm in Catania ein Denkmal errichtet. - Biographien B.s schrieben Gerardi (Rom 1835, ital.) und Pougin (Par. 1868, franz.). - Vgl. F. Hiller, Künstlerleben (Köln 1880); Florimo, B. Memoire e lettere (Flor. 1882); Amore, Vincenzo B. (Catania 1892).

Bellinzona (Bellenz). 1) Bezirk im schweiz. Kanton Tessin, hat (1888) 14 873 E., darunter 286 Evangelische, in 22 Gemeinden und zerfällt in die Kreise B., Ticino und Giubiasco. - 2) Amtsstadt im Bezirk B., in 237 m Höhe, in üppiger romantischer Gegend, auf der linken Seite des vom Ticino durchflossenen Rivierathals am Fuße dreier Hügel, von denen die beiden östlichen die Ruinen der alten Burgen Castello di Mezzo oder di Svitto (Schwyz) und Corbario oder Corbe (458 m, Unterwalden) und der westliche das Castello Grande (Uri), jetzt Strafanstalt und Zeughaus des Kantons, tragen, hat (1888) 3302 E., darunter 172 Evangelische. Die eng gebaute Stadt zeigt durchaus ital. Charakter; das ansehnlichste Gebäude ist die Hauptkirche