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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bendarabbas - Bender (Hafen)

seiner polit. Haltung in der Bewegung von 1848 gegen seinen Willen nach Gumbinnen versetzt werden sollte. Er widmete sich nunmehr der Landwirtschaft, erwarb 1853 das Rittergut Rudow bei Berlin und gewann hier durch seine Thätigkeit in der Kreisverwaltung bald das Vertrauen seiner Mitbürger in dem Maße, daß er 1859 in das preuß. Abgeordnetenhaus und 1871 in den Reichstag gewählt wurde, wo er auf dem Gebiete der Finanzfragen eine hervorragende Thätigkeit entwickelte. B. ist im Landtage wie im Reichstage ständiges Mitglied der Budgetkommission, in ersterm war er es lange Zeit als Vorsitzender. Seit dem Beginn seiner parlamentarischen Thätigkeit gehört er der gemäßigt liberalen Richtung an, zuerst als Mitglied der Fraktion Vincke-Schwerin, während der Konfliktszeit als Anhänger des linken Centrums und später als Mitglied der nationalliberalen Partei, die ihn bald in ihren Vorstand berief. 1878-93 war er Vicepräsident des Abgeordnetenhauses. Große Verdienste hat er sich auch erworben um die Kommunalverwaltung in den Kreis- und Provinzialversammlungen sowie um die Regulierung der Grundsteuer als Referent und Ausführungskommissar.

Bendarabbas (Bender-Abbas, d. h. Abbas-Hafen), Hafenort der pers. Provinz Kerman, nördlich von der zum Persischen Meerbusen führenden Straße, der Insel Ormus gegenüber, am Fuße des Berges Gendale, Ausgangspunkt wichtiger Straßen nach Kerman und Schiras, besteht aus Hütten und wenigen schlechten Häusern mit einer vorwiegend arab. Bevölkerung von 8000 Köpfen unter einem arab. Scheich als pers. Lehnsfürsten. Während der glühenden Sonnenhitze zieht sich die Bevölkerung in das Innere zurück. Der Handel und die Bedeutung des Ortes ist sehr gesunken. 1893 betrug der Wert der Einfuhr 392 907 Pfd. St., darunter Baumwollwaren 163 446, Thee 105 108 Pfd. St., daneben Tuche und Zucker; der Wert der Ausfuhr 240 124 Pfd. St., davon Opium 36 578, Früchte und Gemüse 50 239 Pfd. St., Tabak, Asa foetida, Teppiche und rohe Wolle. B. hat Dampfschiffverbindung mit Bombay, Karatschi, Buschehr und Basra.

Die Portugiesen hatten hier von Ormus aus 1612 das Fort Komoran, auch Gomrun genannt, angelegt, nach ihrer Vertreibung durch Schah Abbas I. und die Engländer 1623 blühte der Hafen dadurch auf, daß der Schah den Handel von Ormus hierher verlegte. Doch schon seit dem Ende des 17. Jahrh. hinderten die Unruhen im Lande den Verkehr, und die Waren mußten die mehr im Innern des Persischen Golfs gelegenen Häfen, besonders Buschehr (s. d.), aufsuchen. Außer B. führen noch andere Hafenplätze des Persischen Meerbusens, des Schwarzen und Roten Meers, an der Küste Indiens u. s. w. den Namen Bender (d. i. Hafen).

Bendavid, Lazarus, Philosoph und Mathematiker, geb. 18. Okt. 1762 zu Berlin von jüd. Eltern, wurde Glasschleifer, widmete sich aber daneben wissenschaftlichen Studien, namentlich der Mathematik. Nachdem er in Berlin öffentlich mathem. und ästhetische Vorlesungen gehalten, wandte er sich 1790 nach Göttingen, wo er unter Lichtenberg und Gmelin Physik und Chemie, unter Planck Kirchengeschichte hörte. Inzwischen von der Kantschen Philosophie lebhaft ergriffen, ging er nach Wien und hielt hier Vorlesungen über die kritische Philosophie und Ästhetik. Ein allgemeines Verbot gegen die Fremden nötigte ihn 1797 zur Rückkehr nach Berlin, wo er in seinen mündlichen Vorträgen und schriftstellerischen Arbeiten fortfuhr und Direktor der jüd. Freischule wurde. Zur Zeit der Franzosenherrschaft redigierte er mit großer Umsicht die "Haude- und Spenersche Zeitung". Er starb 28. März 1832. Er schrieb u. a.: "Über Parallellinien" (Berl. 1786), "Versuch einer logischen Auseinandersetzung des mathem. Unendlichen" (ebd. 1796), "Versuch über das Vergnügen" (2 Bde., Wien 1794), "Vorlesungen über die Kritik der reinen Vernunft" (ebd. 1795, 2. Aufl., Berl. 1802), "Vorlesungen über die Kritik der praktischen Vernunft" (Wien 1796), "Vorlesungen über die Kritik der Urteilskraft" (ebd. 1796), "Versuch einer Geschmackslehre" (Berl. 1798), "Versuch einer Rechtslehre" (ebd. 1802) und (mit Block) zwei Preisschriften "Philotheos oder über den Ursprung unserer Erkenntnis" (ebd. 1802).

Bendemann, Eduard, Historienmaler, geb. 3. Dez. 1811 zu Berlin, widmete sich seit 1828 in Düsseldorf unter W. Schadow der Malerei, ging 1830-31 nach Italien, wo er später wiederholt weilte. Schon in seinen Jugendarbeiten, z. B. in Boas und Ruth, bekundete er ein bedeutendes Talent, und bereits sein 1832 vollendetes großes Gemälde, Die trauernden Juden in Babylon (Museum zu Köln), zeigte ihn auf seiner Höhe. Ein zweites größeres Bild, Zwei Mädchen am Brunnen (1833), wurde vom Rheinisch-Westfälischen Kunstverein erworben. Allgemeine Bewunderung erweckte das 1837 entstandene große Gemälde: Jeremias auf den Trümmern von Jerusalem (königl. Schloß in Hannover). Nannte sich B. selbst den Idyllenmaler des Alten Testaments, so sprach sich der idyllische Charakter seiner Kunst noch deutlicher aus in der Ernte, Der Hirt und die Hirtin (Sammlung des Grafen Raczynski) und Die Töchter des serb. Fürsten, nach einem serb. Volksliede. 1838 als Professor der Kunstakademie nach Dresden berufen, schmückte er dort im königl. Schlosse den Thronsaal sowie den Ball- und Konzertsaal mit umfangreichen Fresken. Von sonstigen Ölbildern, die B. in Dresden malte, sind noch hervorzuheben: der Kaiser Lothar II. für den Römer zu Frankfurt, die Nausikaa für König Friedrich Wilhelm IV., Ulysses und Penelope (Museum zu Cassel). 1859 folgte B. dem Rufe als Direktor der Akademie zu Düsseldorf, legte dieses Amt jedoch 1867 wieder nieder. Dort noch hatte er 1866 den Fries für die Realschule zu Düsseldorf (Allegorien und 20 Bildnisse großer Deutscher) gemalt; seitdem lieferte er als Wandgemälde im Schwurgerichtsgebäude zu Naumburg den Tod des Abel; außerdem die Porträte Wilh. von Schadows, des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen (zu Antwerpen) und sein Selbstbildnis; endlich 1872 das große Ölgemälde: Wegführung der Juden in die Babylonische Gefangenschaft (Nationalgalerie in Berlin) und 1877 das von der Antwerpener Akademie erworbene Ölgemälde: Penelope. 1880 vollendete er drei größere Bilder, die die Fahrt durch die Wüste gleichnisartig darstellen. In B.s Bildern ist das lyrische, zum Teil elegische Moment, die Darstellung des Gemütszustandes im Gegensatz zur dramatisch entwickelten Handlung, vorwiegend. Sie tragen das Gepräge sorgfältigster Durchbildung Und graziöser Klassicität; im Kolorit versuchte der Künstler erst spät den süßlichen Idealismus der Schadowschule mit dem modernen Realismus zu vertauschen. B. starb 27. Dez. 1889 zu Düsseldorf.

Bender (pers.), Hafen.